Ganz schön Giesendorf

Dass weite Teile des Rhein-Erft-Kreises über Jahrzehnte hinweg von und mit der Braunkohle gelebt haben, das sieht man immer noch in vielen Dörfern (Etzweiler, Alt-Habbelrath, Fortuna und Co. mal ausgenommen). Meist sind aus den Tagebauen von einst Seen geworden, (noch) nicht so nahe Giesendorf. Aber dazu später mehr. Erst einmal wollen wir beim Anblick der vielen Kohlekraftwerke im Norden der Region verweilen und tief durchatmen. Herrlich! Noch immer kann man den Geruch unserer Jugend hier erahnen.

Demnächst bei RTL: „Tornadoalarm – wenn Petrus zurückbläst!“

Wir parken unseren Großraumtransporter des kleinen Mannes am Rosenweg, haben kurz Baccara im Ohr und versuchen uns einen ersten Überblick zu verschaffen, wo exakt Giesendorf beginnt und Wüllenrath endet. Die beiden Ortschaften gehen ineinander über, ähnlich wie Bochum, Dortmund Essen. Man könnte sagen, Elsdorf ist das Ruhrgebiet des Rhein-Erft-Kreises. Nur mit weniger Menschen. Viel weniger Menschen.

Hubert? Bist Du es? Wähnte Dich im Venn

Und damit kann nun auch der Ortsfremde kombinieren, dass unser Ausflugsziel Giesendorf zur Stadt Elsdorf gehört. Ja, eine Stadt, deren Name auf „Dorf“ endet, das klingt paradox (wie auch in Düsseldorf), aber das soll nicht das einzig Paradoxe an diesem Sonntag bleiben. Rund 1.300 Menschen nennen diese in die rheinische Tiefebene geschossene Ortschaft Heimat. Apropos Tiefebene: Lange glaubte man hier, die höchste Erhebung der Gemeinde befände sich auf Laufenbergs Petra – ein Irrlaube. Ganze 77 Meter über dem Meeresspiegel befindet man sich in Teilen Giesendorfs, man kann die Schlotwolken also nahezu greifen.

Mehr wäre zu viel gewesen: Der Kunststoffkappes-Kranz

Kappeskranz deluxe

Rund um Allerheiligen gedenkt man in den südlichen und südwestlichen Teilen der Republik den vorangegangenen Familienmitgliedern. Oft auch noch den Gefallenen der beiden Weltkriege. Da werden Friedhöfe und Gedenkstätte oft opulent mit Kerzen und frischen Schnittblumen ausgestattet, die Grünanlagen gepflegt, es ist ein letztes florales Aufbäumen vor den nahenden Wintermonaten. In Giesendorf dekoriert man den Ort aber auch nachhaltig und ökonomisch. Weshalb jedes Jahr einen neuen Kranz für die Verstorbenen erst be- und dann aufstellen, wenn doch auch ein Gebinde aus herrlichen Kunststoff-Blättern eine festive Stimmung verbreiten kann? Und wieso sollte man üppige Rosenblätter, frisches Tannengrün oder sattleuchtende Nelken verwenden, wenn doch auch Kappes(Kohl)Blätter ausreichen?! Hier kann der gemeine Schwabe noch was lernen.

Sackgasse des Lebens – Fury wusste nicht mehr weiter

Geschäfte zum Erledigen des täglichen Bedarfs sucht man in Giesendorf vergebens, leider auch eine Backwaren-Verkaufsstelle. Oder aber wir haben sie einfach nicht entdeckt – man weiß es nicht. Dafür kann man hier herrliche Steine erwerben. Und zeitweise auch Bücher, handverlesene Druckwaren aus der Feder Barbara Woods – das allerdings halt nur temporär und besser bei bestem Wetter. Apropos Wetter: Das ist während unseres Besuchs fantastisch (wenn zwei solche Sonnenscheine unterwegs sind…), aber wir müssen wenig später erfahren, wie auch noch so gutes Wetter gleichzeitig gruselig sein kann und an Endzeitszenarien zu erinnern vermag.

„Dornen des Glück“ – die Autobiographie Christian Lindners?

Wir flanieren entlang der Etzweilertraße in Richtung südwestlichen Ortsausgangs. Bis vor wenigen Jahren rasten hier noch testosterongeladene Golf-GTI-Jungbauern mit Tempo 110 in Richtung Etzweiler, doch den Ort gibt es nicht mehr. Wie so viele andere musste er den gefräßigen Schaufeln der Braunkohlebagger weichen, die im angrenzenden Tagebau Hambach dafür sorgen, dass Deutschland seine CO2-Bilanz noch ein wenig düsterer gestalten kann.

Schönes bleibt – Florale Grüße nicht

Heute erinnert kaum noch etwas an den Ort. Vom Aussichtspunkt „Terra Nova2“ hat man einen, sagen wir mal, beeindruckenden Blick auf das größte menschengemachte Loch Europas. Über 400 Meter tief, 85 Quadratkilometer groß – unfassbare Ausmaße, die man hier auf faszinierend-erschreckende Weise präsentiert bekommt. An durchschnittlich kühlen Tagen erinnert die Szenerie an Mordor, das Reich Saurons in der „Herr der Ringe“-Trilogie. Dampf und Nebel des warmen Erdbodens steigen hier empor, legen sich wie ein Schleier über die Szenerie. Muss man mal gesehen haben – Bilder können das Ausmaß nur eingeschränkt widerspiegeln.

Mordor (Symbolbild)

Nach diesem Erlebnis treten wir langsam den Heimweg an. Also, nachdem wir unseren Boliden wiedergefunden haben. Einer von uns drohte sich zu verlaufen und wäre beinahe in Richtung Wüllenrath gegangen. Das will man aber nun wirklich nicht auch noch an einem schönen Wintertag. Irgendwann ist auch mal gut.

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Ohrwurm des Tages

Was wären wir ohne „Absolut Bella“, der Radiostation des Wahnsinns? Kein Sonntag, an dem uns die Dämonen des destruktiven Dauerdudelei-Programms nicht zu erheitern wissen. Diesmal werden wir mit Musik eines gealterten und gefallenen Top-Stars beglückt, den persönlich nichts mehr schocken kann. Außer vielleicht sein Musikvideo zu „Samuraj“ aus den 1980er Jahren. Wenn da zu Beginn die Schimmel der apokalyptischen Reiter auf die Zuschauer losgelassen werden, wünscht man sich, Nino hätte noch ein bisschen Koks übrig gelassen.

Dann gibt es so Bands, deren Lieder man irgendwie zu kennen glaubt, einfach weil sie einem immer wieder begegnen und einander doch extrem ähneln. Die Werke der Sängerinnen und Sänger der Formation „Fernando Express“ sind so ein Beispiel. 1991 erlebten sie einen seltenen Höhepunkt als ihr Song „Flüsterndes Herz“ den 3. Platz beim Deutschen Song-Festival belegte. Drei Jahre später reichte es dann noch für Platz neun mit dem Gute-Laune-Song „Copacabana“. Überhaupt reißen „Fernando Express“ mit der Titelgebung ihrer immer gleich klingenden Musikversatzstücke so manche Sehnsüchte deutscher Kleingartenvereinskassenwarte: „Meer der Zärtlichkeit“, „Insel des Glücks“,Das Märchen der weißen Lagune„, „Pretty Flamingo„, „Südlich der Sehnsucht“, „Santo Domingo, die Sterne und du“ und natürlich „Mit dem Albatros nach Süden“ bedienen wirklich alle Klischees. „Absolut Bella“ präsentiert uns diesmal den Song „Dolce Vita“, der sich in folgendem Medley widerfindet. Viel Vergnügen!

Und dann müssen wir einen Song hören, der schon im englischen Original einfach nur Kacke ist (um es mal gekonnt zu formulieren. „Fernando Express“ hätten getitelt „Am Ende bleibt uns der übelriechende Rest von Pooh“). Was aber die „Freie Wähler“-Ikone Claudia Jung und der sternverliebte Nik P. (WARUM???) daraus gemacht haben, das ist wirklich harter Stoff, der sich auch mit zwei Flaschen lieblichen Amselkellers nicht ertragen lässt.

Buschiges St. Ommelerbusch

Ein weiterer grauer, nasskalter Herbsttag legt seine bleiernden Flügel über den Rhein-Erft-Kreis. Das zur Neige gehende Jahr gibt noch mal alles, um sich möglichst unangenehm nasskalt zu verabschieden. Wir jedoch lassen uns davon genauso wenig abhalten einen weiteren Ort unserer Besuchsliste aufzusuchen, wie von diversen Hassnachrichten, die wir nach unserem „Fischenich-Ausflug“ immer noch erhalten dürfen. Diesmal verschlägt es uns noch einmal in das Pulheimer Stadtgebiet, eine Ortschaft, die wir (wie so Viele) bislang vergessen haben. Willkommen in Stommelerbusch.

