Am 38. Sonntag des laufenden Jahres zog es uns nach Thorr. Es gab also 37 gute Gründe, den Besuch des Bergheimer Stadtteils so lange aufzuschieben. Dachten wir. Jetzt wissen wir es!

2274 Menschen leben hier. Weil sie vielleicht keinen Führerschein haben, der Bus nicht fährt oder weil sie der Überzeugung sind, dass es hier zumindest schöner als in Ahe oder Quadrath ist. Man weiß es nicht. Zumindest, das muss man der Thorräen (Einwohner Thorrs) lassen: Man erspäht hier nur sehr vereinzelt eine Orchidee. Wachsen hier nicht. Apropos Pflanzen: Mitten im Ort soll sich kurz nach Christi Geburt ein Vicus befunden haben. Schade, dass dies der Vergangenheit angehört, denn auch heute würde eine solche Birkenfeige den Ort aufwerten. Aber wahrscheinlich ist der Ortsvorsteher Allergiker.

Gar nicht Super – Tankstellensterben
Auch nach dem Schließen diverser Einkaufsmöglichkeiten sowie der örtlichen Petrolstation müssen die Thorren (Einwohner Thorrs) nicht auf frische Backwaren verzichten. Ein findiger Geschäftsmann wartet mit einem wahren Konglomerat an (körpernahen) Serviceangeboten auf. Sagen wir mal so: Wer des sonntags spontan morgens ein Hermespaket abgeben, Brötchen, Kippen, Chupa Chups holen und gleichzeitig noch sechs aus 49 tippen möchte, kann dies hier in einem Gang erledigen! Top.


Wer dagegen seinen Verbrenner nachölen möchte, muss sich notfalls doch einen Ochsen vorschnallen – die Tankstelle ist Vergangenheit. Auch hier beweisen die Thorri (Einwohner Thorrs) ihren pragmatischen Weitblick und haben – ganz Vorreiter – noch vor der Energiewende den fossilen Brennstoffen den Garaus gemacht! Toppi!

Auch sonst scheint Pragmatismus hier mehr als ein fehlgeleiteter Brotaufstrich. Altes wird entsorgt – aber liebevoll und mit Blick auf die, die noch weniger haben (Ahe liegt nur zehn Ochsenkarrenminuten entfernt). Wer Rohre braucht („Dingdong – ich bin der Klempner und soll hier ein Rohr verlegen.“) oder doch noch ein Restvorkommen fossilen Brennstoffs benötigt, der wird hier fündig! Man munkelt, dass am Abend unseres Besuchs zumindest eine Baracke in Ahe im fahlen Schein einer Petroleumlampe erhellt war…

Pragmatisch sind die Thorrsen (Einwohner Thorrs) auch was die Namensgebung ihrer Wege und Gassen betrifft. Warum sich viele Gedanken machen, wenn man es doch auch einfach haben kann?! Zumal man sich anscheinend immer noch gerne an einstige ostgermanische Völker erinnert, die brandschatzend und marodierend durch die Flure donnerten.


Ein weiterer Beweis dafür, dass Deutschland zu recht das Land der Dichter und Denker ist, findet der geneigte Philanthrop auch in solch versteckten Hainen wie Thorr. Mehr wäre zu viel.

Herausragendes Monument Thorrs ist der sogenannte Römerturm. Phallusgleich reckt er sich in den sonnig-diesigen Morgen, stolz aber doch beschnitten. Die dazugehörige Kirche drumherum quasi hat ein Erdbeben dahingerafft. Das lehrt uns: 1. Wiederaufbau ist eine neumodische Randerscheinung und 2. Türme sind erdbebensicher. Rapunzel ist eine glückliche Magd!

Die Themen der Woche
Wir sprachen über:
- die Bundestagswahl und die Chancen des örtlichen SPD-Abgeordneten Aron trotz seiner gewagten Oberhemdenauswahl noch in den Bundestag einzuziehen
- die große Freude, die einen wohligarm durchzuckt, wenn man auf dem Antwerpener Autobahnring versehentlich einmal die richtige Abfahrt erwischt
Die Lieder der Woche
Wir sangen:
- „Absolut Bella“ hat nichts verlernt, der Musikredakteursdarsteller (m/w/d) hat die nächste Schwelle auf dem Weg in den Hades absolviert, indem man uns Olaf Berger und seine Minderbegabung beweisende Interpretation der schon im Original mehr als fragwürdigen Version des Autoselbstfahrerhitparadenaspiranten „Wer verdammt ist Alice“ vorgesetzt hat. Olaf Berger trägt dabei die abgelegte Frettchenpopohaarmatte von Matthias Reim auf und grinst wie ein Waschbär, der versehentlich an einem Drops Viagra geschleckt hat.
Die USA haben Dolly Parton, Willi Nelson und Taylor Swift. Wir haben Johnny Hill (bzw. Ferenc Gillming, wie seine Eltern ihn nannten), Tom Astor (geb. Wilhelm Bräutigam) und natürlich die wehrhaften Recken des schadhaften Lächelns von „Truck Stop“. Auch die können sich dank der Gema-Einnahmen durch „Absolut Bella“ nach der Christmette noch eine warme Suppe leisten. Wir genossen:
Ich bin verwundert, dass ihr den berühmtesten aller Thorren gar nicht erwähnt? Lukas Podolski hat dort seine Windel gegen das Runde, welches in das Echige muss, getauscht und ist quasi in Thorr unter den Thorris zu dem Hammerschwinger überhaupt geworden.
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