Überwintern in Sinthern

Neuer Tag – neues Glück! Bevor wir uns des sonntagmorgens aufmachen einen neuen Ort im Rhein-Erft-Kreis zu erkunden, sind wir meist noch guter Laune und hoffnungsvoller Absichten. Und dann, ja dann fährt man nach Sinthern und denkt an folgende Zeilen:

Du geleitest mich durchs Leben,
Sintherne Melancholie!
Mag mein Stern sich strahlend heben,
Mag er sinken – weichest nie!

Führst mich oft in Felsenklüfte,
Wo der Adler einsam haust,
Tannen starren in die Lüfte
Und der Waldstrom donnernd braust.

Meiner Toten dann gedenk ich,
Wild hervor die Träne bricht,
Und an deinen Busen senk ich
Mein umnachtet Angesicht.

Ob Nikolaus Lenau, der alte Ösi sich seinen ihn auszeichnenden Weltschmerz bei einer zünftigen Bollerwagentour durch Sinthern zugezogen hat, ist leider nicht überliefert, aber vorstellbar wäre es. Existierte der sympathische kleine Pulheimer Stadtteil doch schon zu Lenaus Zeiten. Und sogar schon als Papst Johannes XII. die Geschicke der Weltkirche aus dem fernen Rom lenkte. Im Jahre 962 ward Sinthern des erste Mal urkundlich erwähnt als der Kölner Erzbischof Brun nach einem zentralen Austragungsort der jährlichen „Tanz in den Mai“-Feierlichkeiten suchte und auf dem Weg nach Köln seine Notdurft im Pulheimer Bach verrichtete.

Linden waren nicht mehr da. Alle weg.

Bis heute ist der jährliche „Tanz in den Mai“ eine Festivität nationaler Bedeutung in Sinthern. Altüberlieferte Erzählungen der Großelterngeneration beginnen meist mit den Worten „Es muss beim Tanz in den Mai 1944 gewesen sein, dass…“. Jedes Jahr Ende April sieht man die Menschen hier Fenster putzen, die Hausfassaden neu tünchen, Blumen pflanzen und Opfergaben sammeln. Selbst die emporschnellende Geburtenrate nach Weihnachten gibt leise Zeugnis eines überbordenden Festes zwischen Kampftrinken und Koitus.

Immer, wenn er zornig war, ging er in die Entspannungsoase. Happy End!

Besonders erwähnenswert sei die Tatsache, dass eben jene Festivität auf dem „Weißer-Flieder-Platz“ ausgetragen wird. Wer denkt da nicht sofort an Magda Schneider, Willy Fritsch und die junge Romy Schneider?! Und wer nun noch keinen Ohrwurm hat, der klicke bitte auf diesen Link und genieße. Gern geschehen.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Am Ende führt sie aber nicht nach Küssnacht und niemand wird erschossen (meistens zumindest)

Die Fliederblüte selbst geht allerdings in Sinthern an vielen Menschen vorbei. Zum einen weil zu wenige freundliche Bürger eine Patenschaft für die hiesigen Fliederhaine übernommen haben, zum anderen weil man aus vielen Häusern die blühenden Flieder gar nicht zu erblicken vermag. Der örtliche Architekt scheint dafür bekannt zu sein den Hausbau völlig neu zu denken und aus Gründen der Kosten- und Energieeffizienz fast vollständig auf solch gestrige Errungenschaften wie „Fenster“ zu verzichten. Seit der Herrschaft Vlads III. wurden wohl außerhalb des Einflussbereichs des einstigen Terrormonarchen kaum so viele fensterlose Bauten errichtet wie in Sinthern. So hat jeder Ort, jede Gemarkung ihre ihr ureigene Besonderheit, die sie vom ermüdenden Mainstream abhebt.

Umbauarbeiten am Hauptsitz der „Hannelore Kohl Stiftung“
Natascha vertrug immer noch keine Sonne

Was uns beim Lustwandeln durch den teils etwas hügeligen (nicht zu verwechseln mit „hyggelig“) Ort auffällt, ist die offen zur Schau gestellte Liebe zu Hausnummern jeglicher Couleur. Sinthern ist Fluch und Segen der Paketbotengilde zugleich. Wer hier eine Hausnummer sucht, der findet sie (außer das Haus wurde spontan abgerissen und die Ruinen zur Erinnerung an düstere Zeiten mahnmalartig stehen gelassen).

Illuminatenchaussee
Der Hermes-Fahrer suchte vergebens Haus Nr. 57. Deshalb warf er das Paket einfach weg

Von längst vergessenen Zeiten zeugen aber auch in Sinthern noch einige Gebäude wie beispielsweise der alte Fronhof. Im 10. Jahrhundert war er wohl Sitz eines Hofesgerichtes. Ob das geschmeckt hat, ist nicht überliefert. Kurz nach 1800 fiel aber auch er den französischen Truppen zu, die ganz Sinthern besetzten und der „Mairie Freimersdorf“ zuordneten. Sinthern war damit Teil des Arrondissement de Cologne. Quasi die Banlieue der Großstadt. Aber genug des Französischen, heute erinnert hier nichts mehr an die sympathische Besatzungsmacht, deren Staatsbürger einst BH, Bikini und Kugelschreiber erfanden.

Ein Tor, aber keine Kaserne. Und auch keine Laterne

Ansonsten kann hier der Frömmste in Frieden leben, wenn ihm die schöne Nachbarin gefällt. Ein Ort, der einen allein aufgrund seiner hügeligen Topographie des auslaufenden Villerückens zum Runterbremsen auf dem Weg nach Geyen zwingt.

Sorgen oft für Stromausfälle: Überlandleitungen
Ehrenamtliches Engagement. Da ohne würde Sinthern nicht aufblühen

Die Themen der Woche

Wir sprachen über:

  • Ausflüge ins ehemalige Zonenrandgebiet und die Freundlichkeit missmutiger Rezeptionisten
  • unsere Abscheu hochfloriger Auslegeware in Hotelzimmern gegenüber
  • der ausgeklügelten Zusammenarbeit diverser Gesundheitsämter in der Kontaktnachverfolgung

Die Lieder der Woche

Wir sangen:

  • Diesmal, und das ist eine absolute Premiere, sangen wir ein Lied, das wir spontan selbst komponierten. Wir parkten an der Straße „Am Brauweiler Pfädchen“ und fast unisono sangen wir einen rheinischen Schunkelhit, den es noch nicht gibt, der aber musikalisch irgendwo zwischen Marie Luise Nikuta und Ludwig Sebus anzusiedeln ist. Wir denken, das wird ein Knaller-Hit der Session 2023/2024.
  • Ansonsten beglückte uns der Sender des gutgelaunten Wahnsinns „Absolut Bella“ mit Bata Illic und bescherte uns „Goldene Zeiten„.
  • Absoluter Mitsinghit der Rückfahrt war aber der Klassiker von Mario Jordan, der musikalisch damit über jenen ging und uns Durst nach Diebels Alt bescherte. Nicht!

A Grouven kind of love

Es gibt diese Orte, deren Namen man zwar kennt, von denen man aber nicht genau zu sagen vermag, wo sie eigentlich liegen. Man hat eine ungefähre Ahnung, ein Gefühl, aber sicher ist man sich nicht. So ging es uns mit Grouven. Wir wussten, dass es diesen Ort gibt, glaubten, schon einige Male daran vorbeigefahren zu sein, einer von uns konnte sogar berichten, dass er sich schon einige Male innerhalb der Ortsgrenzen befunden hat, aber wie wir dorthin gelangen sollten, war uns beiden schleierhaft. Es fühlte sich ein wenig an wie die Suche nach Shangri-La, als wir uns an diesem Sonntag aufmachten, um die Geheimnisse Grouvens zu erkunden. Mittlerweile wissen wir: Wenn es welche gibt, sind sie dem auswärtigen Auge gut verborgen. Aber der Reihe nach.

Grau, Grauen, Grouven

Wir parken das Auto, aus dem einer von uns mittlerweile immer schlechter aussteigen kann (und wenn wir ganz ehrlich sind, fällt es dem anderen auch nicht mehr so leicht), am Ortseingang auf der Römerstraße. Die heißt so, weil sie mal eine Römerstraße war. Im Prinzp besteht Grouven auch nur aus eben dieser Straße und dem sowohl phonetisch als auch optisch ästhetischen Brockendorfer Weg. Der Rest ist besserer Feldweg. Zunächst blicken wir auf Felder, dann wendet sich unser Blick der vor uns hingestreckten Römerstraße zu. Gesäumt wird sie von einer Mischung aus historischen Gebäuden, Quelle-Fertighäusern und dem ein oder anderen ehemaligen Bauernhof, den man zu durchaus ansehnlichen Behausungen umgebaut hat.

Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate!

Direkt am Ortsanfang schlägt mit dem „Grouvener Treff“ das kulturelle Herz des Ortes. Hier trifft man sich zum Frühschoppen auf ein Herrengedeck oder am Abend zum Herrengedeck. Essen kann man hier auch. Am Eingang fällt uns auf, dass hier akribisch auf die Einhaltung der Corona-Maßnahmen geachtet wird und die Menschen subtil an die Vorteile einer Impfung erinnert werden.

Sowieso muss man festhalten, dass in Grouven gerne vermittels diverser Schilder an die Bürger:innen appelliert wird. In einem Haus scheint sogar ein Schildermaler zu wohnen. Anders lässt sich das Fenster mit verschiedenen Botschaften kaum erklären.

Kalligraphiekurse auf Anfrage
Wer genau hinschaut, entdeckt noch geheime Botschaften der letzten römischen Wanderer.

Auf unserem weiteren Weg passieren wir die Kapelle St. Brigida und die gegenüberliegende Burg Grouven. Beide sind über 500 Jahre alt und erzählen von der einstigen Bedeutung des Ortes für Pilger und Geschäftsleute.

Das Naherholungsgebiet des Ortes ist der Grouvener Weiher. Hier tummeln sich bei schönerem Wetter als heute Angelfreunde, Familien und Erholungssuchende. Heute wirkt alles eher trostlos, aber wenn die Sonne nicht scheint, ist selbst Paris eine Müllkippe. Über „Auf dem Kamp“ gelangen wir zum westlich gelegenen Ortsausgang, der nach unserer Kehrtwende zum Ortseingang wird. Wir wandern über den Brockendorfer Weg zur anderen Seite des Ortes, die wir nach vier Minuten erreichen. In Grouven ist alles sehr gut fußläufig zu erreichen. Außer Supermärkte, Drogerien, eine Tankstelle, eine Schule, ein Kindergarten, ein Arzt und eine Apotheke, Da braucht man dann schon ein Auto, aber man kann eben nicht alles haben.

Widersprüchliche und irritierende Botschaften

Auf nach Elsdorf.

Weil wir von Grouven nun wirklich alles gesehen haben, besteigen wir unter lautem Stöhnen wieder unser Gefährt und fahren nach Elsdorf. Das Auto parken wir am alten Friedhof, den wir sogleich erkunden. Hier gibt es eine von wenigen Streuwiesen im Rhein-Erft-Kreis. Wer also den Wunsch hegt, seine Asche verteilen zu lassen, kann sich hier nach dem Ableben auf Büsche, Bäume und Pflanzen verteilen lassen, um dann vom Wind hinfortgetragen zu werden. Zugegeben, unter ästhetischen Gesichtspunkten ist der Friedhof eher ein Rohdiamant, aber das trifft auf die gesamte Stadt zu.

Wählen Sie zwischen klassischen und modernen Bestattungsformen.

Das Theatersensemble dell‘ arte, dem Dan seit 25 Jahren angehört hat hier in Elsdorf seinen Ursprung. Im Pfarrheim von Sankt Maria Geburt fanden damals die Proben für viele unterschiedliche Stücke statt, aber irgendwann hat das Ensemble dann den Absprung geschafft und ist nach Kerpen ausgewandert.

Im Frühjahr sicher herrlich anzusehen.

Elsdorf an sich ist alles in allem eher grau. Wie in vielen anderen Städten ist auch hier im Laufe der vergangenen Jahrzehnte der Einzelhandel weggestorben. Bemerkenswert ist die hohe Anzahl an Fahrschulen. Anscheinend ist das ein Business mit Zukunft. Auf der Köln-Aachener-Straße gibt es noch einige Geschäfte und das trotzige Union-Service-Kino, das es schafft, sich irgendwie über Wasser zu halten. Wir hegen beide die schönsten Erinnerungen an die kleinen, inhabergeführten Kinos im Rhein-Erft-Kreis, zu denen neben dem Union Service Kino auch das Capitol Theater Kerpen, das Berli in Hürth-Berrenrath und das Europa-Kino-Center in Bergheim gehören. Letzteres hat allerdings schon lange geschlossen.

Hier wird Service noch großgeschrieben. Und Union. Und Kino.

Wir gehen die Köln-Aachener-Straße bis zum Ende, drehen kurz nach der Hähnchenstube um und gehen dann wieder zurück. Irgendwie ist alles ein bisschen fad und wir verfallen in eine seltsame Lethargie. Man blickt hier abwechselnd auf die Zuckerfabrik oder den Tagebau. Selbst die Weihnachtsbeleuchtung, die hier noch immer hängt, ist von einer eigenartigen Beschaffenheit. Damit hohe Fahrzeuge die Straße passieren können, hat man die Sternschnuppen nicht zur Fahrbahn hin sondern in die entgegengesetzte Richtung angebracht. So sehen sie aus, als würden sie sich angeekelt voneinander wegdrehen. Wir suchen nach Aufheiterung, finden sie aber nicht. Selbst die zur Stadtverschönerung allerorts aufgestellten überdimensionierten roten Blumentöpfe können uns kein Lächeln entlocken. Also machen wir uns wieder auf in Richtung Friedhof und klettern dann wieder ins Auto, um nach Hause zu fahren.

Wir wachsen zusammen und wir vergehen zusammen.