Der schwarze Drache hatte gute Laune

Ein Ort, der nicht nur den Busch im Namen trägt, sondern auch umzingelt von eben jenen ist. Im Osten grenzt Stommelerbusch an den Kölner Chorbusch, im Westen an den Butzheimer Busch. Das sind mehr als in einem durchschnittlichen Herrenmagazin der 1980er Jahre. Wir wagen dennoch den Ritt in buschig-wuschige Gefilde und parken den Campingbus des kleinen Mannes an der Hahnenstraße. Bei insgesamt nur acht Straßen im gesamten Ort, sollten wir ihn hier schnell wiederfinden. Unser Weg führt uns erst einmal bis zur nahgelegenen St. Bruno-Kirche. Bereits die ersten Hundert Meter jedoch haben es in sich. Während wir die gewagten jahreszeitlosen Außendekorationen entlang des Trottoirs bewundern, hält unvermittelt ein Kleinbus neben uns. Plötzlich senken sich die Scheiben und wir wissen: Das war es jetzt! Man hat uns erkannt. Nach all den Jahren und Ortsbegehungen haben uns marodierende Banden (aus Fischenich) aufgespürt und sinnen auf Rache. Blutdürstig! Unbarmherzig! Ohne Rücksicht auf Verluste!

Nicht nur an Halloween gruselig

Als wir mit allem abgeschlossen haben, den Rosenkranz gefunden, ein letztes Ave Maria gebetet haben, sind wir bereit unserem Schöpfer gegenüber zu treten. Doch statt der erwarteten Fischenicher Freischerler begrüßt uns eine waschechte Stommelerbuscherin. Sie habe uns am Straßenrand umherirren gesehen.

Unverlangt eingesandt

Scheinbar erwecken wir den Eindruck den Ort zügig wieder verlassen zu wollen, denn sie berichtet uns mit glühenden Augen von ihrer Tätigkeit als Fahrerin eines speziellen Anruf-Sammel-Taxis, das man über eine App buchen und so Stommelerbusch auch verlassen könne. Sei es zum Einkaufen, Arztbesuchen (Flucht?!). Ihr lägen die 936 Einwohner und deren Mobilität sehr am Herzen, sie wohne schon immer dort und so weiter und so fort. Das (recht einseitige) Gespräch wollte und wollte nicht aufhören. Geistig hatten wir uns schon lange verabschiedet, aber wie einst im Mathematikunterreicht bei Frau Horchler-Schäfer schauten wir die Droschkendame wissbegierig an, nickten ab und an und waren in Gedanken längst in der großen Pause.

Fortschrittliches Pulheim: Transmülltonnen

Stommelerbusch bietet – abgesehen von einem fantastischen App-Evakuierungs-Taxi – wenig beeindruckendes. Das kann man monieren oder aber in hektischen Zeiten wie diesen auch gutheißen und genießen. Wie bei den meisten Orten im Rhein-Erft-Kreis reicht die Ortsgeschichte bis in die Römerzeit zurück. Ausgrabungen haben Reste römischer Gutshöfe freigelegt, ein paar Scherben findet man halt immer, wenn man hier in der Gegend gräbt. Wir fragen uns, ob die statthaften Römer einst auch so wenig Geschmack bei der Gestaltung ihrer Gutshofvorgärten walten ließen, wie die Einwohner heute, aber vor 2000 Jahren waren Kunststoffe jeglicher Couleur ja noch gar nicht erfunden. Es muss eine schöne Zeit gewesen sein.

Die Ente kann nicht, wenn jemand zuschaut

Das Streit-Thema „triste Steingärten“ wird hier allerdings auf eine ganz neue Ebene gehoben. Da muss man schon beeindruckt konstatieren: Das gibt es derart lieb- und stillos selten in der Gegend. Selbst in Bedburg-Rath hat man scheinbar noch mehr Sinn für Ästhetik. Mitunter beschleicht den neugierigen Auswärtigen das Gefühl, es sei ein mit Kieseln und Steinen beladener Schwerlaster ziellos durch Stommelerbusch gerast und habe hier und da, in besonders engen Kurven, die Kontrolle verloren, Teile seiner steinernen Ladung verloren und niemandem sei es aufgefallen.

Steinliebhaber durchleben hier orgaströse Gefühle

Dennoch entstehen weiterhin neue Gebäude in diesem Pulheimer Stadtteil. Wahrscheinlich lässt das einzigartige Infrastrukturangebot (keine Geschäfte, aber ein per App buchbares Fluchtfahrzeug) die Herzen künftiger Eigenheimbesitzer hier höher schlagen. Das Schöne: Im Zuge dieser größten Neubauphase seit Abholzung des germanischen Urwaldes durch die Römer einst, sind die Möglichkeiten menschliche Notdurft vor Ort zu verrichten massiv gestiegen. Es ist nicht alles schlecht.

„Kinners! Isch bin op’m Olymp!“

Stommelerbusch hat sicher vieles zu bieten, das wir an diesem tristen Sonntagmorgen nicht zu erblicken vermögen. Menschen beispielsweise. Und die machen ja das Leben in den vielen Vororten des Rhein-Erft-Kreises erst aus. Wir sind uns sicher, dass es auch hier kommod sein kann. Und wenn doch nicht – man kommt ja weg. Zumindest wenn man die App dafür hat.

Ohrwurm des Tages

„So ein Ausflug ist ja auch immer eine Reise ins Ungewisse!“ Diese weisen Worte einer älteren Dame auf dem Weg durch das sandige ägyptische Hinterland verfolgen uns häufig. Deshalb ist es uns so wichtig in einem Punkt Beständigkeit walten zu lassen. „Absolut Bella“ ist unsere auditive Rückfallversicherung und bietet auch an diesem Sonntag wieder einige Kostbar- und Köstlichkeiten, die wir der breiten Masse nicht vorenthalten wollen. Wer bei Bernie Paul beispielsweise an den Zirkus „Roncalli“ denkt, der kennt den gleichnamigen Ausnahmesänger der guten 80er-Jahre-Laune-Hits noch nicht. Geboren als Bernhard Paul Vonficht in Schweinfurt hat er bewiesen, dass man vor 40 Jahren mit einfachsten Notenfolgen nicht nur eingängige Ohrwürmer komponieren, sondern auch noch schweinereich werden kann. Heute lebt er in einer feisten Villa am Tegernsee und summt beim Zählen seiner Dukaten leise ein „Oh no no“ vor sich hin.

Unter dem vielsagenden Bandnamen „Homo Sapiens“ hat in den 1970er Jahren eine italienische Musikkombo einen kurzen, schwach schimmernden Schweif am ohnehin dunkel leuchtenden europäischen Musikhimmel entfacht. Ihr „Bella da morire“ vermittelt dem des italienisch kundigen Musikinteressierten jedoch fälschlicherweise das Gefühl, der Song sei „schön wie die Hölle“ – ist er aber nicht. Dagegen müssen Feuerräder und Lavaduschen fast schon angenehm wirken.

Kurz vor unserer Heimkunft beglückt uns „Absolut Bella“ dann aber wirklich noch mit einem Song, den man als „kölscher Jung“ auswendig kann. Alle anderen glauben, der Sänger trällert von einer habgierigen Teilzeithostess. Egal! Anmoderiert wird das Oeuvre vom großartigen Viktor Worms, längst vergessener Teilzeit-Hitparaden-Moderator, der zwischen Dieter Thomas Heck und Uwe Hübner die ZDF-Show moderieren musste. Das beschert dem musikalischen Genuss aber kaum Abbruch. Kaum.

Pütz-Blitz

Ja, wo laufen Sie denn? Diese – dem Großmeister des deutschen Humors entlehnte- Frage konnte man sich in den vergangenen Wochen, ja sogar Monaten, schon mal stellen, war es doch erstaunlich ruhig hier. Erst war Sommer, dann war Arbeit, dann kam noch Krankheit hinzu, kurzum: Wir konnten unserer gemeinsamen Leidenschaft nicht nachgehen und es hat uns schwer zu schaffen gemacht. Somit haben wir beschlossen, unsere erste Wanderung seit Äonen durch einen Ort zu machen, der in Sachen Schönheit und Anmut seinesgleichen sucht. Es ist dann doch Pütz geworden, aber hey, man soll da weitermachen, wo man aufgehört hat, oder?!

Symbolbild

Pütz gehört zur Stadt Bedburg und die meisten Menschen kennen es, wenn überhaupt, nur vom Vorbeifahren. Der Ort kuschelt sich eng an die L279, weiß sich aber dennoch geschickt zu verstecken. Fährt man schneller als 70km/h ist man so schnell an Pütz vorbeigefahren, dass man es gar nicht bemerkt hat. Dabei lohnt sich ein Abstecher in dieses pittoreske Dörfchen durchaus, vor allem, wenn man individuelle Fassadengestaltung, Sackgassen und Statuen aus Mamor-Imitat zu schätzen weiß.

Eleonore hatte es trotz der Ermahnungen ihrer Eltern nicht mehr vor Sonnenaufgang in die Gruft geschafft.

Wer des Kölschen mächtig ist, weiß, das der Begriff „Pütz“ einen Brunnen bezeichnet und so lässt sich schnell schlussfolgern, dass dieser Weiler ein Quell der Fruchtbarkeit und des Lebens in all seiner Pracht ist. Fast. Pütz ist, drücken wir es mal vorsichtig aus, beschaulich und ruhig. Wer das einfache Leben zu schätzen weiß, sich am liebsten mit dem versorgt, was der Garten hergibt oder unbehelligt eine eigene Drogenfarm betreiben will, findet hier sein Glück. Wer hingegen eine Bäckerei, vielleicht sogar ein Kreditinstitut oder gar eine Apotheke braucht, um zufrieden zu sein, wird hier von Tag zu Tag trauriger werden. So wabert dann auch eine Mischung aus dem Duft von Lilien, Sonntagsbraten und etwas Verzweiflung durch die Gassen von Pütz, während wir den Ort erkunden.

