Die Sonne scheint, die Vögel singen, wir sind beide bester Laune. Die besten Voraussetzungen also, durch die eher tristen Gegenden des Kreises zu spazieren. So dachten wir, als wir uns auf den Weg nach Heppendorf machten. Wie sollten wir uns jedoch irren. Auf unserer Wanderung sind wir Dingen begegnet, die nie ein Mensch zuvor gesehen, gerochen oder gespürt hat. Aber der Reihe nach.
Wir parken unser Gefährt am Friedhof von Heppendorf, der momentan eher einer Wildkräuterwiese ähnelt. Weil wir Angst haben, uns am hüfthohen Gras die Beine zu verwunden, betreten wir das Gräberfeld nicht und spazieren über die Hansaremsgasse in Richtung Zentrum – ein Euphemismus. Manch eine*r wird sich vielleicht fragen, woher der Name „Hansarem“ kommt. Hier kommen wir mit unserem Bildungsauftrag ins Spiel: Der Hans Arem (oder auch Hans Adam) ist quasi der direkte Bruder vom Nubbel. Im Gegensatz zu diesem wurde der Hansarem allerdings nicht zu Karneval gebaut, aufgestellt und hingerichtet, sondern bei jeder stattfindenden Kirmes. Inszenatorisch ist man allerdings bei diesem Kameraden noch einen Schritt weitergegangen. Während der Nubbel lediglich verbrannt wird, hat man den Hansarem regelrecht abgeschlachtet. Das Innere der Puppe wurde mit einer mit Blut gefüllten Schweinsblase versehen, so dass diese bei einem Stoß mit dem Messer riss und sich die scharlachrote Flüssigkeit über den Boden verteilte. Man kann sich vorstellen, was für ein heiteres Fest das für alle Beteiligten gewesen sein muss. Dies erklärt auch das ein oder andere eigenartige Ding, das uns auf unserer Wanderung noch begegnen wird.
Duftgewaltige Erinnerungen
An der Kreuzung zur Widdendorfer Straße halten wir aprupt an, weil uns ein Geruch in die Nase steigt, den wir seit Abiturzeiten nicht mehr gerochen haben. Wobei das nicht ganz stimmt. Richtigerweise muss man sagen, dass wir diesen Geruch seit Abiturzeiten nicht mehr von einer Pflanze gerochen haben. Es fällt schwer, dieses besondere Odeur in Worte zu fassen. Als Mann denkt man automatisch an verklebte Taschentücher und Hugh Hefners Publikationen. Damals haben wir diesen Hecken einen Namen gegeben, den wir an dieser Stelle nicht wiederholen möchten, aber er unterscheidet sich nur durch einen Buchstaben vom „Wachsstrauch“. Es bleibt die Frage, wer diesen Geruch als angenehm empfindet und sich gleich mehrere solcher Hecken in den Garten dübelt.

Weiter geht es in Richtung katholischen Kirche. Kai erinnert sich an seine Zeit als Lokalreporter und die Besuche der örtlichen Karnevalssitzungen. Wer ein Fan von geschmackvollen Auftritten, lieblichen Gesangsdarbietungen und dezent-zurückhaltenden Tänzen ist, sollte Heppendorf an Karneval großzügig umfahren. Wer es eher rustikal mag, wird hier seine Heimat finden.
Wir ziehen vorbei an der evangelischen Kirche mit ihrem interessanten Glockenturm und biegen dann in Richtung Feld ab. Hier werden wir Zeugen von Volkskunst. Aus unterschiedlich großen Rohren hat man hier etwas geschaffen, das berührt und betroffen macht. Wir haben dem Ouvre den Titel „Wanderer, hinterlasse einen Gruß“ gegeben.

Dann passieren wir eine Szenerie, die wir nicht zu 100 Prozent richtig einordnen können. Wohnt hier ein Hobby-Kürschner? Arbeitet Frankenstein an einem neuen Projekt? Heppendorf, wir haben Fragen.

Stolpern durch Stammeln
Weiter geht es in Richtung Stammeln. Hier ist das namensgebende Gestüt beheimatet, von dem wir einigermaßen beeindruckt sind, zumal es in der angrenzenden Restauration Zunft-Kölsch gibt. Wir hatten schon befürchtet, es sei augestorben, aber wenn man mal über die örtlichen Karnevalsfeiern und Kirmes-Rituale nachdenkt, passt dieses Kölsch genau hierhin.
Einen Ausflug hierhin können wir allen ans Herz legen, die Pferde, Landschaft und schöne Gebäude zu schätzen wissen. Schwierig wird es allerdings, was die Anschlüsse ans hiesige Abwassersystem anbelangt. Zwischendurch schlägt den fröhlichen Wandernden der Geruch des Verderbens entgegen. Die charekteristische Mischung aus Methan und Ammoniak greift die Schleimhäute an und treibt jedem die Tränen in die Augen. Irgendwann aber spürt man gar nichts mehr.