Ohrwurm des Tages

Ohrwurm ist überhaupt gar kein Ausdruck. Auf Absolut Bella läuft während der Hinfahrt unter anderem Peter Petrels Hit „Ich bin viel zu bescheiden“. Wir singen leise mit. Während unserer Wanderung frisst sich dieses Lied allerdings immer weiter durch unseren Cortex, so dass wir wechselweise alle zwei Minuten zum Refrain anheben. Wie sich zeigen soll, hält die Wirkung noch bis zum übernächsten Tag an. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen summt der Autor leise mit. Es ist tragisch.

Wir sprachen über

Urlaub auf Lanzarote. Dan war samt Gatten und Freunden für eine Woche dort und konnte ein wenig Sonne tanken. Nun ist der Vitamin D Pegel aufgefüllt.

Corona allerorten. Mittlerweile ist man ja schon fast eine Randerscheinung, wenn man sich noch nicht angesteckt hat.

Das Dschungelcamp in diesem Jahr. Kai kennt mal wieder fast alle, Dan ist noch bei Tina Ruland dabei, muss bei den anderen allerdings passen.

Lustwandeln in Lechenich

Der Grund weshalb im Mittelalter selten Burgen aus Metall gebaut wurden – Rost!

Die letzte kleine Stadtwanderung des zu Ende gehenden Jahres führt uns diesmal in die Stadt, die es eigentlich nicht gibt: Erftstadt! Ein Mysterium der kommunalen Gliederung Ende der 1960er Jahre. Einst begann hier der Kreis Euskirchen und damit quasi ja auch die Eifel, doch im sagenumwobenen „schleichenden Eifelkrieg“, der einst viele Opfer forderte (Ehre, Ansehen, Geschwisterliebe+) wurden ganze Orte ausgeschlossen und zu einer neuen Stadt umfirmiert. Da aber alle Gemarkungen zu klein und unbedeutend waren Stadtrechte zu tragen, beschloss man das Gebiet mit dem Namen des hiesigen Stromes (Erft) zu versehen. So entstand „Erftstadt“ – die Stadtverwaltung ist so auch aufgeteilt zwischen den Unterzentren Lechenich und Liblar. Außer natürlich dem Amt für Zauberei und Hexenverfolgung. Das steht seit jeher in Borr.

Von Mäusen, Löwen und geflüchteten Katzen

Wenn bei den Mäusen gegen 16 Uhr (unteres Schild) niemand mehr öffnet, hat das Gründe (oberes Schild)

Auch wenn so ein ausgedehnter Stadtspaziergang Mitte Dezember oft nicht auf die besten Rahmenbedingungen fällt (das Wetter ist in der rheinischen Bucht meist feucht, lauwarm und unerträglich – so wie Jenny Elvers in den 90ern), so muss man eingestehen, dass Erftstadt-Lechenich doch vielen von uns in 2020 und 2021 besuchten Orten etwas voraus hat: Es ist stellenweise tatsächlich pittoresk, nett anzusehen und wohnlich. Fragt man sich beispielsweise im Bedburger Land oft, weshalb hier Menschen leben, so erschließen sich die Gründe hierfür in Lechenich schon eher.

Ellie war die Flucht gelungen. Das darf nicht sein!

So gibt es noch zahlreiche Geschäfte und Händler, die ihre Waren feilbieten, einen zentralen Platz für Märkte, Feste und Urteilsvollstreckungen aus Borr sowie hübsch gelegene Häuser direkt am Wasser. So ähnlich wie im Center Parc – nur ohne die nervigen niederländischen Touristen. Außerdem gehen die meisten Einwohner aufrecht und können sich auch mit Auswärtigen verständigen. Gut 52.000 Menschen leben hier, einige könnten noch Vorfahren aus dem 2. Jahrhundert nach Christi haben. Bereits damals war das Gebiet besiedelt, selbst große Römerstraßen (Agrippa-Straße) führten auf dem Weg von Trier nach Köln durch Lechenich und viele ehemalige Römerstraßen werden heute noch genutzt. Einige sind aber in der Zwischenzeit mit neuem Asphalt bedeckt worden. Einige…

Wo die Aussicht schön, da lass Dich nieder

Und noch ein Apercu für historisch-interessierte Leserinnen und Leser jedweden Geschlechts: Der Name „Lechenich“ soll sich von einem Matronenstein (Matronae Lanehiae) ableiten, der wohl als Grababdeckung diente und hier ausgegraben wurde. Kurz: Lechenich war eine römische Gemarkung mit Wein, Weib und Gesang.

Stadt des schadhaften Lächelns

Inflation! Lebensmittel werden immer teurer. Dennoch gilt: Das Auge isst mit

Heute bietet der Ort kulinarisch sicher auch einiges, der wenig wohlbestallte Kaugummiautomat am Ortseingang gibt da allerdings wenig Grund zur Hoffnung, bietet er doch nur Unterhaltungsdevotionalien feil. Was uns aber sonst auffällt ist, dass die Menschen hier sehr freundlich sind. Ständig werden wir gegrüßt, immer wieder schallt uns ein „Guten Morgen“ oder „Hallo“ entgegen und ständig sehen wir uns mit einem herzlichen „Griaß di“ genötigt zu antworten. Das verwirrt uns sehr. Meist treffen wir auf unseren Touren niemanden, in vielen Gemarkungen nordwestlich der Erft verschanzen sich die Ortsansässigen hinter ihren Mauern und Zäunen sobald ein „Fremder“ den Ort betritt und wenn sich doch mal jemand vom Bonnekampnotkauf am Kiosk nicht schnell genug auf den Heimweg gemacht hat, so grüßt er bzw. sie bzw. es uns nicht. Das ist in Lechenich ganz anders. Scheinbar trägt die römische Besatzung noch heute Früchte bei den Barbaren.

Beschämt über den Zustand von „Earls Lane“ ließ der Earl von Dorincourt das pestilenzartige Gewässer inmitten der Stadt zuschütten
Der Frosch war quickfidel. Doch der Geier konnte warten

Geradezu liebevoll sind die Schaufenster eines örtlichen Versicherungsbüros unweit des Burgparks gestaltet. Statt Werbetafeln, dass es keine bessere Zahnzusatzversicherung für die marode Kauleiste als die hiesige gibt oder verwelkten Trockenblumen aus Zeiten der Wiedervereinigung, hat der Versicherungsagent hier eine wahre Spielzeuglandschaft in all (!) seinen Schaufenstern aufgebaut. Einen Jahrmarkt, einen Weihnachtsmarkt, geschäftiges Treiben in Einkaufsstraßen – all das findet sich hier eingebettet in eine Winterlandschaft. Und – der besondere Clou – nach Betätigen eines Lichtschalters außen am Schaufenster erwecken die Landschaften zu Leben. Das hat wirklich Stil, ist nicht nur für Kinder ein Hingucker in der weihnachtlichen Festzeit und zeigt, dass man Schaufenster auch wirklich sinnvoll nutzen kann. Chapeau (frz. Schloss)!

Annakirmes Düren – Modell. Ohne Dürener! Top!
Lichtschalter außen am Haus. Genial für Schlafwandler
Chef! Wie sollen wir den „Office Corner“ bauen? – Egal, Hauptsache unsinnig
WSV-Ansturm in Lechenich (Symbolbild)

Zusammenfassend gesagt oder für die alten noch lateinischsprechenden Lechenicher, „concluiso“, Erftstadt-Lechenich hat uns positiv überrascht. Es war einer Jahresabschlusswanderung würdig und wir kehren sicher in den Sommermonaten noch mal zurück. Man will ja auch zwischendurch mal was schönes sehen. Und das nicht nur im Schminkspiegel des VW-Lasters auf der Rückfahrt.

Die Themen der Woche

– das nahende Weihnachtsfest und die geplanten familiären Festivitäten. Wie viel kann man eigentlich essen ohne nach Neujahr einen Magenwandrückbau unter örtlicher Narkose durchführen zu lassen?

– Autounfälle und deren Folgen. Dan beginnt nun eine Trucker-Karriere. Sein aktuelles Fahrzeug ist da Wegbereiter und Wegweiser zugleich.

Die Lieder der Woche

– Leider gab es nichts von „Truck Stop“ in diesem Zusammenhang, sondern der Fahrer hatte exquisite Musik der Extraklasse ausgewählt. Unter anderem einen echten Gassenhauer aus dem Vereinigten Königreich:

Wimmer und Witton im Winter Wonderland

Rückkehr nach Oberaußem

Als wir im Frühjahr durch Oberaußem liefen, schworen wir uns, dass wir im Winter zurückkehren würden, in der Hoffnung, dass das Licht der Weihnacht diesen „Ort“ milde bescheinen würde. Es gab einige Überraschungen.

Delle statt Drempel

Wir machen uns gut gelaunt auf den Weg und stellen die Stimmungsregler auf Frieden und Nächstenliebe. Über die Lautsprecher des Autos ertönen Rolf Zuckowsky, Freddie Quinn und Lolita, wir singen kräftig mit und können es kaum erwarten, endlich durch die verwunschenen Gassen von Oberaußem zu laufen. Mit dem Auto fahren wir durch die Vinzentiusstraße zum Friedhof und bemerken hier direkt eine straßenbauliche Besonderheit: Während die halbe Welt Drempel und Krefelder Kissen errichtet, um den Verkehr zu beruhigen, neigt man im Oberaußem zum modischen Graben. Was eine Vertiefung von 60 cm für die Karosserie von Jürgens tiefergelegten Seat Leon bedeutet, kann man sich vorstellen.

Unsere Reise beginnt wieder bei der Grass-Kastanie. Der Ausblick ist nach wie vor von zweifelhafter Schönheit. Wie immer, hängt alles vom Blickwinkel ab. Schaut man eher nach links, glaubt man tatsächlich, einen gewissen Zauber zu entdecken. Dreht man den Kopf allerdings zu weit nach rechts, holt einen das Kraftwerk NIederaußem wieder in die Realität zurück. Egal, wir haben einen Plan, eine Mission, eine Vision. Also gehen wir weiter und suchen nach adventlichen Gestaltungselementen.

Die Überraschungen im Amorelie-Adventskalender werden auch immer ausgefallener.

Weihnachtsdekoration als Akt des Nächstenhasses

Man kommt nicht umher, zu konstatieren, dass man der Art der Weihnachtsdekoration durchaus das Nachbarschaftsverhältnis ansehen kann. Zumindest bilden wir uns das ein. Je mehr man sich hasst, desto mehr werden sämtliche Kreaturen der vorweihnachtlichen Höllenkreise heraufbeschworen und in den steinernen Vorgarten gedübelt. Gerne erhöht man die Wirkung mit einer stilvollen Kombination aus kaltweißem und rötlich-warmen Lichterketten, die sich in einem atemberaubenden Rhythmus mit der Illumination abwechseln. Ein Fest für Epileptiker und alle, die sehen können. An dieser Stelle möchten wir gerne eine Frage stellen: Wer hängt sich diese suizidalen Santas unter das Fenster? Die werden über die Jahre auch nicht schöner.

Wenigstens hatte man die Schlachtbank ansprechend dekoriert.

Wir durchqueren erstmal den Teil von Oberaußem, der das „Ober“ wirklich verdient hat. Die Luft hier oben ist zwar ein wenig dünner, aber ansonsten ist es hier ganz schön. Wenn nur die Menschen oder vielmehr deren Drang zur Reviermarkierung nicht wäre. Was hier an Fahnemasten hängt, unter Dachgiebel gehämmert wurde oder auf den Fensterbänken steht, findet man sonst nur in Kuriositätensammlungen oder auf der ein oder anderen Geisterbahn. Gerade bei der Gestaltung der Fassade vergessen viele Eigenheimbesitzer:innen anscheinend, dass die Nachbarschaft ja mitunter den gesamten Tag auf diese eigenartige Farbmischung namens „Sahara-Fuchs“ schauen muss, womöglich aus dem Esszimmer.

Manni und Horst hatten sich noch immer nicht einigen können, wer den den größten hat.

Alles nur Fassade?!

Wir machen uns auf den Weg ins Tal und begegnen auf unserem Weg der ein oder anderen fragwürdigen Nachricht. Die Häuser hier scheinen nicht das zu sein, wofür man sie hält. Ein bisschen erinnert uns das an die Lindenstraße in den Fernsehstudios zu Bocklemünd. Ist außer uns eigentlich in den 90er noch jemand zu den Aufzeichnungen von „Hollymünd“ gefahren? Mittlerweile verrottet das gesamte Ensemble dort und erinnert nur noch entfernt an den Glanz vergangener Zeiten. Apropos, weiter geht’s durch Oberaußem. Wir überqueren die Bergheimer Straße und wandern durch „In der Mitte“. Hier entspringt kein Fluss, dafür aber ein Sturzbach an kleinen und großen Geschmacklosigkeiten.

Was auch immer hinter diesem Tor vor sich geht; Die 2G-Regel wird eingehalten.

Weiter geht es in Richtung Bürgerhaus, an dem ein kleiner Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde. Leider ist der Gottesdienst noch nicht vorbei, so dass der Markt seine Pforten noch nicht geöffnet hat. Ordnung muss ein, wir sind hier immernoch in Deutschland. Also biegen wir ab in „Zum Bohnenbach“ – große Enttäuschung: weder Bohnen noch Bach.

Mackie Messer hatte sich in seiner seniorengerechten Residenz sehr ansprechend eingerichtet.

Bonjour tristesse

Unser Weg führt uns wieder durch das französische Viertel von Oberaußem, in dem Elsassweg (leider kein Polterabend.) auf Nancystraße trifft. Bei letzterer fragen wir uns nach wie vor, wieviele ihrer Bewohner die Straße englisch aussprechen.

Auf dem Rückweg machen wir kurz halt bei einer sehr schmucken und einladenden Bäckerei-Voosen-Filiale. Wir lernen Abteikrüstchen und Bienenstichcroissant kennen und stellen schnell fest, was sich leichter essen lässt. Vielleicht hängt das aber auch von den individuellen Fähigkeiten ab. Man weiß es nicht.

Wir kraxeln zurück Richtung Friedhof, machen noch ganz kurz Halt an dem Haus, in das mal ein Flugzeug der Canadian Royal Airforce eingeschlagen ist und treten dann den Heimweg an.