Den weißen Wirbelwind parken wir in der Hochstraße, das aber erst, nachdem wir durch alle fünf Straßen des Dorfes gefahren sind, um nach einem geeigneten Standplatz Ausschau zu halten. Gerade in kleineren Orten gilt es, sich als Fremder mit Vorsicht den Ureinwohnern zu nähern. Allzu schnell wird man als Eindringling wahrgenommen, die Bürgerwehr wird rekrutiert und bevor man sich versieht, wird man mit Mistgabeln und brennenden Pechfackeln aufs Feld gejagt. Alleine dadurch, dass wir in Pütz nicht mit dem Traktor einfahren, machen wir uns schon verdächtig. In solchen Fällen geben wir uns immer als Ornithologen aus, die auf der Suche nach seltenen Vögeln sind. Davon gibt es in Pütz einige.

Es ist still geworden in Pütz, seitdem Lilli Marlen nicht mehr unter uns weilt.

Unser Weg führt uns zur Kapelle St. Nepomuk, die in all ihrer neugotischen Pracht erstrahlt. Wir sind ja beide römisch-katholisch geprägt, wurden von Mosignore Lange unter die Fittiche genommen und der eine ins Messdiener-Gewand und der andere in den Kirchenchor gesteckt, aber bei Nepomuk denken wir trotzdem an Hallo Spencer. Die Älteren werden sich bestimmt erinnern, den Jüngeren sagen wir mal wieder: „Ihr habt eine Menge verpasst, Freunde.“

Die Hochstraße wird zur Nepomukstraße und schließlich zum Feldweg, der von ein paar kleinen Häuschen gesäumt wird. Hier zeigt sich sehr schön, zu welchen architektonischen und gestalterischen Meisterleistungen der Mensch fähig ist, wenn man ihm einfach freie Hand lässt. Ein liebendes Paar hat sich neben dem Hauseingang einen kleinen, komplett verglasten Austritt errichtet, auf dem sie nun ein spätes Frühstück genießen. So viel Gefühl auf nur zwei Quadratmetern lässt unsere Herzen höher schlagen.

Ganz egal, in welche Richtung man in Pütz geht, irgendwann befindet man sich auf freiem Feld. Diese Erfahrung machen wir an diesem Sonntag gleich mehrmals. Mal laufen wir zwischen Pferdekoppeln entlang, auf denen die Zossen die Köpfe mit Jutesäcken verhüllt haben, mal passieren wir einen Kartoffelacker, auf dem noch zahlreiche Feldfrüchte zu finden sind und unser Mittagessen damit gesichert ist.

Nicht im Bild: Inka Bause und das gesamte Team.

Irgendwann landen wir in der Laubenstraße, die ihren Namen der -neben der Nepomuk-Kirche- zweiten Sehenswürdigkeit von Pütz zu verdanken hat. Hier thront die jahrhundertealte Taxuslaube, die schon von Friedrich III. besichtigt wurde. Wahrscheinlich wird er ähnlich unterwältigt gewesen sein wie wir. Ist halt ein Baum, aber wem es gefällt…

Pütz hat derzeit 311 Einwohner. Außer den beiden, die in ihrem Aquarium gefrühstückt haben, konnten wir keinen entdecken. Es gibt auch wahrlich nicht viele Gründe, das Haus zu verlassen. Das letzte Mal kamen die Menschen des Dorfes wohl zusammen bei der Hexenverbrennung. Der Fall der Mutter Jechen, die als Hexe verleumdet, gefoltert und schließlich hingerichtet wurde, ist historisch verbürgt und zeigt rund 550 Jahre später noch ganz eindrücklich, wohin Paranoia und Hetze führen können. Viele tragen diese effektvollen Werkzeuge ja auch heute wieder im Gürtel.

Das örtliche Kosmetik- und Haarstudio wirkt einladend und freundlich.

Zurück zu Pütz. Wir haben alles gesehen und man muss ehrlicherweise festhalten, dass alles soweit ganz in Ordnung war. Außer ein paar Orchideen im Wohnzimmerfenster und ein paar fragwürdigen Hausanstrichen konnten wir keine dramatischen Beleidigungen fürs Auge feststellen. Ja, der verglaste Austritt von Horst und Dagmar war fragwürdig, aber wenn die beiden doch Spaß daran haben?! Pütz ist vielleicht die Reiswaffel unter den Orten des Rhein-Erft-Kreises. Kann man mal machen, tut nicht weh, prägt sich aber auch nicht ein. Ein guter Wiedereinstieg.

Stiller Protest gegen Robert Habeck und seine Partei.

Wir sprachen über:

  • Das Sommerinterview einer Schweizerin, die seit über 20 Jahren mit einer Frau zusammen ist. Mehr Raum wollen wir diesem Wesen an dieser Stelle nicht geben.
  • Die herannahende Premiere der Miniserie Club las Piranjas. Wir freuen uns drauf, haben aber auch gleichzeitig ein wenig Sorge. Bald werden wir mehr wissen.
  • Unseren vergangenen Ausflug in das Wunderland Kalkar, der wie die Besichtung der betongewordenen Depression war. Vielleicht schreiben wir an diese Stelle auch mal darüber.

Ohrwurm des Tages

  • Zunächst schmettert uns Dean Martin „Volare“ entgegen und wir singen begeistert mit.
  • Dann aber kommt der gute Engelbert um die Ecke und präsentiert uns ein Lied, das bis jetzt komplett an uns vorbeigegangen war. „Les Bicylettes de Belsize“. Wie der Schreiber dieses Textes im Nachhinein festgestellt hat, gibt es wohl eine französische und eine englische Version des Liedes, das zum Soundtrack des gleichnamiges Filmes gehört. Auf der Fahrt wunderten wir uns noch, warum die Titelzeile der einizig französische Teil des Liedes ist. Bei Engelbert ist alles möglich. Wir laden hiermit ein zum Walzer:

Ziemlich zerrüttet: Zieverich

Wie sang Schlagerbärchen Andy Borg noch 1989? „Es war Sonntag“. Ja, es ist mal wieder Sonntag als wir frohen Mutes in Richtung Zieverich aufbrechen. Zieverich gehört wie Kenten zur Kreisstadt Bergheim, verdient aber einen extra-Besuch und eigenen Artikel. So unser Glaube. Ein Irrglaube, wie sich mittlerweile herausstellt. Dafür wissen wir nun, wo man des morgens Kaffse draußen nicht im Kännchen, sondern direkt in einer stattlichen Kanne bekommt. Ist auch was wert.

Atlantis „Stargate“ – B-Version

Der Fahrer des heutigen Tages parkt seinen Truppentransporter in der Banlieue des hiesigen Wohnparks, fußläufig zur DER Sehenswürdigkeit des zweiterfolgreichsten Sohnes der Stadt: Dem „Lukas Podolski“-Mausol…äh…Sportpark! Gönneröser Weltmeister, der er ist, hat „der Lukas“ nie vergessen, wo er herkommt und hier eine Beschäftigungs- und Verweilstätte auch für Heranwachsende errichten lassen. Sehr zu unserer Verwunderung ohne Installation einer „Mangal Döner“-Filiale. Sattgrün leuchtet das Grün des Platzes, gepflegt, dass man fast geneigt ist, den Golfschläger rauszuholen.

Skandal: Weit und breit kein „Mangal Döner“

Jetzt mag sich der ein oder die andere fragen, wer denn nun der erfolgreichste Sohn der Stadt Bergheim bzw. des Stadtteils Zieverich sei. Nun, wir sagen an dieser Stelle nur: „Adios Amor“, „Die berühmten drei Worte“ und „Angelo Mio“. Deutschlands beliebtester Sänger mit Teppichflorfrisur, der Godfather of „Klatschen auf die Zwei“, der menschgewordene „Lilalaunebär“: Andy Borg! Geboren im eher minderschönen Wien hört er eigentlich auf den Namen Adolf Andreas Meyer. Er hat dann aber schnell erkannt, dass einem österreichischen Staatsbürger mit Vornamen Adolf in Deutschland (West) nicht mehr unbedingt alle Türen offen stehen und sich umbenannt.

Zieverich: Kein Ort für Analphabeten

Zieverich zeichnet sich wie viele andere Stadtteile der Kreisstadt Bergheim dadurch aus, dass scheinbar alle Stadtplaner wegrationalisiert worden waren. Niemand, der sagt: Lasst das mal lieber, sieht Kacke aus! Und so formieren sich hanebüchend hagere Hochhäuser neben ebenholzfarbenen Einfamilienhäusern. Die Straßen sind mal schmal wie die Taille der jungen Sophia Loren, mal ausladend wie ein mittlerer us-amerikanischer Highway. Dazu wird sehr häufig darauf hingewiesen, dass Müll und Schutt (Unrat) abzuladen verboten sei – einzig: Viele halten sich nicht daran.

Wenn das doch nur das einzige Problem wäre…

Die knapp 5000 Einwohner eint aber, so scheint es, die Vorliebe für anonyme Hochhausschluchten und steinernde Vorgärten der Kategorie „Insektentod“. Nach Hürth ist dies nun der zweite Ort, der sich bei der Parkplatzgestaltung amerikanische Motels zum Vorbild genommen hat. Motto: Ich muss vom Küchentisch aus den Kofferraum meines SUVs öffnen können und beim Einschlafen die wohlige Wärme des Zwölfzylinderauspuffs spüren! Stark.