In Heppendorf schauen wir uns dann noch kurz das vollkommen überdimensionierte „Forum“ und ein Gebäude an, dessen Funktion sich wahrscheinlich hinter den verspiegelten Türen verbirgt. Vielleicht wird hier der nächste Hansarem gebalstelt…

Walken durch Widdendorf
Von Stammeln aus brechen wir auf in Richtung Widdendorf, einem Ort mit mehr Pferden als Einwohnern. Wir sprechen viel über die Zeiten, in denen wir unsere Freundin Anemone hier besucht haben. Sowieso, mit Mone hatten wir gute Zeiten beim gemeinsamen Filmeschauen, Feiern und allem anderen.

Über diverse Feldwege kehren wir zum Ausgangspunkt zurück und passieren dabei ein Feld mit nicht geerntetem Spargel. Wir überschlagen nur grob, wieviel Geld hier im Acker steckt, aber wahrscheinlich würde es für eine zweiwöchige Kreuzfahrt reichen. Spargel, das Gold des kleinen Mannes.

Auf dem Rückweg überholt uns eine rüstige Seniorin auf ihrem E-Bike und ruft uns zu: „Wenn Sie hier weitergehen dauert es aber noch ganz schön lange, bis sie irgendwo ankommen! Viel Glück!“ Ihr Lachen lässt uns frieren und wir sind sehr dankbar, als wir wieder am Friedhof ankommen.
Fazit: Heppendorf, Stammeln und Widdendorf haben einiges zu bieten. Manches macht Angst, anderes bringt Dich zum Weinen. Immer wieder gibt es aber auch Schönes.
Wir sprechen über:
- Murmelmania. Wenn Du denkst, „Domino-Day“ könnte an nervenaufreibender Spannung nicht überboten werden, hast Du wahrscheinlich Recht. Murmelmania ist so ziemlich das langweiligste, uninspirierteste an eine Sendung erinnernde Etwas, das das Deutsche Fernsehen zu bieten hat.
- Kais geplanten Außeneinsatz bei einer Gerberei. Hat er abgelehnt. Aus Gründen.
- Homeoffice als Alternative zur Folter.
- Neue Perspektiven
- Den Raucherhof an unserer Schule. Sowas gab es damals noch. Heute gilt unser Gymnasium als drogenfrei, was zur Folge hat, dass man sich bei dort stattfindenden Veranstaltungen noch nicht mal ein kaltes Kölsch in den Hals schütten kann. So geht alles dahin.
- Treppen an neu gebauten Häusern. Warum macht man seinen Eingang nicht ebenerdig? Noch schlimmer: Warum muss man eine Treppe zum Eingang emporsteigen, nur um dann vom Flur aus die Stufen hinab ins Wohnzimmer zu nehmen?
Ohrwurm des Tages:
Leider heute Phänomen von Helene Fischer. Zum Ausgleich aber sowohl Lass die Sonne in Dein Herz und Für alle von der Gruppe Wind. Ganz zum Schluss Wie ein Schasch ohne Lik von Mike Krüger und Millionen Frauen lieben mich von Karl Dall.
Hey Ihr Zwei, ich komme aus dem Staunen nicht heraus und fühle mich geehrt! Habt Ihr die Strecke echt komplett zu Fuß zurückgelegt? Ist Heppendorf der neue Ort des Grauens? Sollte man dieses Erlebnis auch mal nachts tätigen? Und Kai, ist die Imbissbude von damals (zu Zivi-Zeiten) noch da? Habt Ihr bei Herrn Bergerhausen Klingelmäuschen gespielt? Übrigens soll Widdendorf schon wieder abgebaggert werden, dieses Mal geht es nicht um Kohle, also irgendwie doch, sondern um Kies und Sand. Dann blieben nur noch die Erinnerungen… Wie an den guten alten Raucherhof.
P.S.: Meine Kinder lieben Murmelmania, sind aber auch noch nicht so TV-Show verwöhnt. 🙂
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Wir sind wackere Wandersmänner und legen jede Strecke zu Fuß zurück. Schon damals sind wir doch zu fast jeder Fete zu Fuß gegangen. BGH haben wir nur aus der Ferne zugewunken. Gut, dass wir Widdendorf nochmal gesehen haben. Liebe Grüße Dan
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