Und auf Grammatik am allerwenigsten.

Oberaußem, Dein Zauber entbietet sich nicht jedem, aber wenn man hin und wieder beide Augen zudrückt, kann man Dich fast mögen. Es ist ja bald Weihnachten.

Worüber wir sprachen:

  • Den Nikolaus und seine Besuche bei uns. Damals wurde er noch begleitet vom Hans Muff, dem rheinischen Knecht Ruprecht. Einen von uns machte das damals zum Bettnässer. Der andere hat heute noch Probleme, wenn er eine lange Rute sieht.
  • Den Tod von Mirco Nontschew. Das war zu früh.
  • Die Weihnachtssendung von Otto Waalkes. Geht so. Auch sein „Waalkes in the winter Wonderland“ vermochte nicht zu überzeugen.
  • Beerdigungen, bei denen man ohne Vorbereitung eine Rede halten muss. Eine wirkliche Herausforderung.
  • Das Weihnachtslied von Ed Sheeran und Elton John. Angetreten, um Wham in seine Schranken zu weisen.

Ohrwürmer des Tages:

Bergheim oder Berghain – Hauptsache Party!

Unsere bislang letzte Wanderung liegt nun bereits einige Wochen zurück und dennoch erscheint der Erfahrungsbericht dazu erst jetzt. Das liegt allerdings nur zum Teil an der stressigen und zeitraubenden Vorweihnachtszeit. Die Wahrheit ist, dass uns unser Weg in die Kreisstadt Bergheim führte. Und, was soll ich sagen?! Meine Großmutter mütterlicherseits, die übrigens selbst lange in Bergheim arbeitete, sagte einst: „Wenn man nichts Gutes zu sagen hat, sollte man besser schweigen!“. Genauso wie bei meinen zahlreichen Flirtversuchen Ende der 1990er Jahre halte ich mich nun aber doch nicht an diese weisen Worte, sondern bringe folgende Zeilen zu Papier, die zu schreiben mir schwer fielen.

Das HolidayIntro in Bergheim besticht durch sanfte Erdfarben

Wenn man Bergheim, das regionale Oberzentrum als das sich eine Kreisstadt immer begreifen sollte, erreicht, dann führt der Weg fast zwangsläufig zum „Intro“ an der Kölner Straße, stadteinwärts. Einem „Einkaufszentrum“, das mit seinen verwaisten Fluren und ideenloser Bückware fast schon stellvertretend für diese Stadt ist. Motto: „Kann man so machen, ist dann aber Kacke!“. Verzeiht die ungewohnt derbe Ausdrucksweise, aber man ist sprachlos.

Huh Wäng, lang Jäng

Während andere Städte seit Jahren versuchen ihre zweifelhaften, ungemütlichen und zugigen Busbahnhöfe abzureißen beziehungsweise Konzepte zu finden, solche Bausündenden der siebziger Jahre zu ersetzen, baut man in Bergheim einen solchen Busbahnhof neu – in Kombination mit einer Art Einkauszentrumattrappe. Man weiß jetzt schon, wie dieser Busbahnhof in wenigen Jahren aussehen wird und von wem er frequentiert wird… Da muss man wahrlich kein Hellseher oder Vincent Raven für sein!

„Life is better in Dubai“

Und jetzt bitte ich einmal um Zuschriften von Menschen, die sagen können, dass in ihrer Stadt das Konzept: „Wir bauen ein Einkaufszentrum direkt an eine bestehende Fußgängerzone, die ohnehin schon sehr viel Leerstand aufweist“, funktioniert hat. In Aachen hat es ansatzweise funktioniert, dass neugebaute, architektonisch-herausragende Shopping-Center direkt in der Innenstadt sorgt nachgewiesen für mehr Laufkundschaft, dennoch hatte dies eine weitere Abwanderung von Geschäften in der unmittelbaren Innenstadtlage zur Folge gehabt. Unterschied zu Bergheim: Zumindest im Center selbst sind die Ladenflächen vermietet!
Dafür hat der berühmteste Sohn der Stadt im Bergheimer „Intro“ bereits Einzug gehalten und eine Ladenzeile angemietet. Schönes bleibt!

Traumraum für Menschen, die ungern anecken

Die Fußgängerzone liegt nur wenige Meter entfernt und so flanieren wir jene hinab bis zum Aachener Tor. Das Abflauen der Kaufkraft, die Abwanderung oder Aufgabe von Fachgeschäften ist, wie in so vielen Städten, auch hier ein Thema. Zumindest scheint heute die Sonne…

Rush hour beginnt um 11 Uhr

Wir Beide verbinden noch viele Jugenderinnerungen an die Bergheimer City. Lange vor der Erfindung des Musikdownloads sind wir einst die neun Kilometer (je Strecke) nach Bergheim gelaufen (!) – nur um in „Marys Plattenshop“ neue Kassetten zu kaufen. Gut, wir hätten auch Bus fahren können, aber…ehrlich…wer fährt schon Bus?! Ich persönlich nur auf‘m Rollfeld und da auch nur gezwungenermaßen.

Eins, zwei, tap

Oder denken wir an herrliche Nachmittage in den Räumlichkeiten der Tanzschule Neumann zurück. Sinnloser haben unsere Eltern nie Geld aus dem Fenster geworfen. Sagen wir mal so: Wer uns nicht „Jive“ hat tanzen sehen, der hat nicht wirklich gelebt. Performance’s all about!

Chucky liebt ein frisches, kaltes Eis

Damit es Jung und Alt aber auch beim Bummeln entlang der Schaufenster diverser Versicherungsbüros nicht fad wird, gibt es heute inmer noch den drehenden Stein! Begeisterung kann so einfach sein. Andere baden und räkeln sich in überdimensionalen Sektkelchen – mir reicht eine Steinkugel. Haben wir schon als Kinder geliebt. Es waren andere Zeiten.

Der Doktor diagnostizierte da was am Po, Stimmung war trotzdem supi

Bergheim ist ja die Kreisstadt des Rhein-Erft-Kreises. Standesgemäß führt einer der beiden namensgebenden Strome durch die City. Für Auswärtige: Bitten raten sie jetzt, welcher Fluss gemeint sein könnte.

Ein gar trügerisch Idyll
Dunkle Erinnerungen ziehen auf. Nicht der Kleider wegen

Einmal im Jahr ist es aber so, dass tatsächlich viele Menschen allüberall aus des Kreises Ecken (manche sogar aus Bedburg!) nach Bergheim reisen um einem schillernden Volksfest beizuwohnen. Immer rund um „Allerheiligen“ zieht die Stadt viele Gaukler und junge Männer zum Mitreisen an, die den „Hubertusmarkt“ am Aachener Tor zum größten Volksfest der Region machen – zumindest seit der bislang letzten öffentlichen Hexenverbrennung zu Hochkirch 1491.

Kurt fand einfach keinen Parkplatz – wieder alles zugeparkt
Richtig gruselig wird es erst, wenn die Besucher kommen

Unser Weg führt anschließend auf die andere, wilde Seite der Stadt jenseits des „Knüchdamms“. Hier wohnt, wer es in Bergheim/Erft zu bescheidenen Reichtum (bspw. durch Hütchenspielen in der City) gebracht hat. Geschmackvoll dekorierte Parzellen offenbaren die verspielten Seelen der hiesigen Großgrundbesitzer.

Wahre Schönheit liegt oft im Verborgenen. Sehr oft

Anschließend verlassen wir die Stadt, fahren wieder am „Intro“ vorbei und fragen uns, ob es auf diesem Wege nicht besser „Outro“ hieße…

Bergheimer Terrassengärten
Die Größe beeindruckt sogar Teresa Orlowski

Die Lieder der Woche

Wir sangen:

  • Wer „Absolut Bella“ empfängt, der hat auch keine Sorgen mehr vor Hexenverbrennungen. Diesmal hielt der Sender des schadhaften Lächelns frische Musik von Rumäniens größtem Exil-Barden für uns bereit. Einer von uns war absolut textsicher. Der Grund dafür liegt in seiner Jugend, aber wir wollen nicht zu weit ausholen.

Bewegendes Brühl-Badorf

Drei Wochen lang mussten wir unsere Wanderungen ruhen lassen, weil einer von uns sonntags arbeiten musste und der andere an einem Wochenende in den Niederlanden weilte. Nach so einer langen Auszeit sollte man einen vorsichtigen Wiedereinstieg wählen. Leistungssportler kennen das Problem. Wie schnell hat man sich einen Muskel gezerrt oder eine Rippe gebrochen? Wir brauchen also einen Ort, an dem Entschleunigung herrscht und die Herausforderung für Füße, Augen und Ästhetiksinn nicht allzu hoch ist. Die Wahl fiel auf Brühl, genauer gesagt dessen vollkomen zurecht missachteten Stadtteil Badorf.

Es beginnt unspektakulär

Über die wieder – zumindest in einer Richtung, wie wir später feststellen sollen- befahrbare A61 reisen wir zum Bliesheimer Kreuz, wechseln dann auf die A553 und fahren in Brühl ab auf den Schnorrenberg – Einer von uns beiden fühlt sich verfolgt. Das Auto parken wir im Kastanienweg. Dieser befindet sich in direkter Nachbarschaft des Ulmen-, Nussbaum- , Birken- und Akazienwegs. Wie schön wäre es da, wenn in den jeweiligen Straßen die namensgebenden Bäume wüchsen, aber größtenteils sind es überall Buchen und Fichten. Vielleicht sind es auch Ahornbäume und Kiefern. Da sind wir uns selber nicht so sicher. Wir kennen nur Tannen- und Maibäume. So ziehen wir also munter und unbekümmert durch die diversen Baumstraßen, entdecken nichts, was wir nicht schon woanders in hässlicher, trauriger oder beleidigender gesehen hätten und fragen uns, worüber wir denn eigentlich schreiben sollen. Auffällig ist die Tatsache, dass vor vielen der „80er Jahre Quelle-Fertighäusern“ Tische und Stühle stehen. Anscheinend begeht die Nachbarschaft hier regelmäßig die ein oder andere Feierlichkeit. Mit einem Mal erblicken wir einen Turm, der sich bedrohlich in den grauen Himmel emporreckt. So recht scheint er für uns nicht zu passen in die doch ansonsten hier gängige Niedrigbauweise. Hören wir Schreie zu uns herüberklingen? Verwirrung und auch ein wenig Angst macht sich in uns breit. Am größten ist aber die Neugier, und so beschließen wir, den Schreien zu folgen.

RWE hat auch schon hässlichere Türme gebaut.

Es liegt was in der Luft…

Unser Weg führt uns wieder den Schnorrenberg hinauf. Wir passieren erst eine Gaststätte mit Wintergarten auf der rechten und dann eine fragwürdige Unterkunft mit dem Namen „Berggeist“ auf der linken Straßenseite. Mit jedem unserer Schritte werden die Rufe lauter und sonderbare Geräusche wie von großen Maschinen mischen sich darunter. Bevor wir uns versehen, stehen wir auf einmal im Berlin des beginnenden 20. Jahrhunderts. Direkt vor uns steht ein zweigeschossiges Dampfkarussell, hinter dem sich eine lange, von prachtvollen Häusern und Geschäften gesäumte Hauptstraße erstreckt. Es duftet nach Waffeln, gebrannten Mandeln und einer sonderbaren Mischung aus Mango und Minze. Letzteres enstammt einem dieser elektronischen Rauchwerkzeuge, das von einem Mann im roten Jogginganzug und grünem Anglerhut benutzt wird. Noch immer ist uns nicht klar, wie wir hierhin gekommen sind und was all diese Menschen hier machen. Wir entschließen uns, das Terrain weiter zu erkunden. Sogar ein Hotel gibt es hier. Der Name lässt uns denken, dass hier vornehmlich französische Touristen oder aber Gestalten mit niederen Absichten angesprochen werden sollen. Beides trifft auf uns nicht zu und so schlendern wir weiter. Sogar ein Kino gibt es hier. Verwunderlich ist die Tatsache, dass hier nur ein Film gezeigt wird, zudem noch einer mit dem vor über zehn Jahren verstorbenen „Nackte-Kanone“-Schauspieler Leslie Nielsen. Vielleicht gibt es hier einen eigenen Fanclub?! Man weiß es nicht.

Der Soli macht’s möglich.

Auf einmal erblicken wir ein Schild, auf dem wir „Mousse au Chocolat“ zu lesen vermeinen. Wir sind beide ein wenig hungrig und betreten das Gebäude. Überall stehen Backzutaten und Leckerein herum und wir freuen uns schon sehr auf das Verkosten des Naschwerks. Leider wird daraus nichts, denn anscheinend handelt es sich hier um eine Art Ausbildungsbetrieb für Kammerjäger:innen und wir sind gezwungen, uns am Schulungsprogramm zu beteiligen. Also schießen wir mit Spritztüllen auf Mäuse, erhalten dafür sogar Punkte (der eine mehr, der andere weniger) und werden am Schluss von einem lauten Berliner sehr gelobt für unsere Leistung.

Auf der Suche nach Bilbo

Ein wenig stolz ziehen wir weiter und finden uns schlagartig in einer komplett neuen Welt wieder. Nichts erinnert hier noch an Berlin. Stattdessen wähnen wir uns in einer Gegend, die eine Mischung aus Wakanda und Auenland darzustellen scheint. Schon wieder erliegen wir einem Missverständnis, als wir dem Schild „Zum lustigen Papagei“ folgen. Wir vermuten dahinter ein Lokal mit Live-Unterhaltung. Stattdessen ist es eine Art Schleudertrauma-Verursacher, in den einer von uns nur noch mit sehr viel Mühe hineinpasst.

Sag mal, von wo kommst Du denn her?

Ein wenig benommen torkeln wir in das Zentrum des Dorfes, eine komplett überdachte Schienenanlage, in deren Mitte sich eine Art Aussichtsturm befindet. Vermittels kleiner Gondeln gelangt man an dessen Spitze und wir wollen es uns nicht nehmen lassen, uns das ganze Spektakel mal von oben anzuschauen. Ein junger Fellwestenträger hilft uns beim Einstieg und nur wenige Sekunden später schießen wir in Richtung Donnerkuppel. Später erfahren wir, dass es sich bei diesem Bauwerk um eine Art Initiationsritual für die Kinder des Volkes handelt. Wie auch immer; Wir haben überlebt und ziehen schnell weiter.