Don’t push the red button

Wer des abends oder auch des nachmittags (viele Ortsansässige genießen hier den Luxus ausufernder Tagesfreizeit) kulturell etwas erleben möchte, der ist hier leider vergebens auf der Suche. So heißt es unter dem Abschnitt „Kultur“ bei Wikipedia:

„Bedingt durch die Nähe zur Bergheimer Innenstadt ist Zieverich arm an eigenem Kulturleben.“

Wikipedia
Ein Bild, das riecht

Das Schöne am Rheinland sind ja seine lange Zivilisationsgeschichte bis zurück ins Römische Reich, seine Burgen und Schlösser, die allgegenwärtige Geschichte in den Bauten und Denkmälern. Nicht so in Zieverich. Wir zitieren erneut:

„Zieverich ist trotz langer Geschichte arm an Baudenkmälern.“

Wikipedia
Spiderman hat Pech – alle Rollläden sind unten

Wen also mal die Sehnsucht nach einer Gegend ohne allzuviel aufregendes packt, wer gerne ebenerdige, weite Straßen mag und zudem echter Fan des erfolgreichsten deutschen Fußballers und Dönermogul in Personalunion ist – dem sei ein Ta…eine Stunde in Zieverich empfohlen.

Wieder 30 Pfennig verschleudert

Wir sprachen über:

  • das unrühmlich-siechende Ende einer einst erfolgreichen deutschen Politittalkshow.
  • die Tatsache, dass nicht jede Konzertbesucherin von älteren Herren „beglückt“ werden möchte
  • anstehende Sommerreisen zum Durchlüften unseres geistigen Seins

Ohrwurm des Tages

„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur“ ist oft genug das Motto unseres Sonntags-Sender des schadhaften Lächelns. Diesmal genießen wir ein Frühwerk unserer spätberufenen Lieblingsheilpraktikerin Juliane Werding. Es entstand irgendwann nach dem Vorausgehen eines gewissen Conny Kramers, dem auch mit Placebo-Zuckerkügelchen nicht mehr zu helfen war:

Laut, fröhlich, ausgelassen wird eine Rückfahrt wenn die Stimmungsgranaten von Ottawan loslegen und auf dem dritten Bildungsweg das Buchstabieren erlernt haben:

Folgendes Lied vernahmen wir leider nicht über „Absolut Bella“. Aber es passt hierhin. Aus Gründen. Wer das nicht checkt – noch mal zurück auf Los! Und keine 4000 Mark einziehen.

Borr ey, da legst di Nieder(berg)!

Der Rhein-Erft-Kreis ist mit seinen rund 472.000 Einwohnern der neuntgrößte Kreis Deutschlands. Hier findet sich wirklich für alle der perfekte Ort zum Leben. Wer gute Verkehrsanbindung und Infrastruktur zu schätzen weiß, zieht am besten nach Brühl, Hürth und vielleicht noch nach Pulheim. Wer hingegen ein Leben in Stille jenseits der Zivilisation bevorzugt, wird sich sicherlich für die beiden Orte interessieren, die wir zuletzt erwandert haben. Borr und Niederberg gehören beide zu Erftstadt, muten eigentlich aber eher an, als hätte ein Traktor auf dem Weg in die Eifel etwas fallengelassen, was dann jeweils zu einer eigenständigen Siedlung heranwuchs.

Symbolbild

Mit unser Wanderung starten wir in Niederberg. Derjenige von uns, der die heutige Tour nicht ausgesucht hat, verbindet mit diesem Weiler eher traumatische Erfahrungen, zu denen er sich an dieser Stelle nicht weiter äußern mag. Nur soviel: Seitdem weiß er, dass eine Tätigkeit als Witwentröster nicht infrage kommt. Zurück zu unserem Ausflug. In Niederberg ist es gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden. Das liegt vor allem daran, dass man nicht auszumachen vermag, was hier Straße und Feld ist und ob man hier überhaupt der Straßenverkehrsordnung unterliegt. Wir stellen den weißen Hybrid-Hai einfach dort ab, wo schon andere Wagen stehen und hoffen das Beste. Ziemlich schnell müssen wir erkennen, dass Bürgersteige hier als nicht ganz so wichtig erachtet werden. Wahrscheinlich rechnet man nicht damit, dass hier irgendwas per pedes erledigt wird. Wo soll man auch hingehen? Hier ist ja nichts. Stimmt nicht ganz; Es gibt zwei Kirchen, eine davon mit angeschlossenem Friedhof (wer noch auf der Suche ist: Hier ist viel Platz!), ein Gemeindehaus, auf das wahnsinnig viele Schilder den Wandersmann aufmerksam machen, acht Zigarettenautomaten und eine Bushaltestelle. Herz, was brauchst Du mehr?!

Wir beginnen unsere Wanderung in der Bleistraße und folgen ihr bis wir genau zwischen den beiden Kirchen des Ortes stehen. Rechts von uns liegt etwas versteckt der frühromanische Sakralbau „St. Johannes Enthauptung“, der aber heute kaum noch zu kirchlichen Zwecken genutzt wird. Vielleicht, so stellen wir uns vor, kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Marketing-Agentur auf den Trichter, dass der Name gar nicht so einladend klingt, wie das vielleicht noch im 11. Jahrhundert der Fall war. So errichtete man genau gegenüber die neugotische Kirche „St. Johannes der Täufer“. Vom Bild her ist das eigentlich ganz schön: In Niederberg ist es vom Taufbecken bis zum Tod durch Dekapitation gar nicht so weit. Weder für Johannes, noch für sonst irgendwen. Viel schöner als die beiden Gotteshäuser ist aber das alte Pfarrhaus, das direkt neben der Enthauptungs-Kirche steht. Hier lohnt es sich, ein paar Minuten schweigend und staunend zu verharren. Wenn man ganz großes Glück hat, kommt die Besitzerin raus und erzählt, wie stolz sie auf ihr Heim ist.

Wir ziehen weiter durch die bürgersteiglosen Straßen von Niederberg. Die Vorgartengestaltung hier ist vielseitig und bietet vor allem Freunden von Glaskunst ein buntes Panoptikum. Aber auch, wer ein Connaisseur von Skulpturen, Gartenzwergen und lustigen Maskottchen ist, kommt hier auf voll auf seine Kosten.

Die Installation „Biena Maja weint“ ist weit über die Grenzen Niederbergs bekannt.

Wer in Niederberg wohnt, weiß die Zurückgezogenheit zu schätzen. Der Ort ist ein Paradies für Einsiedler, Schweigemönche und Serientäter. Nur wenige Fremde verirren sich in den Gassen und so bleibt unser Besuch nicht unbeobachtet. Immer wieder werden Rolläden wahlweise heruntergelassen oder heraufgezogen, Fenster geöffnet oder geschlossen und diverse Hunde vor die Tür geschickt. Wir fallen auf hier, riechen anders als die Einheimischen. Unser Gang ist fremd, wir kennen die hiesigen Gebräuche nicht und wecken daher Skepsis und Misstrauen. Nachem unsere Versuche, unter dem Radar zu bleiben, gescheitert sind, gehen wir in die Offensive. Ohne lange zu überlegen, stimmen wir Pocahontas Arie „Kannst Du malen wie das Farbenspiel des Winds“ an und singen vor allem die Zeilen „Fremde Erde ist nur fremd, wenn der Fremde sie nicht kennt“ besonders laut. Das scheint für allgemeine Beruhigung zu sorgen.

Simba hatte sich für den Ruhestand lediglich ein schattiges Plätzchen gewünscht.

Bis ins Jahr 1968 hatte Niederberg eine eigene Schule, deren Schülerinnen und Schüler auch dafür sorgten, dass so manches Geschäft ein einträgliches Einkommen hatte. Für die Lehrpersonen hingegen war die Dorfkneipe da. Schließlich musste man sich in den Freistunden irgendwie beschäftigen und so ein Pegel hält sich auch nicht von alleine. Mittlerweile sind Schule, Geschäfte und Kneipe geschlossen und wo einst die Lehranstalt war, befindet sich heute das Dorfgemeinschaftshaus, in dem man sich zum Stammtisch trifft, gemeinsam Kultur erlebt und an Lachyoga-Workshops teilnimmt. Außerdem finden hier regelmäßige Kinovorführungen statt. Wenn Pocahontas läuft, kommen wir auf jeden Fall wieder.

Kinder können hier noch sicher in den für sie markierten Arealen spielen.

Auf dem Weg zum Auto passieren wir einen Kaugummi-Automaten, an dem der eine von uns unmöglich vorbeigehen kann. Die eingeworfenen 20 Cent schluckt der Kasten allerdings, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Das sind die Momente, in denen es besonders wichtig ist, die Contenance zu bewahren. Wer weiß, was hier sonst los ist, wenn hier jemand anfängt zu randalieren und das verdammte Drecksding von der Wand reißt? Wir sehen es also als Spende für die Gemeinschaft und gehen weiter unserer Wege. Kurz werfen wir noch einen Blick auf die Burg Niederberg, die tief im Tal liegt. Heute befindet sich dort die Ranch of Trust. Wäre auch ein schöner Name für einen Swinger-Club, aber hier wird dem Pferdesport gefrönt. Wir satteln dann auch mal unseren Schimmel und fahren nach Borr.