Vielmehr irren wir durch die Gegend. Eigentlich möchten wir nach Hause. Unsere üblichen zweieinhalb Stunden sind längst um, wir haben Hunger und Durst und suchen verzweifelt nach dem Ausgang. Auf unserer Odyssee reisen wir durch Afrika, was uns jetzt auch schon egal ist und gelangen schließlich zu etwas, was wir für den örtlichen Bahnhof halten. Der Zug erscheint uns zwar ziemlich klein, aber die Lokomotive scheint gut in Schuss und so nehmen wir all unsere Hoffnung zusammen und gehen zum Bahnsteig. Der freundliche Bahnsteigwärter mit schwarglänzendem Haar bietet uns einen Sitzplatz direkt in der Lok an und wir wundern uns ein wenig, wo denn der Zugführer sitzen soll. Noch bevor wir protestieren können, röchelt jemand irgendetwas Unverständliches in ein Mikrophon und wir treten eine Fahrt an, von der wir uns den Rest des Tages nicht mehr erholen sollen. Zu allem Unglück haben wir anscheinend auch noch den Ausstieg verpasst und landen am Ende genau dort, wo wir eingestiegen sind.

Nächster Halt: Nirgendwo. Hoffentlich liegt Christian Anders auf den Gleisen.

Wir torkeln benommen durch die Gegend, nehmen so gerade noch wahr, dass wir anscheinend in China gelandet sind, weinen fast und suchen wie Gejagte nach dem Ausgang. China spuckt uns aus in ein Wikingerdorf, in dem Möwen schreien und die Leute Flammkuchen essen. Wann hört dieser Wahnsinn auf? Wir rennen bis nach Mexiko, hören wieder schreiende Menschen, erklimmen zahlreiche Stufen und finden uns dann in Berlin wieder. Endlich entdecken wir das Karussell und damit auch den Ausgang.

Kurz überlegen wir, ob wir uns schnell ein Törtchen holen sollen, aber der Fluchtinstinkt ist stärker. Wir laufen atemlos, schauen uns nicht mehr um und überqueren schließlich die Schwelle zur Realität. Eine fröhliche, kleine Dame winkt uns hinterher und ruft : „Tschüß Jungs. Bis bald.“

Wir rennen bis zur nächsten Ecke und bleiben erst stehen, als wir uns in Sicherheit wähnen. Dann gehen wir schweigend zum Auto und fahren auf dem schnellsten Weg (der verdammt lang ist, weil die Autobahn auf der Straßenseite gesperrt ist) nach Hause. Badorf, was ist los bei Dir?

Anmut und Grazie im lustigen Papagei.

Wir sprachen über:

  • Das Schlageralbum von Hape Kerkeling. Wie konnte das passieren? Diese Musik möchte ich nicht mal auf der Kirmes hören.
  • Gil Ofarim. Ist es jetzt entscheidend, ob er den Davidstern trug, oder nicht?
  • Familienurlaube oder überhaupt Urlaube mit mehr als zwei Leuten. Wir schlagen vor: Pro zwei Personen ein Bad und eine Toilette. Alles andere ist schwierig.
  • Wildwasserbahnen und deren Auswirkungen auf Haar und Kleidung.
  • Dieses Phantasialand. Das muss doch auch irgendwo in der Nähe sein. Vielleicht beim nächsten Mal.
  • Den Personalmangel, der allenthalben zu beklagen ist. Vor allem die Gastronomie ist arg gebeutelt.

Ohrwurm des Tages:

Thorr – hier hängt der Hammer

Am 38. Sonntag des laufenden Jahres zog es uns nach Thorr. Es gab also 37 gute Gründe, den Besuch des Bergheimer Stadtteils so lange aufzuschieben. Dachten wir. Jetzt wissen wir es!

Kleiner Service für all unsere Leserinnen und Leser aus den benachbarten Großstädten: Wer noch Parkraum sucht – einfach melden

2274 Menschen leben hier. Weil sie vielleicht keinen Führerschein haben, der Bus nicht fährt oder weil sie der Überzeugung sind, dass es hier zumindest schöner als in Ahe oder Quadrath ist. Man weiß es nicht. Zumindest, das muss man der Thorräen (Einwohner Thorrs) lassen: Man erspäht hier nur sehr vereinzelt eine Orchidee. Wachsen hier nicht. Apropos Pflanzen: Mitten im Ort soll sich kurz nach Christi Geburt ein Vicus befunden haben. Schade, dass dies der Vergangenheit angehört, denn auch heute würde eine solche Birkenfeige den Ort aufwerten. Aber wahrscheinlich ist der Ortsvorsteher Allergiker.

Die „Grüne Mauer“. Dahinter leben die Wildlinge (frei nach „Game of Thrones“)

Gar nicht Super – Tankstellensterben

Auch nach dem Schließen diverser Einkaufsmöglichkeiten sowie der örtlichen Petrolstation müssen die Thorren (Einwohner Thorrs) nicht auf frische Backwaren verzichten. Ein findiger Geschäftsmann wartet mit einem wahren Konglomerat an (körpernahen) Serviceangeboten auf. Sagen wir mal so: Wer des sonntags spontan morgens ein Hermespaket abgeben, Brötchen, Kippen, Chupa Chups holen und gleichzeitig noch sechs aus 49 tippen möchte, kann dies hier in einem Gang erledigen! Top.

Das Nahversorgungscenter wartet täglich mit frischen Teigwaren auf
Betriebsferien vom 29.09. bis 28.9.

Wer dagegen seinen Verbrenner nachölen möchte, muss sich notfalls doch einen Ochsen vorschnallen – die Tankstelle ist Vergangenheit. Auch hier beweisen die Thorri (Einwohner Thorrs) ihren pragmatischen Weitblick und haben – ganz Vorreiter – noch vor der Energiewende den fossilen Brennstoffen den Garaus gemacht! Toppi!

Der ausufernde Spritpreis fordert erste Opfer

Auch sonst scheint Pragmatismus hier mehr als ein fehlgeleiteter Brotaufstrich. Altes wird entsorgt – aber liebevoll und mit Blick auf die, die noch weniger haben (Ahe liegt nur zehn Ochsenkarrenminuten entfernt). Wer Rohre braucht („Dingdong – ich bin der Klempner und soll hier ein Rohr verlegen.“) oder doch noch ein Restvorkommen fossilen Brennstoffs benötigt, der wird hier fündig! Man munkelt, dass am Abend unseres Besuchs zumindest eine Baracke in Ahe im fahlen Schein einer Petroleumlampe erhellt war…

Marketing: 6, Ehrlichkeit: 1

Pragmatisch sind die Thorrsen (Einwohner Thorrs) auch was die Namensgebung ihrer Wege und Gassen betrifft. Warum sich viele Gedanken machen, wenn man es doch auch einfach haben kann?! Zumal man sich anscheinend immer noch gerne an einstige ostgermanische Völker erinnert, die brandschatzend und marodierend durch die Flure donnerten.

Kreative Straßennamengestaltung finden wir got!
Pfandverweigerers Motto: Eure Armut widert mich an

Ein weiterer Beweis dafür, dass Deutschland zu recht das Land der Dichter und Denker ist, findet der geneigte Philanthrop auch in solch versteckten Hainen wie Thorr. Mehr wäre zu viel.

Wenn der Jambus hängt und der Trochäus tropft

Herausragendes Monument Thorrs ist der sogenannte Römerturm. Phallusgleich reckt er sich in den sonnig-diesigen Morgen, stolz aber doch beschnitten. Die dazugehörige Kirche drumherum quasi hat ein Erdbeben dahingerafft. Das lehrt uns: 1. Wiederaufbau ist eine neumodische Randerscheinung und 2. Türme sind erdbebensicher. Rapunzel ist eine glückliche Magd!

Thorr liebte es zu kegeln

Die Themen der Woche

Wir sprachen über:

  • die Bundestagswahl und die Chancen des örtlichen SPD-Abgeordneten Aron trotz seiner gewagten Oberhemdenauswahl noch in den Bundestag einzuziehen
  • die große Freude, die einen wohligarm durchzuckt, wenn man auf dem Antwerpener Autobahnring versehentlich einmal die richtige Abfahrt erwischt

Die Lieder der Woche

Wir sangen:

  • „Absolut Bella“ hat nichts verlernt, der Musikredakteursdarsteller (m/w/d) hat die nächste Schwelle auf dem Weg in den Hades absolviert, indem man uns Olaf Berger und seine Minderbegabung beweisende Interpretation der schon im Original mehr als fragwürdigen Version des Autoselbstfahrerhitparadenaspiranten „Wer verdammt ist Alice“ vorgesetzt hat. Olaf Berger trägt dabei die abgelegte Frettchenpopohaarmatte von Matthias Reim auf und grinst wie ein Waschbär, der versehentlich an einem Drops Viagra geschleckt hat.

Die USA haben Dolly Parton, Willi Nelson und Taylor Swift. Wir haben Johnny Hill (bzw. Ferenc Gillming, wie seine Eltern ihn nannten), Tom Astor (geb. Wilhelm Bräutigam) und natürlich die wehrhaften Recken des schadhaften Lächelns von „Truck Stop“. Auch die können sich dank der Gema-Einnahmen durch „Absolut Bella“ nach der Christmette noch eine warme Suppe leisten. Wir genossen:

Mit Kojak durch Kirdorf

Für einen von uns beiden beginnt der Morgen mit großen Fragen. Was ist eigentlich aus der 90er-Jahre Damenkapelle TicTacToe und vor allem ihrer Anführerin Liane Claudia Wiegelmann geworden? Auf unserem Weg zur heutigen Destination erörtern wir die Karrieremöglichkeiten ausgiebig, können uns aber nicht einig werden.

Einfallslosigkeit allerorten

Wenn man sich -wie wir- so gut wie jeden Sonntag einen anderen Ort des Rhein-Erft-Kreises erwandert, muss man zwangsläufig feststellen, dass es mit dem Ideenreichtum bezüglich der Namensgebung der einzelnen Stadtteile nicht weit her ist. Es gibt Stammeln und Stommeln, Berrendorf und Berrenrath und Blessem und Glessen. Als wenn das nicht schon verwirrend genug wäre, fahren wir heute nach Kirdorf, das sich von dem bereits besuchten (die Älteren werden sich erinnern) Erftstädter Ortsteil nur durch ein verlorengegangenes „E“ unterscheidet. Dies führt uns zu der Frage, wie man denn den Namen richtig ausspricht. Ignoriert man die eigentlich angebrachte Kurzbetonung des I’s oder schickt man extra noch ein rollendes R hinterdrein, damit es etwas exotisch klingt? Wir befinden schließlich, dass wir uns an Kir Royal orientieren und schicken den Zusatz „Oder die mörderische Frage, wer hier wohl schläft?“ hinterher.

Motto des Tages: Schweiz!

Während wir das Auto parken, läuft bei „Absolut Bella“ Mini Schwiz, mini Heimat der singenden Toblerone-Packung Beatrice Egli. Da ahnen wir noch nicht, wie passend diese Perle schwyzerdütscher Sangeskunst für unseren Ausflug ist. Soviel sei verraten: In Bedburg und seinen Ortsteilen haben sich Stadtplaner:innen und Tourismusexpert:innen anscheinend viele Gedanken zu den Themen Branding und Vermarktung gemacht. Dazu später mehr.

Hinter Gittern – der Heiligenknast

Nachdem wir aussteigen, fällt uns direkt die Kapelle des heiligen Willibrord ins Auge und unisono tönen wir „Woosch!“. Sofort schlagen wir aber drei Kreuze und werden andächtig. Willibrord war ein angelsächsischer Missionar, der um 700 nach Christus nach Kirdorf kam, um hier erstmal den christlichen Kehraus zu machen und die Heiden für die Bibel und Gottes Werk zu begeistern. Viele Jahrhunderte lang war Kirdorf tatsächlich ein beliebter Wallfahrtsort, so dass wir uns heute ganz in der Tradition der wandernden Gläubigen sehen.

Während wir in den Niederembter Weg einbiegen, kramt Kai aus der Tasche seines Hoodies einen Lollie hervor, den er auch gleich von seiner Verpackung befreit, um ihn dann lutschen zu können. Dan ist schon längst darüber hinaus, sich von irgendwas irritieren zu lassen und so gehen wir weiter unseres Weges. Der endet allerings sehr schnell an einem Feld, wie es anscheinend für Kirdorf typisch ist. Von der Hauptverkehrstraße, die nach Theodor-Heuss benannt wurde, gehen mehrere Straßen und Wege ab und an deren Ende wartet immer Feld. Sei’s drum; Wir gehen entlang der Äcker weiter, finden die ein oder andere Kartoffel und werden mit einem wundervollen Panorama belohnt, das uns die ganze Pracht des Kraftwerks Neurath vor Augen führt. Dass hinter uns auch noch die Autobahn verläuft, rundet das Gesamterlebnis harmonisch ab.

Nach erfolgreichen Ermittlungen genoss Kojak gerne die Stille der Natur

Wir bewegen uns einmal im Karree ums Feld und kommen dann wieder auf eine ausgebaute Straße mit dem Namen „Im Embegrund“ . Hier fällt uns vor allem auf, dass die Tendenz zur vermeintlichen Verschönerung von Vorgärten durch Skulpturen, kleinen Figuren und Totholzarrangements immer wildere Blüten treibt. Wahrscheinlich ist es doch so: Irgendjemand in der Nachbarschaft beginnt mit einem Gartenzwerg und zwei Wochen später ist die ganze Straße voller brüllender Steinlöwen, Brunnenattrappen und tanzender Trolle. Weit und breit ist niemand in Sicht, der dem Einhalt gebieten kann. Vielleicht braucht es in Zukunft Straßenbeauftragte, die das Schlimmste verhindern.

Wir passieren den Sportplatz und sind schon wieder auf einem Feldweg. Auch hier laufen wir im Karree und wähnen uns anschließend im Arbeiterviertel von Kirdorf. In Wahrheit befinden wir uns aber schon in Blerichen, einem weiteren Ortsteil von Bedburg. Die Fenster und (so wollen wir mal euphemistisch sagen) Wintergärten der Plattenbausiedlung sind wie ein Panoptikum der Skurillitäten.

Wir entdecken Cowboyhüte, ausstaffierte Schaufensterpuppen, gestapelte Computerhardware und noch einiges mehr. An der Bäckerei (unschlagbar günstig!) holen wir uns Wegzehrung und gehen dann ganz schnell weiter. Folgen uns die Puppenköpfe in den Fenstern mit ihren Blicken? Wir beschleunigen unsere Schritte.

Wir hatten Hunger auf ein halbes Schwein auf Toast, aber Scheiterhaufen klingt auch ganz gut

Schließlich holt uns Beatrice Egli ein und wir stehen mitten in der Schweiz, der „Bedburger Schweiz“. Wieso gibt es eigenlich so viele Schweizen? Ein Blick ins Onlinelexikon verrät folgendes: „Oftmals wurde in der Zeit der Romantik eine ansprechende, topografisch bewegte Landschaft mit „Schweiz“ überhöht.“ Liebe Bedburger, hier ist überhaupt gar nichts topografisch erhöht. Fahrt mal nach Glessen. Nur, weil mal eine Straße einen kleinen Hügel hinauf führt, rechtfertigt das noch lange nicht diese Benennung. Da könnte man ja gleich den Tümpel um die Ecke in „Bedburger Seelandschaft“ umtaufen.

Hier trifft sich die Haute Voleé zum Käsenfondue

Wir durchwandern den Ort, werden nun „Mine Schwiiz, mine Heimat“ gar nicht mehr los, entdecken die wahrscheinlichst größte Orchidee, die jemals eine Fensterbank verziert hat und entschließen uns dann, wieder zum Auto zurückzukehren. Bevor wir dort einsteigen, werden wir noch Zeugen des anscheinend sonntäglichen Treffens der rüstigen Rollator-Raser Bedburg e.V. . Wir danken dem heiligen Wilibrord(woosch) dafür, dass wir wieder heil angekommen sind und fahren dann nach Hause.

Früher „HOTEL KAPUTT“.

Die Themen der Woche

Wir sprachen über:

  • TicTacToe und die legendäre Pressekonferenz
  • Amanda Lear, die die Moderation der Erfolgssendung „Peep“ als größten Fehler ihrer Karriere bezeichnet.
  • Die Tatsache, dass einweichende Kichererbsen einen nachts wecken können.
  • Brodwoosch
  • Telly Savalas
  • Die Parteienlandschaft in Deutschland. Bis jetzt kannten wir die Partei „LIEBE“ noch nicht, sind aber durchaus angetan von den aussagekräftigen Wahlplakaten.

Die Lieder der Woche

Ohrwurm des Tages

  • Dreimal dürft Ihr raten…..

Brauweiler – bewundern, beten, brauen

Ein güldener Tag schickt sich an Wirklichkeit zu werden. Sanft streicheln saumselige Sonnenstrahlen die Wiesen, Haine und Felder der Heimat und wir beschließen einen Ort zu besuchen, der jahrhundertelang Geschichte schrieb: Brauweiler.

Vision: Bonner Rathaus 2032

Der Ort gehört zu Pulheim, ist aber dennoch sehr schmuck. Er besteht seit weit über 1000 Jahren, wurde anfangs „Brunivilare“ oder „Brunwillre“ genannt. Weil ersteres aber klingt wie eine Gasthermen-Manufaktur und letzteres wie die dicke Tante aus der Eifel, hat man sich doch auf Brauweiler geeinigt. Die Legende besagt, dass dort, vor den Toren Kölns einst Bier gebraut wurde, weil war halt so…

Abtei, Gefängnis, Hospital

Dass Brauweiler bis heute eine der weitaus schöneren Gemarkungen des Rhein-Erft-Kreises ist, ist auch durch die Existenz der Abtei Brauweiler begründet. Mitsamt der Nikolauskirche ist die ehemalige Abtei eines der größten romanischen Bauwerke des Rheinlandes.

St. Nikolaus war ein Seemann

Die Geschichte des Bauwerks ist dabei sehr lang und, nennen wir es mal…vielfältig. So „vielfältig“, dass man kaum muntere Bonmots dazuformulieren möchte. Heute ist die ehemalige Benedikterabtei (das sind die Mönche mit den Bierbrau-Skills), Sitz des LVR-Archivs, Museum, Tagungscenter. Einst war sie aber auch schon Gefängnis, Bettlerdepot, Krankenhaus, KZ und Gestapo-Knast. Kölns ehemaliger Oberbürgermeister Konrad Adenauer saß hier ein bevor er sich Jahre später selbst zum Bundeskanzler wählte (stark vereinfachte Überlieferung)

Hätte ich was zu sagen, würde ich einen riesigen Biergarten draus machen und ein Open Air-Kino für Klassikerkomödien wie „Zwei Nasen tanken Super“ oder „Superstau“. Aber mich fragt ja niemand.

Theaterstraße mit vier Häusern, das macht 1.300€ Miete

Durch die neugestaltete Ortsmitte mit zahlreichen Geschäften und Gastronomieangeboten haben leider ehemalige Einkaufs – Center im Ort stark gelitten und erinnern jetzt eher an Hoyerswerda 1992. Da besteht sicherlich noch ein wenig Nachholbedarf für den örtlichen Stadtteilmanager.

„Wow! So ein langer Schlauch!“

Was einem wirklich positiv auffällt ist, dass wir erst in einer der letzten von uns besuchten Straßen Orchideenarrangements in den Fenstern vorgefunden haben. Auf der nach unten offenen Orchideen-Skala bedeutet das, dass hier zumindest ein paar Menschen mit Geschmack wohnen. Außerdem ist es bemerkenswert, wie sehr man hier alte und neue Häuser und Bauwerke miteinander verbunden hat. So wirken die alten Häuser nicht baufällig und die neuen Häuser nicht, als hätte man sie mit Gewalt reingeklatscht

le Waldsterben (frz.)

Auch die Parkanlagen rund um die ehemalige Abtei sind schön anzuschauen und für Besucher geöffnet. Hier kann man locker mal die 100 engsten Freunde zu einem ausgiebigen Grillfest einladen 🙂

Olivia Jones hatte ihren Schmuckkasten vergessen

Wer also mal einen Sonntag mit schönen Ausblicken genießen möchte ohne sich die Netzhaut durch all die gewohnte Hässlichkeit zu verletzen, der ist in Brauweiler gut aufgehoben. Man sollte allerdings auch nicht zu viel Zeit hier verbringen, denn wenn die Sonne erst einmal untergeht… Man weiß ja nie…

Herman van Veens neue Kinderbuchidee offenbarte noch Schwächen
Geschenktrend 2021: Staub!
Schadletzkis nahmen am Nachbarschaftsgrillen nicht teil

Die Themen der Woche

Wir sprachen über:

  • die Fernsehsendung „Denn sie wissen nicht, was passiert“ des überaus sympathischen Familiensenders RTL und dass es eine minder gute Idee war, „Dennis aus Hürth“ die Show einmal moderieren zu lassen
  • Wahlplakate und ihre fehlende Anmut, Aussagekraft und umstrittene Wirkung. Jeder, der Aaron Spielmanns kennt, weiß, was wir meinen
  • Die Hemdenauswahl eben jenes Aaron Spielmanns, der wahrscheinlich in der Herrenboutique von Corinna May ausstaffiert wurde

Die Lieder der Woche

Wir sangen:

  • Auf „Absolut Bella“ ist einfach Verlass. Ein Sender, der Freunden abseitiger Melodeien wohl tut. Der ehemalige „Caught in the act“-Barde Eloy de Jong schämt sich immer noch nicht für seine Frühwerke und legt nun in nicht besserer Qualität nach. „Barfuß im Regen“ stellt einen Tiefpunkt dar, der selbst Michael Holm in einem nüchternen Moment in Schockstarre versetzen müsste.
  • Wer sich noch an die musikalischen Gehversuche der sympathischen Knitterfresse Volker Lechtenbrink erinnert, der hat neben der Werbung für grobkörnigen Landkaffee der Sorte „Muckefuck meets Hafer“ hoffentlich seinen Hit „Der Macher“ vergessen. Besser so!

Kein Kick in Kierdorf

Wir hatten den Sommer schon abgeschrieben und uns auf eine Zeit der Tristesse und Langeweile eingestellt. Zwar kam die Sonne mit ungeahnter Kraft zurück, vermochte es aber dennoch nicht, Erftstadt-Kierdorf zum Strahlen zu verhelfen. Doch der Reihe nach:

Kein Weg führt nach Luxemburg

Wir parken vor dem alten Friedhof und stellen uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Frage, ob es vielleicht auch einen neuen Friedhof gibt. Warum sollte auch ein 3200-Seelen-Dorf zwei Friedhöfe brauchen? Wir kommen sowieso nicht dazu, uns irgendwelche Fragen zu stellen, weil unmittelbar nach unserem Aussteigen ein hornhautfarbener Golf mit quietschenden Reifen neben uns hält. Mühsam wird das Fenster der Beifahrerseite heruntergekurbelt und dahinter weint uns eine sonnenbebrillte Mitsechzigerin entgegen :“ Bitte! Kennen Sie sich hier aus?“ Sie scheint zu zittern. „Ein wenig.“ entgegnen wir und die weinende Dame schließt direkt an :“Bitte helfen Sie mir. Ich versuche, nach Luxemburg zu kommen, aber das Navi lotst mich immer im Kreis. Seit über eineinhalb Stunden bin ich unterwegs. Ich lande immer wieder hier.“ Kurz wissen wir nicht, ob wir „Oh pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg“ oder die Titelmelodie von Akte X anstimmen sollen. Stattdessen reißen wir uns zusammen und versuchen der armen Frau den richtigen Weg zu weisen, was angesichts der zahlreichen gesperrten Straßen gar nicht mal so einfach ist. Sie merkt sich die Städtenamen Nörvenich, Euskirchen, Blankenheim und fährt weiter. Leider in die falsche Richtung, aber unsere guten Gedanken begleiten sie.

Keine Chance den Metalldieb:innen

Diese Begegnung soll dann auch schon das Highlight unserer Wanderung gewesen sein. Wenn man ehrlich ist, ist Kierdorf die Raufasertapete unter den Orten des Rhein-Erft-Kreises. Ist halt da, stört nicht und fällt nicht groß auf. Euphemismusbegabte Reiseführerschreiber:innen würden wahrscheinlich von einem kleinen, verwunschenen Dorf am Rande der Ville sprechen. In Wahrheit ist es einfach furchtbar öde.

Renate hatte für die Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ eine progressive Idee.

Ein Karussell der Düfte

Wir wandern die Friedrich-Ebert-Straße entlang, die im Prinzip die Achse der Kulinarik in Kierdorf bildet. Vor nicht allzu langer Zeit gab es hier noch die „Bamboo Box“, ein wirklich tolles Sushi-Restaurant, aber davon ist nicht mehr viel zu sehen. Es folgt der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Italiener „Casa Pasini“ und der „Hellas Grill“. Die Gerüche mischen sich und wir werden in eine Duftwolke aus Aceto Balsamico, Knoblauch, fettigem Schweinefleisch und Limoncello eingehüllt. Nicht nur – aber auch- deswegen biegen wir rechts ab in den Kocherbachweg. Zusammenfassend kann man sagen: Es gibt hier nichts zu sehen! Weder stößt man auf optische Beleidigungen noch auf nennenswerte Schönheit. Wie ganz Kierdorf, befindet sich auch der Kocherbachweg tief im Zen-Buddhismus. Die Straße ist einfach. Sie will nichts, ihr fehlt nicht, sie ist einfach. Mit Ambitionslosigkeit kommen wir ganz schlecht zurecht und biegen schließlich in die Wiesenstraße. Dort befindet sich auch das Freibad, das aber an diesem sonnigen und warmen Tag schon geschlossen hat. Betrieben wird das Bad von einer ehrenamtlichen Bürger:innen-Initative, der man dankbar sein muss, dass sie sich so rührend kümmert. Andernorts wurden ja die Freibäder schon längst plattgemacht. Wir weinen ganz kurz und ziehen dann weiter. Über die Goldenbergstraße gelangen wir schließlich wieder zum alten Friedhof und zu unserem Auto. Am liebsten würden wir wieder nach Hause fahren, aber wir beschließen, noch eine weitere Runde zu laufen. Also, wieder vorbei an Casa passini und Hellas Grill, diesmal nicht rechts abbiegen, sondern weiter geradeaus.

Peter Alexander verdiente sich mit der ein oder anderen Einweihung immer gerne ein erkleckliches Sümmchen dazu.

Wir gehen bis zum Ortstrand, unsere Blicke suchen verzweifelt nach etwas, an dem sie sich festhalten können, aber Kierdorf ist gnadenlos unspektakulär. Die bft-Tankstelle am Ortsende erscheint schon fast wie das Museum of modern art. Wir überqueren die Straße. Die Wegkapelle zieren die Worte „Bete für uns“ und wir können es gut verstehen.

Wir durchqueren die Straße „Am Schlagbaum“ und werden von Gerüchen drangsaliert, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Ist es der Kanal oder ein Gericht der britischen Küche, das uns da in die Nase steigt? Man weiß es nicht. Sowieso wird es hier langsam unangenehm. Aus einem der Häuser schallt es: „Paul! Komm sofort runter oder es knallt!“ Wir fürchten uns, beschleunigen unseren Schritt, dürsten immer noch nach optischem Labsal. Dann kommt uns der hornhautfarbene Golf entgegen und wir flüchten schnell in eine Seitengasse.