Hier begrüßt uns direkt der Ortsfriedhof, der nur wenig größer als eine Minigolf-Bahn ist. Die wenigen Grabsteine lassen uns denken, dass die meisten Menschen hier miteinander verwandt sind. Ansonsten lässt sich festhalten, dass hier wenig Wert auf übermäßige Gestaltung der Gräber oder gar der Wege gelegt wird. Wer flanieren möchte, ist hier nicht gut aufgehoben. Vielleicht aber im Rest des Ortes. Die Informationsseite der Stadt Erftstadt lässt uns wissen, dass Borr mittlerweile eine Kanalisation hat, was uns aufrichtig freut. Da es hier auch kaum Bürgersteige gibt, mögen wir uns nicht vorstellen, wie es vor Kurzem noch war, als die Nachttöpfe einfach morgens durch das offene Fenster entleert wurden. Schön, dass Borr in der Neuzeit angekommen ist.

Oben rechts wohnt der Glöckner.

Im Zentrum des Ortes liegt die Kirche St. Martinus. Die dort untergebrachte Orgel zählt 508 Pfeifen und überragt damit die Einwohnerzahl um über 30 Prozent. Auch hier ist das schönste Gebäude das ehemalige Pfarrhaus, das sehr pittoresk am Nordrand gelegen ist und heute eine Kindertagesstätte beherbergt. Dort hat auch der Verschönerungsverein eine kleine Wandelroute angelegt, die wir aber in fünf Minuten hinter uns gebracht haben. Es ist ganz so, wie es bei Wikipedia nachzulesen ist: „Borr/Scheuren bietet eine ruhige Wohnlage. Der Ort ist in den letzten Jahrzehnten nur wenig gewachsen. Einige alte Häuser stehen unter Denkmalschutz.“ Um es anders auszudrücken: „Wenn du reinfährst, bist du schon wieder draußen.“

Daneben wohnen die Familien Digga, Otto, Opfer und Keule.

Nachdem wir alles, aber auch wirklich alles gesehen haben, trotten wir zum Auto zurück, singen noch einmal den Pocahontas-Song und fahren nach Hause.

Wir sprachen über:

  • Moulin Rouge, das Musical. Einer von uns war da und ist etwas ratlos. Das Publikum spendete Standing Ovations, aber so richtig nachvollziehen kann man es nicht. Nicht jedes Lied lässt sich ins Deutsche übersetzen, ganz egal, wie sehr man es zwingt.
  • Witwen, die schon Ausschau nach dem nächsten Liebhaber halten, obwohl der verblichene Gatte noch nicht unter der Erde ist.
  • Angemessene Preise für ein Croissant mit Butter und Marmelade. Wir finden, dass 5,50 € ein wenig zu hoch angesetzt ist.

Ohrwurm des Tages:

  • Zum einen eben „Das Farbenspiel des Winds“. Zugegeben, man muss wissen, was die gute Jennifer da singt. Das Video zeigt aber nicht nur Frau Rush, die ja eigentlich Heidi Stern heißt, sondern auch zu Beginn den großartigen Dirk Bach als „Flora, die Fledermaus.“ So schön.
  • Absolut Bella gräbt mitunter Leichen aus, die vielleicht besser niemals mehr ans Tageslicht gekommen wären. Erinnert sich noch jemand, wie uns in den 80er und 90er Jahren Rondo Veneziano in die Ohren geprügelt wurde und jeder Schiffschaukelbremser auf einmal feststellte, dass klassische Musik doch ganz geil ist.

Hürths ABC-Inseln

Wer braucht Aruba, Bonaire oder Curaçao – wir verbringen einen sonnigen Sommersonntag in Alstädten-Burbach im ehemaligen Canton Bruehl. Doch letzterer ist nach Napoleons Wirken im Rheinland längst Geschichte, gehört der schmucke Schlupfwinkel doch nun zur Stadt Hürth. Wie aus zwei Orten, einer wurde, wo der Garten Eden wirklich ist und welcher Coiffeur die beste Bikinimode bietet – Sie erfahren es in den folgenden Zeilen.

Zu Ehren der fruchtbaren Heiligen

Wir starten unseren ausufernden Ausflug an der katholischen Kirche St. Maria am Brunnen. Das erscheint uns ein spritziger Start für diesen Tag, fernab der Heimat. Unser schulbusartiges Gefährt stellen wir an der Jabachstraße ab, leider war an der Neinflussstraße kein Parkplatz mehr zu finden. Die Kirche St. Maria am Brunnen zeichnet nicht nur die makellose Maria im Namen, sondern auch noch einen – zumindest in unserer Vorstellung – imposanten Brunnen. Wie so oft aber bei phallusartigen Phänomenen liegt auch hier die Größe im Auge des Betrachters. Manchmal ist weniger einfach weniger. Aber das soll unsere selbstzufriedene Stimmung nicht weiter stören, entdecken wir doch nur wenige Schritte entfernt bereits das Paradies. Es bleibt biblisch.

Jenseits von Eden ist‘s Klein

Der Garten Eden ist in unseren frommen Vorstellungen jahrzehntelang eine amouröse Apfelplantage gewesen, die von allerlei Schlangengetier bevölkert ist und in dem ein notorisches Nudistenpaar sich seiner willigen Wollust hingab. Mitnichten. Seit Alstädten-Burbach sind wir eines besseren belehrt und wissen, dass das Paradies eine Wellnessboutique neben der Bäckerei „Klein“ ist, die gerne auch prächtige Pediküren anbietet. Die nur gut dreieinhalbtausend Einwohnerinnen und Einwohner dieses Doppelortes könnten also fantastisch formierte Füße ihr Eigen nennen. Famos!

Wetten, dass wir noch mehr Rechtschreibfehler und grauslige Bilder parat haben

Alstädten-Burbach bestand einst, und das dürfte viele Lesende überraschen wie der Waschbär ein nacktbadendes Pärchen am Bleibtreusee, aus gleich zwei Orten. Aus Alstädten und (Potzblitz!) Burbach. Letzterer soll der ältere Ort sein, wurde aber erst 1233 das erste Mal urkundlich erwähnt. Im Tal des Burbachs gelegen, der in der Banlieue mehrere Mühlen bediente, war der Ort jedoch zweigeteilt. Ein Teil gehörte zu Gleuel, der andere zum Amt Lechenich. Es war der kurkölnische Kantonskanonier Karl Ransaier, der einst versprach, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu bauen. Das ist dann auch nicht geschehen, einfach weil nicht genügend Handwerker aufzutreiben waren, außerdem hatte der örtliche „Praktiker-Markt“ zwar mit „20% auf Alles“ geworben, im Kleingedruckten aber Steine, Mörtel und Zement von dem Angebot ausgenommen.

Die anderen elf hatten halt keine Bikinis im Salon

Alstädten dagegen bestand einst eigentlich nur aus einer Ansammlung geselliger Gehöfte, deren Chief Commander irgendwann des Düngens überdrüssig wurde und lieber das braune Gold unter seinen Ländereien ausbeuten ließ. Als alle Braunkohle ausgebuddelt war, suchte er dann das Weite und wurde Südseekönig in einem weit entfernten Land (der Sage nach). Heute erinnert wenig an jene Zeiten, beide Orte sind vereint, gehören zur Stadt Hürth und erfreuen sich reger Zuwanderung all jener, die festgestellt haben, dass Wohnen im benachbarten Köln mittlerweile teurer geworden ist als ein Monatszimmer im Laufhaus an der Hornstraße.

Für Fakire, Masochisten und Schwebebalkenfans

Wir folgen der Hermühlheimer Straße und biegen alsbald in die Stotzheimer Straße ein. Beides Hürther Stadtteile, die wir bereits besuchen mussten. Die Erinnerungen daran lassen uns heute noch des nachts aus dem Schlaf hochschrecken. Das Ende der Stotzheimer Straße stadtauswärts ist eigentlich kein Ende, zumindest keines ohne Schrecken. Wer des abends locker mit Tempo 230 in seinem pastellmetalligen 3er BMW einen gemütlichen Ausritt wagen möchte, der erlebt ein standfestes Wunder. Die Straße ist letztendlich nur für bolidige Busse und Menschen mit Fernbedienung für einen potenten Pöller passierbar. Ansonsten endet die Fahrt jäh und unangenehm. Zu lange möchte man dort generell nicht stoppen – alleine aus Angst vor marodierenden und brandschatzenden Besuchern des nahen „Otto-Maigler-Sees“.

„Nein! Du kommst hier nicht raus!“

Überrascht hat uns die schiere Größe dieses durchwachsen drolligen Doppelortes. Immer wieder bieten sich uns wahrlich wunderbare Wege und weitschweifig-wohlfeile Wohnbebauungen. Alstädten-Burbach bietet auch ohne all zu viel Nahversorgungsmöglichkeiten Lebensqualität und Orte der Entspannung. Hier kann man wohnen, muss es nicht, aber könnte.