Da wusste doch jemand, dass wir kommen…

Fortan stampfen wir missmutig durch die Gassen und Straßen, passieren noch den „Neuen Friedhof“, der noch sehr viel Platz für schätzungsweise alle Bewohner:innen Kierdorfs bietet, und trotten dann zurück zum Auto. Vorher besuchen wir noch den „Alten Friedhof“, der sich sanft in das Ortsbild einfügt. Auch hier keine nennenswerten Entdeckungen. Gibt es eigentlich einen Höllenkreis, in dem ewige Langeweile herrscht? Mal bei Dante nachschauen.

Am Auto wieder angekommen, schauen wir uns noch einmal um, in der Hoffnung, noch etwas zu entdecken, was uns vorher entgangen war. Als wir von weitem wieder den Golf herannahen sehen, steigen wir schnell ein und fahren los.

Und ob wir schon wanderten durchs finstere Tal…

Fazit: Kierdorf ist das Knäckebrot unter den Brotsorten. Vollkommen okay, ziemlich spröde und geschmacksneutral.

Gute Nachrichten für alle, die schon morgens den Geschmack von Fett brauchen.

Wir sprachen über:

  • Natürlich die anstehenden Bundestagswahlen. Dan hatte große Probleme, fünf aktive FDP-Politiker:innen aufzuzählen. Uns graut beiden vor den ersten Hochrechnungen am 26.09.
  • Schiefdenker und Nichtdenker und deren Beissreflex.
  • Das Alter und die damit einhergehende Verlangsamung der Regenerationsfähigkeit. Ein Wochenende in der Eifel bei hochgeistigen Getränken und Fertigsalaten hat man früher einfach leichter weggesteckt.
  • An wieviele Personen wir uns einfach nicht mehr erinnern können. Immer öfter werden wir angesprochen mit den Worten „Na, kennste mich noch?“ Leider nicht. Neulich wurden wir sogar bei einer unserer Wanderungen namentlich gegrüßt und wir wissen bis heute nicht, wer das war.
  • Abba ist wieder da! Gesanglich gibt es da keine großen Überraschungen. Schade aber, dass die vier Schwed:innen nicht selber auf die Bühne zurückkehren, sondern porenlose Avatare ihrer 70er-Ichs auf die Bretter projiziert werden. Zum Schnäppchenpreis von rund 600,-€ kann man dann diesem Konzert aus der Retorte beiwohnen. Wer’s mag.

Ohrwurm des Tages:

Ganz schön Glessen – Von Kottüten bis Simmel

Der Hochleistungssommer 2021 überrascht uns mit einem Sonntag, den man in Anbetracht der Umstände nahezu fast schon als Sommertag bezeichnen kann. Es schüttet nicht wie aus Eimern, es hagelt nicht und nirgends treten Flüsse über die Ufer. Zeitweise sah ich mich sogar genötigt meinen leichten Sommerschal auszuziehen, den ich eigentlich aus erotischen Gründen trage – verleiht er mir doch diesen unnachahmlichen geheimnisvoll-intellektuellen Anstrich.

Ähnlich geheimnisvoll und nicht minder intellektuell empfängt uns Glessen, das trotz seiner geographischen Lage zur Kreisstadt Bergheim gehört und nicht etwa zum nahegelegenen Pulheim oder gar Frechen.  Von echten Insidern wird Glessen auch mit dem Zusatz „Der Quellenort“ in einem Atemzug genannt. Wer nun auf sprudelndes Mineralwasser à la „Gerolsteiner“ oder „Aegidius“ denkt, der muss eines Besseren belehrt werden. Unweit Glessens entspringt der Pulheimer Bach, der hier vor Ort aber Glessener Bach genannt wird und einst zwei Mühlen antrieb.

„Die Welt ohne uns“ – Symbolbild

Was dem geneigten Lustwandler in Glessen schnell auffällt und uns unangenehm berührt hat: Glessen scheint das Rom des Nordens zu sein und auf mindestens sieben Hügeln gebaut. Selten haben wir in den vergangenen Monaten so viele Höhenmeter zurücklegen müssen. Und tatsächlich: In Glessen befindet sich die höchste Erhebung des Rhein-Erft-Kreises, die „Glessener Höhe“ misst über 200 Meter Höhe. Nicht allerdings, weil sich die Pulheimer Platte unter die Bergheimer Platte geschoben und tektonische Verwerfungen erschaffen hat, sondern weil irgendwohin der Abraum (Erde, Kies, Gemölsch) der nahegelegenen Braunkohlegruben abgeladen werden musste. Uns wären da ja noch weitaus geeignetere Orte eingefallen, die man besser unter einer dicken Schicht aus Abraum hätte bedecken müssen, aber uns fragt ja niemand.

Alice hatte der Herzkönigin was gemeißelt

Schadhafte Stadtmöblierung

Dass Glessen einer der schöneren Orte unserer bisherigen Wanderungen durch den Rhein-Erft-Kreis ist, liegt vorrangig am Engagement der Einwohnerinnen und Einwohner und weniger am grünen Daumen der Stadt Bergheim. Alles andere wäre aber auch überraschend gewesen. Wer es allerdings urig und naturbelassen mag, der kommt hier auf seine Kosten. Und wer vielleicht ein Schäufelchen und ein, zwei Düngestäbchen hat, der sei hier auch sehr willkommen.

Peter lustig würde seinen Bauwagen aufstellen
Zumindest parkt hier niemand fremd – aus Angst, Disteln zerkratzen den Perllack

Generell besticht Glessen sowohl durch seinen Ortsnamen, den nur des Rheinischen Mächtige perfekt aussprechen können (Bitte ausprobieren: „E Jlas Kölsch in Jlessen“) als auch durch teils liebevoll dekorierte Außenanlagen der örtlichen Bevölkerung. Gleichzeitig finden wir natürlich dennoch die obligaten Orchideenkonstruktionen in den Wohnzimmerfenstern. Schönes bleibt!

Gefüllte Kottüten – hier fehlt kein „z“

Was dem geneigten Tagesphilosophen beim aufmerksamen Gang durch die hügeligen Landschaften aufgeschütteter Haldenarrangements auffällt, ist die Abwesenheit von Hundekot auf den Trottoirs. Auch darüber muss einmal in der Öffentlichkeit gesprochen werden. Während in anderen Städten der Gang durch eben jene einem Hindernisparcours gleicht, muss man in Glessen kaum Sorge haben, seine neuen Manolos zu verschmutzen. Eifrige Glessener mit Hang zur Hygiene haben den Ort mit Kottütenspendern und den entsprechenden Hinweisschildern versehen. Besonders schön ist der Hinweis, die Tüten anschließend mitsamt dem dampfenden Inhalt NICHT in die Landschaft zu werfen.

Sich lösen in Brennesselnhainen – keine gute Idee
Verrichtungsbox für Eilige – Prototyp

Die Gallier, so ist überliefert, verspeisen nicht nur gerne völlig grundlos ganze Wildschweinkohorten und verkaufen ranzigen Fisch, sie haben auch Angst davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf falle. Glessen, so könnte man meinen, wäre einmal ein guter Gallieraußenposten gewesen. Auch hier können trotz größter Sorgfalt gemäß den gesetzlichen Vorschriften, jederzeit Zweige, Äste, Bäume auf einen herabstürzen. Vornehmlich auf dem Friedhof. Kann man gleich liegen bleiben.

So viele tolle Worte, die man viel zu selten liest

An Fachgeschäften für den Dekorationsbedarf mangelt es auch in Glessen nicht. Während „Butlers“ oder „Depot“ teils schnelllebigen Fernost-Ramsch feilbieten, wartet man hier vor Ort mit bleibenden Sujets auf, die man später auch noch einmal vererben kann. Beispielsweise nach einem Friedhofsbesuch im stürmischen November.

Wenn weniger nicht mehr ist

Bliebe zum Schluss noch der Blick auf ein infrastrukturelles Juwel, das in wenigen Orten so schmuck aufbereitet wurde, wie in Glessen. Der örtliche Bücherschrank lädt zum Lesen, Tauschen, Plauschen ein. Motto: Wenn abends schon kein Bus mehr fährt, lese ich halt was von fernen Ländern.

Kollege Witton hatte mit seiner Wette, dass auch im Glessener Schrank garantiert Werke von Konsalik und Simmel (nie war ein „s“ wichtiger) zu finden seien, ins Schwarze getroffen. Schnell hatte er die unlizenzierte Biographie über Alfred Jodocus Kwak gefunden – geschrieben von einer Ikone der Weltliteratur.

Rabatt kann ich Ihnen nicht geben, aber zum Buch gibt es gratis eine Maske

Die Themen der Woche

Wir sprachen über:

  • anstrengende Bergbesteigungen wie den Nanga Parbat, den K2 oder die Glessener Höhe
  • Dans minder ausgeprägte Zuneigung zu Fahrzeugen der Marke „Smart“ und deren Besitzerinnen und Besitzer. Auch mit einem Smart will das richtige Parken gelernt sein, aber das haben viele der Fahrer nicht nötig…

Die Lieder der Woche

Wir sangen:

  • „Absolut Bella“ bescherte uns diesmal bereits auf der Hinfahrt ein musikalisches Highlight des längst vergessenen 1. DSDS-Siegers, Alexander Klaws. „Morgen explodiert die Welt“ setzt sich allerdings nicht mit dem heraufziehenden Klimawandel und den daraus resultierenden Folgen auseinander, sondern es geht anscheinend um eine rauschende Nacht im Bann der Gefühle des kleinen Alex mit seiner Heißersehnten.
  • Es gibt so Lieder, die man auch nach Jahrzehnten des Nicht-Hörens noch mitsingen kann. „Skandal im Sperrbezirk“ der „Spider Murphy Gang“ ist einer davon. Wie ist noch gleich Rosis Telefonnummer?
  • Wo wir gerade bei alten Zauseln sind: Der sympathischste Grieche seit Panaiotis Sarikakis aus der „Lindenstraße“ („Beate! Mein Sohn bleibt Grieche!!!) ist zweifelsfrei Demis Roussos gewesen. „Absolut Bella“ verwöhnt unsere Ohren mit seinem Klassiker „Goodbye my love, goodbye„. Sang er immer bevor er den letzten Ouzo kippte.

Beton und Baracken in Buschbell , Hortensien in Hücheln

Eine neue Wanderung stand an und es galt, sorgsam die Destination abzuwägen. Der Tag war trocken, aber nicht sonnig, die Stimmung gut, aber nicht ausgelassen. Wir brauchten also einen Ort, der dieses Dazwischensein in Greifbares verwandelt und so entschieden wir uns für gleich zwei Frechener Stadtteile: Buschbell und Hücheln. Soviel sei vorweg genommen: Buschbell hält nicht, was der Ortsname verspricht. Die Büsche sind meistens Hecken und weit und breit konnten wir nichts entdecken, was irgendwie „bell(e)“ gewesen wäre. Da „Hücheln“ sowieso klingt wie eine Lungenkrankheit, war hier die Enttäuschung weniger groß.

Tipps und Tricks vom Experten

Wir starten unsere Wanderung in der Römerstraße an der Heilpädagogischen Kita „Käthe Kraemer“ in der einer von uns beiden seinen Zivildienst absolviert hat. Hier hat eben jener einige wertvolle Lifehacks erlernt, zum Beispiel, dass in Sagrotan getränkte und zu kleinen Küglechen geformte Taschentuchfetzen sich sehr gut eignen, um in die Nasenlöcher gesteckt zu werden bevor man die ein oder andere Windel wechselt. Gerne geschehen!

Anscheinend hat sich in der Römerstraße seit dem Durchmarsch der namensgebenden Legionen der Straßenbelag nicht geändert. Die Hausfassaden wurden aber durchaus der ein oder anderen Modernisierung unterzogen. Handelte es sich um Haarschnitte, wären die Worte „flippig“ und „verspielt“ wahrscheinlich die passenden. Von hier kommen wir direkt auf die Paul-R.-Kraemer-Allee und die geneigte Leserschaft wird vielleicht hier schon feststellen, dass der Name „Kraemer“ und Buschbell fest miteinander verbunden sind. Warum man diesen besseren Feldweg, der unter der Autobahn herführt aber „Allee“ genannt hat, erschließt sich uns nicht. Kurz vor der Autobahnbrücke entdecken wir ein geöffnetes Tor, hinter dem sich ein von Laternen gesäumter Pfad befindet. Wir beschließen natürlich, diesem zu folgen, gelangen aber nur zu einer Art Gartenhaus und dem Hintereingang eines Kindergartens, bei dem anscheinend viel Wert auf eine rauchfreie Umgebung gelegt wird.

Ach, was war das schön, als man den Job als Kindergärtnerin noch mit Mariacron und Fluppe erledigen konnte.

Also kehren wir wieder um, pflücken im Vorbeigehen noch eine Mirabelle von einem tief hängenden Ast und sind wieder auf der prachtvollen Allee (warum nicht gleich „Boulevard“?), die wir weiter in Richtung Felder erkunden.

Nach seiner kurzen Karriere hatte sich der alte Holzmichel an den Rand der Zivilisation zurückgezogen.

Wohltäter dem Wildwuchs preisgegeben

Nach kurzer Zeit gelangen wir zu den Anlagen der Gold-Kraemer-Stiftung. Deren Gründer*innen Paul R. und Katharina Kraemer haben sich zu Lebzeiten sehr für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung eingesetzt und Kindergärten, Schulen, Wohnheime und therapeutische Einrichtungen im Rhein-Erft-Kreis ins Leben gerufen. Dafür gebührt Ihnen Dank und Respekt. Die Verwahrlosung, die rund um das gesamte Grundstück um sich greift, irritiert uns allerdings ebenso sehr, wie das ein oder andere Schild.

Wanderung mit Wortschatzerweiterung.

Die am Feldrand angeschütteten Erdhaufen und im Besonderen deren beißender Gestank schlagen uns schließlich in die Flucht und wir gehen über den Mühlenweg zurück in Richtung Ortseingang. Hier passieren wir noch kurz das ehemalige Domizil eines Motorrad- und Rockerclubs, dessen Chef aber mittlerweile die Fenster gegen Stahlverstrebungen eingetauscht hat.

Regina und Ulf schätzten an ihrem Campingplatz vor allem die Abgeschiedenheit.

Ab geht’s auf die Burghofstraße und wir können uns vorstellen, dass es hier vor 500 Jahren mal sehr beschaulich gewesen sein muss. Heute fallen die dortigen Häuser eher in die Kategorie „Da schau her. So kann man auch wohnen.“ Wir beschleunigen unseren Schritt ein wenig, passieren schließlich die „Casa Stadelmann“ (liebe Buschbeller*innen, wir müssen reden.) und finden uns dann auf der Ulrichstraße wieder.

Der VHS-Kurs „Steinerne Beleidigungen fürs Auge“ hatte sich wirklich ausgezahlt.

Ihr Wahnsinnigen! Ihr habt die Erde in die Luft gesprengt!

Hier biegen wir rechts ein und kommen an einer Goldschmiede vorbei, die Geschmeide feilbietet, das bei manchen Menschen zum Weihnachtsbaumschmuck taugt. Gegenüber liegt die örtliche Bäckerei, die wir aufsuchen, um uns flüssige und feste Stärkung zu holen. Als wir den Laden betreten, spüren wir die argwöhnischen Blicke der Mitarbeiter- und Kundschaft auf unserer Haut. Man bedient uns auch erstmal nicht, vielleicht, weil sich niemand traut oder weil wir uns noch nicht als würdig erwiesen haben. Nach vier Minuten dürfen wir den Laden dann aber mit Kakao (1,20€), Brezel (0,85€) und einer Cola (2,00€ für 500 Milliliter) verlassen. Wir gehen weiter und gelangen zur Kirche St. Ulrich. Im Umfeld dieses Sakralbaus wurde soviel Beton und Stein in die Erde geschmettert, dass irgendwie alles grau und kalt wirkt. Wir denken an die Schlussszene von „Planet der Affen“ und rufen „Ihr Narren, was habt ihr getan?!“ .

Am achten Tag schuf Gott Zement, Asphalt und Backsteine und er hatte das Gefühl, dass das gar nicht gut war.

Nun gehen wir in Richtung Hücheln, das in der Tat ein paar schöne Häuser -vor allem in der Aegidiusstraße- zu bieten hat. Letztendlich überwiegt hier aber auch der nüchtern-nichtssagende Stil der Stahlliebhaber. Irritiert sind wir von der Tatsache, dass uns auf diversen Grundstücken Menschen hinter Stahlzäunen begegnen, die uns unverständliche Worte zuraunen oder einfach nur auf den Boden schauen. Ein ca. fünfjähriges Mädchen ruft uns „Opa!“ zu und wir fühlen uns schlagartig unwohl.

Todesursache: Langeweile.

Wir laufen wieder in Richtung Buschbell und entdecken erstaunlich viele Vorgärten mit Hortensien. Sollten diese die Orchideen auf den Fensterbänken ersetzen? Banget nicht, Freunde. Es geht beides!

Auf dem Rückweg laufen wir sowohl über den Hüchelner als auch den Buschbeller Friedhof. Beide nicht der Rede wert. Mit großer Besorgnis beobachtet einer von uns den Trend, Gräber mit farbigem Rindenmulch zu bestreuen. Es bleiben viele Fragen.

Wir hatten großes Glück, bei der Besichtigung des „Appartements mit schicker Fassade“ die ersten gewesen zu sein.

Für heute haben wir genügend Eindrücke gesammelt. Hätten wir länger bleiben müssen, hätten wir eine Delphin-Therapie gebraucht.

Fazit: Leben zwischen Autobahn und Krankenhaus – das kann nicht gut sein.

Wir reden über:

Diverse Feierlichkeiten in unseren Jugendjahren. Irgendwo waren immer irgendwelche Eltern verreist und jemand hatte somit sturmfrei. Schlimm war Dan’s 16. Geburtstag. Dass das Haus danach noch stand, ist wirklich ein Wunder.

Die Eltern werden älter. Herrje, wie konnte das passieren?

Krankenhausaufenthalte und diverse Malaisen.

Das neue Video von Helene Fischer und die unglaublichen Zuschauerzahlen bei der Erstausstrahlung. Das Lied ist natürlich wieder ein Meisterwerk. Hier darf sich „marte“ noch auf „Sprache“ und „Körper“ auf „Wörter“ reimen. Herz, was willst Du mehr? Singende Menschen in Raumschiffen haben wir übrigens schonmal gesehen und irgendwie hat es uns besser gefallen.

Ohrwurm des Tages:
Absolut bella schenkt uns zu Beginn des Tages wieder ein Lied von Adamo – Ein kleines Glück.
Auf der Wanderungen singen wir „Schmidtchen Schleicher“ und stellen fest, dass diese in Töne gefasste Stalking-Serenade heute nicht mehr einfach so geschmettert werden kann. Auf dem Friedhof fällt uns der deutsche ESC-Beitrag von 2001 ein und wir singen „Wer Liebe lebt“. Den krönenden Abschluss schenkt unser aber wieder unser Lieblings-Radiosender mit dem unfassbaren „Lied“ „Und über Rhodos küss ich Dich“ vom Nockalm Quintett. Auf dem weiteren Weg sind wir uns einig, dass wir Zuhause erstmal duschen gehen.

Bewundernswürdiges Berrendorf – Willkommen in der Wortspielhölle

Was kann nach unserem Besuch in Berrenrath vergangene Woche nun folgen? Ein Ausflug nach Berrendorf. Wie oft habe ich diese beiden Orte in den vergangenen Jahren verwechselt. Das soll mir nun nicht mehr passieren, zu unterschiedlich sind doch die Eindrücke und Begegnungen. Berrenrath war ja überraschend idyllisch und fast schon pittoresque.

Besinnung auf das Wesentliche! Auch das zeichnet Berrendorf aus

Erst einmal sei festzuhalten, dass die Parkplatzsuche in Berrendorf schnell erledigt ist, Parkraum ist ausreichend vorhanden. An der Michael Ende-Schule beispielsweise. Und wenn wir einmal das wahrscheinlich erfolgreichste Werk des Schriftstellers nehmen, dann könnte das dort viel beschriebene „Nichts“ hier seinen Ursprung genommen haben.

 Das Nichts. Wie eine Flutwelle, eine Lawine, die jedoch kein Geräusch verursacht, wälzt es sich durch Phantasien und schlingt alles auf, was ihm auf seinem Weg begegnet – alles Leben, alle Farbe, jeden Duft, jeden Laut und jedes Gefühl.

Michael Ende, „Die unendliche Geschichte“

Man schaut sich um und hat das ungute Gefühl, dass oben genanntes jeden Moment eintrifft – oder schon eingetroffen ist. So führt uns beispielsweise unser zuerst eingeschlagener Weg an der Grouvener Str. plötzlich nicht weiter. Er endet einfach. Das hat er gemeinsam mit unserer Hoffnung. Wo die Wege enden, erschließen sich neue Perspektiven! Beispielsweise auf eine bezahlbare zukünftige Behausung. Da hat Berrendorf durchaus etwas zu bieten. Prachtbauten mit Potenzial. Für Liebhaber. Und Bastler.

Pipi hat einfach keinen grünen Daumen

Artenschutz und konische Säulen

Nur wenige Meter weiter wird uns stracks vor Augen geführt, was man mit ein bisschen Zement, Gips, Grips und guten Ideen auch aus der bescheidensten Hütte zu zaubern vermag. Man muss es nur wollen. Nicht so einfach für Menschen, die im ersten Leben nicht römische Provinzstatthalter waren.

Im Rosengarten hinter dem Haus hielt Donald gern seine Ansprachen

Das urbane Zentrum des Ortes zeichnet sich durch die Tatsachen aus, dass man hier Geld abheben und gleich ausgeben kann. Beispielsweise in der örtlichen griechischen Feinkostmanufaktur oder beim sonntags geöffneten Bäcker, der seinen Beruf verfehlt hat, wäre ein Änderungsatelier doch eigentlich namentliche Berufung gewesen.

Wer in einer fremden Umgebung schon mal bei Freunden eingeladen war nachdem diese kostenbedingt die große Stadt verlassen und ins ländliche Brachland umsiedeln mussten, der weiß, wie schwer es oft ist, die richtige Adresse der Freunde zu finden. In Berrendorf ist man da pragmatisch und hat die Beschriftung der Straßenschilder gekonnt ausgewählt:

Immer hungrig, nie satt

Wer sich neben den Essers ebenso in Berrendorf wohlfühlt, das könnten beispielsweise Geier sein. Oder andere geschützte Arten. Hat man doch eigens ihretwegen einen Turm des Ortes umgewidmet.

Vor einigen Wochen haben wir hier an dieser Stelle über unseren Besuch in Pulheim-Stommeln berichtet. Treue Leser jedweden Geschlechts mögen sich daran erinnern, dass wir dort unter anderem auf den Spuren Michael Jacksons waren, der dort einst einige Songs aufgezeichnet hat. Nun werden wir wieder an den King of Pop erinnert. Weshalb auch immer. Sollte sich sein Fahrer einst verfahren haben?

Michael Jackson liebte Küchenlampen im altdeutschen Stil

Dass Berrendorf aber auch Heimat kreativer Wortakrobaten ist, das haben wir auch feststellen und goutieren müssen. Manchmal ist mehr halt doch mehr.

Haarsträubende Wortspiele

Kurz: Ein Besuch in Berrendorf lohnt sich, wenn man sich verfahren hat und spontan griechisch einkehren möchte (im gastronomischen Sinn aber auch nur…) oder wenn man die Essers besuchen möchte!

Die Themen der Woche

– Immer noch lassen uns die schlimmen Bilder aus den benachbarten Flutgebieten nicht los. Nach einem beruflichen Besuch in Erftstadt-Blessem weiß man wirklich nicht, wie lange es dauern soll bis der Ort wieder aufgebaut ist.

– Menschen, ehemalige Webgegleiter und Bekannte, die urplötzlich über Facebook eine Freundschaftseinladung schicken, obwohl man sie zu ihren besten Zeiten schon nicht ansatzweise „Freund“ tituliert hätte.

Die Lieder der Woche

– „Absolut Bella“ bewies einmal mehr seinen Hang zur überraschenden Playlistgestaltung und präsentierte uns Butterfly von Danyel Gerard.

– Lange nicht mehr gehört: Das Meisterwek von Adamo

Glanzvolles Gleuel, beschauliches Berrenrath

Eigentlich war die Idee, dass wir es uns am vergangenen Sonntag so richtig geben wollten. Nach dem doch relativ anschaulichen Paffendorf sollte es mal wieder ein Cocktail aus Bausünden, Verzweiflung und menschlichen Abgründen sein. Da wir ja bereits in Niederaußem waren, mussten wir uns nach einem vergleichbaren Ort umschauen und so keimte in einem von uns die Idee auf, eine andere kraftwerksnahe Gegend aufzusuchen. Wie bitter sollten seine Erwartungen bezüglich Tristesse enttäuscht werden. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber für Berrenrath gilt das Gleiche wie für den bereits erwanderten Frechener Stadtteil Bachem: Man kann sich vorstellen, hier eine menschliche Existenz in Würde zu führen.

Unser Auto parken wir im – so wollen wir es mal wohlwollend nennen – Stadtzentrum. Wikipedia weiß zu berichten, dass das Gebiet des Ortsteils Berrenrath bereits in der Antike besiedelt war und uns deucht beim Aussteigen, dass wir das große Glück haben, auf den ein oder anderen Erstbesiedler zu treffen. An dem steinernen Schachtisch auf dem Wendelinusplatz sitzt ein Mann, der an seiner westlich gelegenen Flanke bereits ein wenig Moos angesetzt zu haben scheint. Kurz überlegen wir, ihn anzustupsen, aber da wir sehen, dass er atmet, reicht uns das als Lebensbeweis vollkommen aus.

Der Wendelinusbrunnen beeindruckt mit seiner Darstellung der Ortsgeschichte und des vielfältigen Vereinslebens. Hier gibt es für jedes Hobby die passende Gemeinschaft. Die Berrenrather waren ursprünglich ein Volk von Reisigsammlern, die dann von Tür zu Tür gingen, um das gesammelte Kleinholz zu verhökern. Daher stammt auch die leicht abschätzige und für Zugereiste schwer auszusprechende Bezeichnung Schänzjeskriemer. Sowieso gilt: Wer in Hürth sprachlich bestehen möchte, braucht einen flexiblen Mund-Rachenraum.

Wenn Sie in diesem Bild etwas anderes sehen, als volkstümliche Kunst, sind Sie ein altes Schwein.

Wir passieren das Berli, kurz für Berrenrather Lichtspiele, einem Kino im Stil der 50er Jahre. Hier finden neben ausgewählten Filmvorführungen auch viele weitere Kulturevents statt und ein Besuch lohnt sich immer. Neben dem Capitol in Kerpen und dem Linden-Theater in Frechen gehört das Berli zu den schönsten und atmospärischsten Kinos im Rhein-Erft-Kreis. Schräg gegenüber gibt es einen Nahkauf, der immerhin wochentags bis 19:00 Uhr geöffnet hat. Herz, was begehrst Du mehr?

Über die Bruchstraße und Brüggener Straße gelangen wir ins Paradies der Präpositionen. Hier kann man Deutschlernende innerhalb von kürzester Zeit die ganze Pracht unserer Grammatik zeigen. Wer dann noch nicht den Verstand verloren hat, dem stehen alle Türen und Tore offen.

Können Sie mir Ihre 3-Wort-Adresse verraten?

Über „In der Henn“ (so muss man es ja dann wohl sagen, oder? Vielleicht könnte man alternativ auch die Formulierung „Wir gehen durch die Henn“ nutzen, aber das könnte falsche Assoziationen hervorrufen.) gelangen wir in ein nun auch schon älteres Neubaugebiet, dass zumindest mit ein paar Orchideen, Steinfiguren und Plastik-Trallafitti aufwartet. Wir sind ein wenig versöhnt und können hiermit auch Berrenrath ein Mindestmaß an Hässlichkeit attestieren.

Wirklich?