Die kloane Tür zum Paradies findt ned jeder

Ohrwurm des Tages

Mittlerweile ist es fast schon so, dass wir uns mitunter auf die Fahrten in diese weit-entlegenen Gemarkungen des Rhein-Erft-Kreises freuen, auch weil uns der Sender des schadhaften Lächelns, „Absolut Bella“ im Autoradio immer wieder zu überraschen vermag. Diesmal entführt uns die Playlist 45 Jahre zurück. In eine Zeit, in der sehr, sehr viel Pomade im Haar, sehr enge Lederjacken und noch engere Hosen en vogue waren. John Travolta schmetterte einst, noch 50 Kilo leichter) für den Musicalfilm „Grease“ die herzzerreißende Ballade an eine ostdeutsche Friseurazubine, die heute noch zu Tränen rührt:

Oh, Sandy, baby
Someday, when high school is done
Somehow, someway, our two worlds will be one
In heaven forever and ever we will be
Oh, please say you’ll stay,
Oh, Sandy

Texte, wie es sie heute kaum noch gibt. Herrlich.

Menschen unserer Generation sind ja noch mit der ZDF-Hitparade aufgewachsen, die damals sonnabends ein morbides Sprungbrett in den Sonntag bot. Alt-Moderator Dieter Thomas Heck hatte längst das Studio in Berlin verlassen, widmete sich lieber „Melodien für Millionen“ und ein gewisser Viktor Worms, Abbild des deutschen „Herr Lehrer, ich weiß was-Hänflings“ hatte kurzzeitig die Sendung okkupiert. Wir sehen ihn hier ganz kurz, wie er die jeanstragend-joviale Ur-Bayerin „Nicki“ ankündigt. Ihr größter Hit war freilich, die Älteren haben nun einen Ohrwurm, „I bin a bayrisches Cowgirl„. Wir aber bekommen von „Absolut Bella“ den B-Song „Wegen Dir“ um die Ohren gehauen.

Der Beweis dafür, dass nicht nur in „Rosis Swingerstübchen Kaldenkirchen“ alles geht, nichts muss, liefert uns der „Absolut Bella“-Musikcomputer auf der Rückfahrt. Der unvergessene Pat Boone erleichtert sich am Beach, genießt dabei sein kindliches Gemüt und führt den Pullermann so, dass etwas im Sand entsteht. Toll!

Ach je, Ahe.

Wir erfüllen Wünsche

Seit genau zwei Jahren sind wir nun in der Tiefebene des Rhein-Erft-Kreises unterwegs und anscheinend gibt es da draußen wohl Menschen, die unsere kleinen Berichte zur Kenntnis nehmen. Die meisten davon schönerweise wohlwollend, aber hin und wieder erreicht uns auch eine erboste Email von Stammesangehörigen aus irgendeinem gottverlassenen Winkel, den wir kurz durchstreiften (Hallo Uschi!). Es kommt sogar vor, dass Menschen hinsichtlich unserer nächsten Tour Wünsche äußern. So lag es einer Dame ganz besonders am Herzen, dass wir ihre alte Heimat bereisen. Um ganz ehrlich zu sein, waren wir beide felsenfest davon überzeugt, dort schon gewesen zu sein, aber die Aufzeichnungen des Kapitäns zeigten ziemlich schnell, dass die Erinnerung trügt. Wie schon der liebe Gott, der gute Geschmack und die Zuversicht hatten auch wir Ahe einfach übergangen. Das stimmte uns so traurig, dass wir diesen Fehler umgehend ausmerzen wollten. Danach waren wir allerdings auch nicht glücklicher und das ist alleine Ahes Schuld. Doch der Reihe nach:

Den meisten Menschen ist Ahe nur als Durchfahrtsstraße mit ein paar Häusern links und rechts des Weges bekannt. Lässt man die Augen während der Autofahrt eine Zehntelsekunde geschlossen, brettert man über den kleinen Kreisverkehr in der Ortsmitte und, wenn man nicht aus der Kurve direkt auf den Friedhof getragen wird, ist man dann auch schon wieder am Ortsausgang. Dabei gäbe es so vieles, für dass sich ein Halt lohnt. Zumindest sagen das die Menschen aus Ahe. Wobei wir eigentilch gar nicht so sicher sind, ob man hier so wahnsinnig versessen darauf ist, intelligentes Leben von außerhalb zu empfangen.

Ortseingang Ahe. (Symbolbild)

Ein Ahe ist ein Ahe ist ein Ahe.

Schon immer ranken sich wilde Gerüchte um den Ortsnamen des Weilers. In umliegenden Ortschaften munkelt man, dass der Name Ahe zurückgeht auf einen Satz der Erkenntnis, was die Defäkation eines Säugetieres der Gattung Canis lupus familiaris angeht, oder einfacher ausgedrückt: „A, he hät der Hungk jedrisse.“ . Menschen mit Geschichtswissen oder aber jene, die bei der Gründung des Ortes dabei waren, wissen, dass Ahe auf das indogermanische Wort „Aha“ zurückgeht. Dies steht These eins ja gar nicht so sehr entgegen. Wenn man aber weiß, dass „Aha“ schlichtweg „Wasser“ bedeutet, ist das zwar erhellend, aber irgendwie auch ziemlich langweilig. Dabei könnte man aus Ahe (also dem Namen, für den Ort sehen wir schwarz) so viel schönes machen. Es könnte stehen für „Alter Helden Einsiedelei“, „Arg häufiger Eiter“, „Ach, herrlich eng“ oder „Aller Hoffnung Ende“. Sicherlich kommen da noch ein paar andere Assoziationen auf.

Oder so.

Kein Weg führt aus Ahe heraus

So kurz wie der Name sind in Ahe auch die meisten Straßen. Wir parken die schneeweiße Kutsche in der Straße „Im Kleinfeldchen“, die wahrscheinlich so heißt, weil sich an ihrem Ende ein kleines Feldchen befindet. Sie mündet an ihrem nördlichen Ende in einem kleinen Pfad, bei dem man zunächst nicht sicher ist, ob man ihn betreten darf oder nicht. Man weiß ja nicht, wie die Bevölkerung hier auf zwei fremde, frische Burschen, die aufrecht durch die Gassen laufen, reagiert. Vorsichtig gehen wir weiter, passieren fragwürdige Bauten und Schottergärten und finden uns anschließend in Ahes ältestem Teil wieder. Einem Hufeisen gleich windet sich die Straße „Klosterhütte“ um Häuser, an deren Stelle früher vermutlich mal ein Hof gestanden haben muss. Von hier aus gelangen wir direkt zur Erft, die eine der wenigen Konstanten unserer bisherigen Wanderungen ist. Mal ist sie breit und verhältnismässig wild, mal ist sie nur ein Rinnsal.Hier fließt sie relativ friedlich die Gestade entlang, scheint sich auch ein wenig zu beeilen, um nicht allzu lange verweilen zu müssen. Wir folgen einem Stück ihrem Weg und finden uns schon bald am Ende des kleinen Weges wieder. Wir überqueren eine kleine Wiese und stehen dann vor den Ertüchtigunseinrichtungen der SG Ahe 1929 e.V. .

Gedenktafel für den Abdecker Karl Prengelsmann.

Über „In den Benden“ geht es in die „Sindorfer Staße“. Dort laufen wir am denkmalgeschützen „Haus Eller“ vorbei, in dem sich das Pianomuseum befindet. Wir rufen: „Ein Klavier, ein Klavier!“ und gehen weiter, bis auch diese Straße endet. Diesmal finden wir uns auf einem Acker wieder und da wir beide heute nicht das richtige Schuhwerk tragen, schwenken wir um und biegen bei der nächsten Gelegenheit in den „Huppertstaler Weg“ ein.

Wer etwas auf sich hält, legt sich ein Gefährt zu, das zum Hauttyp passt. Wie wäre es zum Beispiel mit Modell „Lehm“?

Vom Tod zu T.o.T.

Wir machen einen kurzen Abstecher auf den Friedhof, der alles in allem ein wenig lustlos am Ortsende vor sich hindümpelt. Konsequenterweise hat man auch hier keinen Wert auf Weggestaltung gelegt und auch sonst ist es kaum zu glauben, dass irgendwer sich hier Gedanken über irgendwas gemacht hat. Bei mehr als zwanzig Trauergästen kommt der Parkplatz an die Auslastungsgrenze, so dass wir die Anreise mit Fahrrad, Muli oder Hoverboard empfehlen.

Wir überqueren die Laacher Straße und befinden uns schon bald auf dem Gelände des legendären Wohnparks Ahe. Leider hat es die Anlage im Jahr 2017 zu trauriger Berühmtheit gebracht und so manches Printmedium hat sich nicht entblödet, den Begriff „Todes-Wohnpark“ zu kreieren, aber wie singen die Ärzte so schön? „Angst, Hass, T**ten und Wetterbericht“. Der Wohnpark besteht aus insgesamt 39 Gebäuden und wurde in den Jahren 1968-1974 errichtet. Damals waren solche Konzepte eine ganz heiße Nummer und aus allen Himmelsrichtungen zogen die Menschen freiwillig auch hier nach Ahe. Heute lässt sich nicht mehr richtig nachvollziehen, wovon genau die Leute begeistert waren. Ist es die Tatsache, dass man der Nachbarin morgens schon die Hände zum freundschaftlichen Gruß über die Balkonbrüstung reichen kann oder doch eher der Fakt, dass sich hier Essens-Gerüche aus 48 Nationen zu einem ganz neuen olfaktorischem Erlebnis mischen? Vielleicht ist es die Art, wie man hier das Leben und die Endlichkeit gleichzeitig feiert.

Drinnen herrschte Grabesstille

Wir schlängeln uns weiter durch den Wohnpark, hören aus dem einen Fenster Klarinettenspiel und aus dem nächsten Rex Guildos Gesang. Irgendwo streiten zwei Menschen in einem uns fremden Idiom und wieder ein paar Meter weiter erfüllt der Geruch von Gulasch die Luft. Alles erinnert ein wenig an Urlaub in den 1980er Jahren.