Was auffällt, sind die allerorts zu entdeckenden Kisten und Kästen, die mit „Zu verschenken“- Schildern verziert und mit allerlei Haushalts- und Dekorationsgegenständen gefüllt sind. Anscheind gibt es einen regen Küchengerät-Tourismus. Nebenbei fragen wir uns, wann wir zum letzten Mal eine Wärmplatte jenseits eines chinesischen Restaurants gesehen haben.

Wir verlassen Berrenrath und gelangen nach Gleuel, dass der Einheimische natürlich „Jleuel“ ausspricht. Nicht jedem gelingt die saubere und gleichzeitig seriöse Betonung auf Anfang. Wir empfehlen daher die folgende Sprechübung : „Jlanz und Jloria jitt et ,jläuve ich, in Jleuel bei nem Jlas Kölsch.“ Sendet uns gerne Sprachnachrichten mit Euren Versuchen. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir einen getöpferten Aschenbecher oder wahlweise ein Halbjahresabo der Astrowoche.

Wir laufen durch Gleuel, das in Sachen „Ansehnlichkeit“ Berrenrath in nichts nachsteht. Gott sei Dank entdecken wir hier und da immer mal wieder ein paar zumindestens fragliche Kunstwerke vor Haustüren und in Gärten.

Heimat der Häkelfreunde Hürth e.V.

Die letzten 30 Minuten unserer Tour laufen wir entlang des Otto-Maigler-Sees. Hier wird man nur gestört von MAMIL’s – Mittelalten Männern in Lycra und Jogger*innen in eigenwilliger Gewandung. Ansonsten kommt das Auge aber zur Ruhe.

Das Tagewerk ist heut vollbracht, Hei-Ho.

Schon bald erreichen wir wieder unser Auto, begegnen auf dem Weg dorthin aber doch noch der ein oder anderen bemerkenswerten Örtlichkeit und verlassen frohen Mutes und gut gelaunt das Hürther Stadtgebiet.

Gemeinsam schwelgen Sie in Erinnerungen an die Jahre der großen Auftritte. Wo sind die Tränen von gestern Abend, wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?

Fazit: Berrenrath und Gleuel – Hier kann man leben. Leise und unaufgeregt zwar, aber für Menschen mit Herzschwäche und Überempfindlichkeiten ist es hier bestens geeignet.

Wir reden über:

  • Natürlich die Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland Pfalz und ebenfalls über die Heimsuchung durch Armin-Wenn-Ich-Mal-Groß-Bin-Werde-Ich-Kanzler-Laschet. Dazu wurde alles gesagt und geschrieben. Wir hüllen uns an dieser Stelle in Schweigen.
  • Callcenter und Service-Dienstleister. Wir sind alle verloren.
  • Arbeiten beim RTL. Einer von uns ist ein wenig neidisch.
  • Die guten alten Zeiten. Haben wir eigentlich schon von unserem damaligen Kiosk erzählt? Müssen wir mal machen. Wir haben schon früh Freundschaft mit dem Kapitalismus geschlossen.

Ohrwurm des Tages:
Der Tag begann mit „Hallelujah“ von Milk and Honey und ging weiter mit „Ein Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews. Hätte man mit Leben können, aber irgendwann fiel uns dann „Hallo Alf, hier ist Rhonda“ ein und ließ uns für dreieinhalb Kilometer nicht mehr los. Wir konnten uns nur retten durch das kräftiger Intonieren von „Willkommen, Bienvenue, welcome.“ Dabei dachten wir an Marlen Charell , schwenkten unsere imaginäre Federboa und lieferten eine filmreife Darbietung.

Prachtvolles Paffendorf – Zwischen altem Schloss und bunten Stromkästen

Las Vegas, Dubai, Paffendorf. Alle Orte haben ihr „signature sign“

Nachdem die vergangenen Wochen eher von Spaziergängen, Wanderungen und Erlebnissen in minderschönen Orten geprägt waren, haben wir uns diesmal – passend zum herrlichen Sommerwetter – mal einen schönen Ort ausgesucht. Wobei man auch hier beachten muss, dass eigentlich nur eine Hälfte dieses Ortes recht schön ist, doch dazu später mehr. Es geht nach Paffendorf! Das gehört zwar zu Bergheim, ist aber dennoch recht schmuck.

In der Backpflaumenallee 17 hat die gut behütete Katze den Garten hergerichtet

Wir parken unweit von St. Pankratius und wollen erst einmal zu Fuß zum Ortseingang zurück. Dazu schlendern wir am Wohnmobilstellplatz an der Königsstraße entlang und stellen uns die Frage, wer eigentlich gerne mit seinem Wohnmobil auf einem Parkplatz ohne Infrastruktur urlaubt? Hier in Paffendorf ist der Stellplatz noch ganz nett gelegen – zwischen Minigolfplatz und Schloss, aber in anderen Städten (bspw. Kerpen) überzeugen jene Plätze durch ihre Tristesse. Aber solange man das Vordach ausfahren, den Jägerzaun aufbauen und die Wampe freischwingend über der Speedo tragen kann, scheint die Welt in Ordnung.

Kunst am Kasten

Am Ortseingang, Glescher Str. angekommen sehen wir einmal mehr, wie wichtig Zäune und Tore sind! Auch wenn es keine Wege dahinter gibt. Erstmal ein Tor bauen, der Rest kommt später. Muss ja alles seine Ordnung haben.

Wo die Wege enden, sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht!“

Apropos Ordnung: Während andere Gemarkungen in der Region ihre grauweißen Stromkästen ohne jegliche kunstvolle Verzierungen im Stadtbild anrotten lassen, ist man in Paffendorf einen Schritt weiter. Egal, ob Kunstprojekt der örtlichen Schule oder Wiedereingliederungsverfahren unter Bewährungshelferaussicht: Das gibt dem Ort einen bunten Anstrich. Das und natürlich auch die orchideenberankten Fenster, die ja scheinbar, wie wir nun wissen, Pflicht in deutschen Fenstern zu sein scheinen.

Hollywood hätte keine besseren Kulissen bauen können

Von der Glescher Str. aus wagen wir uns an Rapunzels Drittwohnung vorbei auf die geographisch westliche Seite des Ortes und suchen den Bahnhof. Oder besser ausgedrückt: Den Haltepunkt. Paffendorf ist tatsächlich an eine nicht-elektrifizierte Regionalbahnlinie der Deutschen Bahn angeschlossen. Die fährt theoretisch von Horrem aus über Bergheim ins Niemandsland. Wenn es denn ausreichend gesunde Lokführer jedweden Geschlechts gibt. Wenn davon zu viele erkrankt sind, fährt die Bahn halt nicht! Klingt unfassbar, ist aber so.

Schloss Paffendorf bei „Wish“ bestellt

Dan erschrak beim Anblick der Haltepunktanlage und ließ sich spontan zu der Aussage hinreißen, das sei der hässlichste Bahnhof, den er jemals gesehen hätte. Da musste ich (Kai) ihm aber widersprechen. Wer schon einmal mit der Regionalbahn zum Weinfest an die Ahr gefahren ist, hat schlimmere Bedarfshaltestellen gesehen. Oder wer mit der Euregiobahn von Langerwehe aus über Eschweiler und Stolberg (Rheinland) nach Aachen gefahren ist, findet dort auch wesentlich fragwürdigere Bahnhofsimitationen.

Hier hatte Christian Anders damals die Idee für einen Welthit

Unser Weg führt uns weiter zum nördlichen Ortsausgang und wir stellen fest, dass trotz Klimawandels bei uns noch lange nicht alles wächst und gedeiht, was Gottes grüne Hand gegeben hat. Ab und an müssen Pflanzen scheinbar doch gegossen werden. Wie gut, dass Orchideenarrangements nicht in Steingärten wachsen, sondern nur hinter gut verschlossenen windowcolourverfeinerten Fenstern.

Walpurgisnachtvorbereitungen

In einer scheinbaren Straße ohne Wiederkehr entdecken wir einen Jungen, der alleine mit sich versucht Seilspringen zu spielen. Es gibt einfach immer wieder sonntags Anblicke, die einen doch ein wenig traurig zurücklassen. Wir halten uns natürlich nicht lange damit auf, sondern gehen flugs weiter in die Hauptstraße entlang und suchen den Eingang zum Schloss. Das wird seit einigen Jahren vom sympathischen und überhaupt nicht überteuerten Stromriesen RWE Power betrieben, der dort auch ein kleines Informationszentrum anbietet. Dort kann man sich prima anschauen, wie ganze jahrhundertealte Dörfer weggebaggert, Menschen umgesiedelt, Natur passend gestaltet wird.

Der Earl von Doringcourt liebte seine Seerosenzucht

Das Schloss, das einst im 16. Jahrhundert gebaut wurde, hat sich im Laufe der Jahrhunderte stets weiterentwickelt und ist heute wirklich schön anzuschauen. Das wissen leider auch zahlreiche Möchtegern – Influencer , die sich im Schlosspark ungelenk versuchen in Pose zu setzen, um neuen Content für ihre bemitleidenswerten, nach Ruhm und Anerkennung heischenden Instagram – Kanäle zu produzieren. Auch dieser Anblick macht uns traurig. Einfach mal bei Instagram #Paffendorf eingeben. Der dann sichtbare Foto-Feed lässt einen zwischen Belustigung und Mitleid und Schaudern festfrieren.

Tanztee im 6/8-Takt

Die Brasserie hat zwischenzeitlich wieder geöffnet, nachdem sie coronabedingt einige Monate geschlossen hatte. Im Innenhof des Schlosses kann man nun also wieder gemütlich speisen und trinken. Sonntags allerdings werden noch weitere Sinne gefordert und umschmeichelt, denn dann lädt eine kleine Bigband rüstige Rentner und Altgebliebene zum feschen Tanztreff ein. Entschleunigung hat hier für uns eine neue Bedeutung bekommen.

Der Schlosspark wartet dann mit viel Wasser und bemerkenswerten Bäumen auf. Wo sonst findet man Mammutbäume, Gingkos oder auch millionenjahre alte Sequoia-Stämme in der Region?!

Ebenso fast nirgends anders findet man so viele Menschen, die meinen ihren Kaminsims zu Hause mit Hochzeitsfotos aus eben diesem Park verschönern zu müssen. Ich glaube, es gibt keinen anderen Park, vielleicht abgesehen vom Schlosspark Brühl, in dem so viele teils sehr ungelenke und steife Hochzeitsbilder geschossen wurden und werden wie hier. Das kann aber auch sehr heiter sein, wenn man sich unweit des Rondells platziert und fotowillige Pärchen mit nervösen Hochzeitsfotografen (m/w/d) beobachtet

Die Baumwollplantagen lohnten nicht mehr

Minigolf und Maxispaß

Direkt unweit des Schlossparkausgangs finden wir eingangs erwähnten Minigolfplatz mit Außengetränkeausschank, der für kleines Geld auch Eisprodukte wie den legendären „Flutschfinger“ anbietet. Das freut sicherlich die Wohnmobilbesitzer von nebenan, wenn sie abends noch eine kleine Erfrischung benötigen, bevor sie ihn ihr aufgeheiztes Mobilheim zurückwanken.

Heidi hatte sich für die Meeeedchen eine besondere Challenge ausgedacht

Der unweit gelegene Spielplatz bietet dann tatsächlich für kleinere und größere Kinder jede Menge Zerstreuung und Entertainment an. Auf einem kleinen Rundweg entlang der Erft kann man den Besuch anschließend entspannt ausklingen lassen. Oder bei einem Tänzchen im Schlosspark – je nach Guso.

Der Abfluss war explodiert

Die Themen der Woche

Wir sprachen über:

– Trostlose Neubaugebiete. Egal, ob in den 1980er, 1990er oder 2000er Jahren gebaut – strukturell schauen alle gleich aus: Straße, Sackgasse, Sackgasse, Sackgasse, Wendehammer! Warum nicht mal was neues wagen? Beispielsweise auf den Wendehammer verzichten 🙂

– Die teils skurrile Kameraführung während der Fußball-EM. Mit dem Leben ringende Spieler werden minutenlang gezeigt, bei Regenbogenflaggen wird weggeblendet. Die UEFA ist einfach … (zum Selbstausfüllen, unsere Gedanken dazu sind justiziabel)

– Über unsere Besuche diverser TV-Shows in den vergangenen Jahrzehnten. Von „RTL Samstag Nacht, „Harald Schmidt“, „ZDF Fernsehgarten“, über „TV Total“, „Bärbel Schäfer“, „Greif an“(!) bis hin zur „Dirk Bach Show“, Let’s Dance“ oder „Der Preis ist heiß“ war die zu Recht vergessene „April Hailer Show“ im ZDF der absolute Tiefpunkt! Stundenlang gefangen ohne zu lachen…hätte es damals schon Handys gegeben, wir hätten um Hilfe gerufen.

– Sonnenbänke und deren Spätfolgen/Altersflecken. Kai hatte mal eine Ex-Freundin, die nebenberuflich in einem Sonnenstudio jobbte. Zu der Zeit – und in Vorbereitung eines Balearenurlaubs – besuchte er damals häufiger das Münzmallorca zur „Happy hour“ vor 11 Uhr. An der Bar entstanden spontane Freundschaften mit tiefgegerbten Endfünfzigerinnen.

In dem Zusammenhang: Es besteht die Gefahr, dass einer von uns ad hoc Altersflecken bekommt. Wobei das schon die eher euphemistische Bezeichnung ist. Dan möchte aber nicht drüber reden 🙂

Die Lieder der Woche

Wir sangen:

– Absolut Bella“ hatte wieder eine Playlist ausgewählt, die ähnlich überraschend ist wie ein Margarete Stokowski-Besuch im Kölner „Pascha“. Diesmal wartete der Sender mit einer von uns ungehörten Version des Super-Sommer-Songs „Volare“ auf. Wir alle kennen das Original der unverwüstlichen „Gipsy Kings“ (bitte umbenennen). Der temperamentvolle Eidgenosse DJ Bobo hat dies Lied aber auch …interpretiert. Bitte hier nachhören.

– Die patinabesetzte goldene Stimme aus Prag bescherte uns die deutsche Version von „Forever Young“. Karel statt Alphaville. Zum Glück nicht die Version mit Bushido.