Bald schon finden wir uns in Ahes neuestem Wohngebeit wieder. Wie zum Hohn hat man den Straßen dieser Betonwüste die Namen von Wild- und Wiesenblumen verpasst. Gefühlt ist es hier drei Grad heißer als im Rest des Ortes und im direkten Vergleich erscheint uns der Friedhof auf einmal als belebt. Je länger wir diese steinerne Trostlosigkeit durchwandern, desto mehr vermissen wir den Wohnpark. Wir trotten noch ein wenig lustlos durch die Gegend, laben uns an den unterschiedlichen Variationen von Grau und versuchen dann, dieser Anlage wieder zu entkommen. Ahe bleibt sich ein weiteres Mal treu und alle Wege führen ins Nichts, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als einmal mehr umzukehren. Sei’s drum.

Auf dem Weg zurück begegnen uns zwei Menschen, die das passende Gesicht zum Neubaugebiet haben. Mit ausdruckslosen Mienen kommen sie uns entgegen, scheinen uns nicht mal wahrzunehmen. Vielleicht liegt das auch an den Wollmützen, die die beiden tief ins Gesicht gezogen haben. Irgendwie hat man das Gefühl, diese Menschen sind seit Wochen unterwegs, sind durch Wind und Schnee gewandert und suchen nun nach einer Bleibe. „Geht nicht weiter!“, möchten wir ihnen zurufen, „Dort erwartet Euch der Tod durch Langeweile.“ Vielleicht ist es aber auch genau das, wonach die beiden suchen. Wir werden es nie erfahren, denn schon bald erreichen wir ein kleines Feld, in dessen Nähe unser Auto steht.

Fenster war zu.

Wir sprachen über:

  • den anstehenden Besuch des Musicals Moulin Rouge. Einer von uns war voller Vorfreude, sollte aber schon bald enttäuscht werden.
  • Christian Steiffen und seine Karriere. In den Medien findet er kaum statt, füllt aber problemlos das Kölner Palladium.
  • Freizeitparks. Das Phantasialand ist nicht mehr unser Lieblingspark, seitdem es unter anderem keine Jahreskarten mehr gibt. Efteling ist natürlich eine gute Alternative, aber leider etwas zu weit weg. Einer von uns war im Toverland und ist ganz angetan.
  • Die Krönung von King Charles. Während in anderen Ländern Rechtspopulisten über die Gefahren, die von Drag ausgehen, diskutieren, trägt hier ein Mann stolz Geschmeide, Juwelen und Umhang und zeigt, dass man noch aus jedem Prinzen eine Trümmertranse zaubern kann. Go for it, girl!

Ohrwurm des Tages

Es ist immer wieder überraschend, mit welchen Perlen unser Sonntags-Sender Absolut Bella um die Ecke kommt. Eigentlich ist nichts unmöglich, auch nicht diese Perle der ehemaligen Catwoman-Actrice Eartha Kitt. Gibt es noch jemanden, der direkt an französischen Weichkäse denken muss?

Auf dem Rückweg erfreuen wir uns an kölschen Tönen und singen lauthals mit.

Besser Blessem

Wenn man Abend zuvor eine gar ausschweifende Hopfengönnung vorgenommen hat und nun dennoch seinem Tagwerk nachgehen muss – dann sucht man am besten einen Ort aus, der keinerlei Herausforderung an Körper und Geist darstellt! Willkommen in Blessem. Lange schon steht dieser Ortsteil Erftstadts auf unserer Besuchsliste, aber aufgrund des verheerenden Hochwassers im Sommer 2021 ist ein Ausflug dorthin immer wieder aufgeschoben worden. Weite Teile Blessems waren überflutet, die zu einem beachtlichen Strom angewachsene Erft hatte kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Nun aber ist vieles wieder aufgebaut und vielleicht ja auch schöner als zuvor. Wir werden uns ein Bild davon machen.

Oft träumten wir von Coca Cola, Adidas und Mercedes – uns blieb das Westfernsehen

Wir parken unseren Kleinlaster nahe des örtlichen Friedhofs, der sich hinter einem schmiedeeisernen Tor mitten im Ort befindet. Ein Refugium der Stille, der teils sehr, sehr großen Familiengräber und der Gräber großer Patriarchen, die ihren Ehefrauen selbst nach dem Ableben den Vornamen verwehren, wenn auf dem Grabstein die Rede von Herrn und Frau Josef Hammerstein (o.ä.) ist. Wir verlassen jenen Ort alsbald wieder durch das schmiedeeiserne Tor, das uns an das Eingangsportal des Biest in der nahezu gleichnamigen Disney-Verfilmung erinnert und schlendern entlang der Straße „Auf der Steinhaage“. Eine herrliche Prachtstraße, die uns an die Sonnenallee Ost-Berlins erinnert – immer eine hohe Mauer im Blick. So muss das Auge nicht in die Ferne schweifen, so kann man sich ganz seinen (Flucht-)Gedanken hingeben. Nach einigen Metern im Schatten der Lärmschutzwand möchte man sich gleich noch mal den Richtbaum vom First schießen und den Rachen mit Destillat ausstatten.

Schnellster Weg zur Nordsee

Bedauerlicherweise endet die Straße mit der Mauer plötzlich und man steht wie die Hauptfigur in Michael Endes „Unendlicher Geschichte“ vor dem Nichts! Jetzt den ganzen Weg wieder zurückgehen? All das noch mal sehen, riechen, erleben müssen? Nein, das kann nicht die Lösung sein. Lieber orgeln wir uns noch mal einen in die Sakristei und testen, was unsere Leder-Mokassins auszuhalten vermögen. Querfeldein, durch Stock und Stein pfeifen wir fröhliche Wandermelodeien, dass Ilse Werner neidisch geworden wäre. Unser spontan neu gegründeter Wanderweg führt in Richtung Erft, die sich langsam durch die vorfrühlingshafte Tiefebene schlängelt, als sei nie irgendwas gewesen.

„150 Mann un ne Wasserdüker vöredraan…“

Irgendwann erreichen wir die von-Leibniz-Straße, gedenken kurz unserer Schulzeit und bewundern Schilder, die wir bislang noch nie zu erblicken vermochten. Was nur verbirgt sich hinter/unter einem „Wasserdüker“? Hier in Blessem ist eben jener extra ausgeschildert, ein Besuch scheint sich also zu lohnen. Wir überlegen und überlegen, fühlen uns wie bei „Genial daneben“ und suchen eine Antwort. Kurz bevor wir unwissend entschließen uns die Rinne zu verzinken und den Flachmann aufdrehen, finden wir die Antwort in diesem Internet:

Ein Düker ist eine Druckleitung zur Unterquerung einer Straße, eines Tunnels, eines Flusses oder von Bahngleisen etc. Die Leitung kann zum Beispiel eine Gas-, Abwasser- oder Trinkwasserleitung oder Öl-Pipeline sein. Sogenannte offene Düker nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren führen unter Zufahrten, Straßen, Flüssen, Wasserstraßen oder anderen den Wasserlauf behindernden Bauwerken hindurch.

Wilhelm Wikipedia

Wir sind froh wieder etwas gelernt zu haben. Sollte einer von uns einmal bei Jauch auf dem Stuhl sitzen, jene Frage zu hören bekommen, so wird er sich an diesen Tag in Blessem erinnert.

Zeit des Wiederaufbaus

Einer von uns hat Blessem beruflich bedingt zur Zeit der Flut häufiger besucht und ist überrascht, wie weit der Wiederaufbau bereits gediehen ist. Frei jedweder Ironie ist das wirklich bemerkenswert. Während weite Teile des Ahrtals noch in Trümmern liegen, hat sich in Blessem bereits viel getan. Hier und da sieht man noch den Stand des Hochwassers, die Markierungen an den Häusern und noch sind nicht alle Häuser, Stallungen und Wege wieder hergerichtet, aber ähnlich wie beim Gesicht Liz Taylors ist das eine Aufgabe, die Jahre in Anspruch nimmt.

Trend 2023: Toiletten wieder außerhalb des Hauses

Gut 1.600 Menschen leben noch in Blessem (Stand 03/2023). Deren Vorfahren besiedelten diesen Flecken Erde lange bevor große Eispanzer sie bedeckten: Zu der Jungsteinzeit, die Zeit, in der Jäger durch die Zauberkugel gegangen sind und als Bauern wieder herauskamen. Später siedelten dann wie allüberall im Rheinland die Römer auf Blessemer Boden. Damals konnten sie sich auch noch gepflegt einen hinter die Rüstung römern, heute sind Restaurationen rar gesät.

Bast, Bast, wir brauchen Bast!

Wir schlendern entlang der Frauenthaler Straße und lassen uns von dem Gesang der Krähen treiben. Wir sprechen über die Burg Blessem, deren Erweiterungsbauten das Hochwasser teilweise mit sich gerissen hat. Das stimmt uns traurig. So traurig, dass wir den Wunsch verspüren uns etwas Vollkornsprudel ins Feinkostgewölbe einverleiben zu wollen. Aber das hier ist weder der richtige Ort, noch die richtige Zeit für einen solchen Schritt.

Vorsorge ist Alles!

Am Ende bleibt zu sagen, dass Blessem es nicht leicht hat, man dort aber das Beste draus macht. Etwas vergessen liegt der Ort abseits der großen Durchgangsstraßen. Aber das muss ja kein Nachteil sein. Es gibt durchaus weniger schmucke Orte im Rhein-Erft-Kreis. Wer schon mal in Kenten oder Pütz war, der weiß, wovon wir sprechen. Wir wünschen den Blessemerinnen und Blessemern ein glückliches Händchen beim weiteren Wiederaufbau und nicht zu viel Wasser im Düker.

Die Bar Mizwa-Vorbereitungen laufen

Ohrwurm des Tages:

Nach all den vielen Touren durch den Rhein-Erft-Kreis und der sonntäglichen Beschallung durch „Absolut Bella“ sollte man meinen, wir seien lernfähig und wählen vielleicht mal einen anderen Radiosender. Einen, der weniger herausfordernde Musikkompilationen auswählt. Aber: Andere ziehen sich einen Büßergürtel an, kasteien sich selbst durch Peitschenhiebe auf den Rücken, unsere Abbitte leisten wir durch konsequentes Hören von „Absolut Bella“. Die Hinfahrt beschert uns einen echten Gassenhauer von zwei Männern, die sich bei einer fiktiven „Wer ist der schmierigste Gesangsdarsteller“ im „Kristallpalast Altenahr“ ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen leisten könnten. Thomas Anders und Florian Silbereisen beweinen ihre mangelnde Menschenkenntnis dem weiblichen Geschlecht gegenüber.

Auf der Rückfahrt genießen wir dagegen das Werk einer ägyptischen Sängerin, die den geografischen Blick gen Israel wagt. Daliah Lavi und „Jerusalem“. Viel zu selten gespielt, viel zu sehr in Vergessenheit geraten. In der hier verlinkten Version sei auch die kurze, aber mit einem derart bedeutungsschwangeren Blick von Dieter Thomas Heck bedachte Anmoderation einen Blick wert:

Es gibt ja musikalische Werke, die hört man und weiß sofort: Das ist Kunst, das sind großartige Kompositionen wie mit dem Florett serviert. Jeder Ton stimmt, die Klimax nach der Prelude: Einzigartig. „Music“ von John Miles ist so ein Werk. Dann aber gibt es Musik, die hört man und weiß sofort: Das ist einfach nur Scheiße! Dahingerotzte Worthülsen einer Endvierzigern mit feuchtdreisten Wachtraumphantasien, die einen augenblicklich ins Lenkrad beißen oder aus dem Beifahrerfenster vomieren lassen:

Lieber nich‘ nach Fischenich

So eine sonntägliche Wanderung ist ja immer auch ein wenig wie eine Tombola. Vorausgesetzt, dass es bei dieser Tombola erschreckend viele Nieten und dementsprechend wenige Gewinne gibt. In der Liste der „Leider verloren“-Lose rangiert seit unserer letzten Wanderung der Hürther Stadtteil Fischenich ziemlich weit oben.

Gedenke der Hässlichkeit

„Memento mori“, so hallt es einem immer wieder entgegen. „Gedenke der Sterblichkeit“. Ein wichtiger Satz, ein kluges Mantra. Viel wichtiger und leider komplett ignoriert ist aber vielleicht die Mahnung „Memento deformitatis“. Auf vielen Ortschildern des Rhein-Erft-Kreises sollte es in dicken Lettern zu lesen sein, am größten geschrieben vielleicht am Ortseingang von Fischenich. Wer also in seinem Leben zu viel Schönes gesehen hat und mal wieder eine Erinnerung an die Hässlichkeit dieser Welt braucht, dem sei ein Spaziergang durch diesen Randbezirk des Kreises und des Geschmacks wärmstens ans Herz gelegt.

Irgendwann musste Dieter sich zwischen 825 Sendern und Kontakt zu den Nachbarn entscheiden.

Die örtliche Aldi-Filiale verfügt über eine Ladesäule für E-Autos. Zack, schon hätten wir den größten Vorteil des Ortes erwähnt. Natürlich können wir das noch nicht wissen, als wir an diesem Sonntag-Vormittag unseren schnittigen aber definitiv rückenunfreundlichen Hybrid-Hengst an das Stromnetz anschließen, um im Anschluss durch die Straßen, Gassen und Wiesen von Fischenich zu lustwandeln.

Zunächst spazieren wir durch die Bonnstraße, die ein bisschen so wirkt, als hätte man eine Art Freilichtmuseum mit den fragwürdigsten Bauten der vergangenen einhundert Jahre errichtet. Hier reiht sich eine optische Beleidigung an die nächste und das Auge des Wanderers, das Schönes erblicken möchte, rotiert hilflos in seiner Höhle umher. Von Weitem kann man auf den Kölnberg blicken und fast möchte man sagen: „Die Leute dort haben’s gut.“ Hier in Fischenich herrscht, zumindest auf der Bonnstraße, Tristesse und in Mörtel gegossene Verzweiflung.

Die Idee des Arbeiter- und Bauernstaates wird stellenweise noch sehr hochgehalten.

Die guten, alten Zeiten

Fischenich liegt direkt am Villerand und bietet dem anspruchsvollen Wandersmensch durchaus die ein oder andere anspruchsvolle Steigung. Nachdem wir uns sattgesehen haben an steingewordener Depression, begeben wir uns in Richtung Oberstadt und gelangen schon bald zum Rosellenplatz, der nach dem ehemaligen Pfarrer und Historiker Robert Wilhelm Rosellen benannt wurde. Man kommt nicht umhin, den gigantischen und martialischen Obelisken wahrzunehmen, der dem Himmel entgegenstrebt und an die Zeiten erinnert, in denen man hier feierlich die Fahnenweihe und wahrscheinlich auch noch so manch anderes fröhliche Ereignis beging. Man kann die Marschmusik förmlich in den Knochen spüren.

Wenn die Bäume Blüten tragen, ist es hier richtig malerisch.

„Fischenichs kleine, kurvenreiche Straßen, die oftmals mit sogenannten Kotten bestanden waren, zogen sich in der Folge immer weiter am Hang des Ortes hinauf.“ So poetisch kann man umschreiben, dass in dieser verfluchten Quetsche jeder Weg hinauf führt und man hochmotiviert sein muss, um weiterzulaufen. Wir dachten ja noch, dass es oben vielleicht besser wird, aber dort angelangt, mussten wir feststellen, dass der höchste Punkt des Ortes die Brücke über dem Friedhof ist. Kurz überlegen wir, in der „Gasttätte Braunsfeld“, die von den Einwohnern liebevoll „Zur letzten Träne“ genannt wird, einen kleinen Metthappen zu uns zu nehmen, aber leider ist die Restauration noch geschlossen. Ein Jammer.

Wem Andrea Berg zu stilvoll und Nina Hagen zu wenig geschminkt ist, dem sei dieses Zauberwesen empfohlen.

Wir gehen bis zum Ortsrand, machen einen Links-Schwenk aufs Feld, verlaufen uns kurz und landen schließlich wieder bei der letzten Träne. Vielleicht haben wir ja jetzt die Chance auf zum Beispiel ein wenig Kesselsülze, aber nach wie vor ist die Tür versperrt. Wo gehen denn die Fischenicher:innen zum Frühschoppen hin? Wir wissen die Antwort und werden sie ein wenig später enthüllen. Erstmal geht es wieder über die Friedhofbrücke, nach deren Bezwingung wir uns südlich halten und in den Gefilden landen, denen Fischenich seinen Namen verdankt. Pesceniacum hieß der Ort schon bei den Römern und hier unten im Tal kann man sich vorstellen, wie sich hier Schleie und Karausche in den Weihern tummelten und den fröhlichen Menschen aus Fischenich einfach so auf den Teller hüpften. Heute erinnern noch zwei kleine Tümpel an die glorreichen Zeiten der Fischerei. So geht eben alles vor die Hunde. Auch die Fische.

Auf dem Rückweg passieren wir noch kurz das Gelände des Weilerhofs. Hier residiert seit 1961 die Kleinbrauerei Bischoff, die zu den Erstunterzeichnenden der Kölsch-Konvention von 1985 gehört. Bis zu diesem Tag haben wir von diesem Gerstensaft noch nie gehört, freuen uns aber über Meldungen aus der Leserschaft. Wie schmeckt „Bischoff-Kölsch“ und passt es zu einem Metthappen? Wir sind gespannt.

Auch von den Drohgebärden der Ureinwohner lassen wir uns nicht in die Flucht schlagen.

Über das Feld und die Bahngleise finden wir unseren Weg zurück zu unserem Gefährt und ein Blick über die Schulter verrät uns, wo die Menschen aus Fischenich den Sonntag Morgen, Vormittag und Nachmittag zu verbringen scheinen. Die örtliche Filiale der Bäckerei Klein ist bis auf den letzten Platz belegt, also „gerammelt voll“, wie man hier zu sagen pflegt. Das Brunchangebot lockt Groß und Klein aus den Häusern und bei Räucherlachs, Rührei und Röggelchen können Oma Luise und Onkel Manfred der bedrückenden Wehmut der eigenen vier Wände entfliehen. Das ist doch ganz schön. Erfreut euch daran, liebe Menschen, denn nur allzu früh heißt es wieder: „Memento deformitatis“.

Verwunschenes Märchenschloss mit Potential günstig an Liebhaber mit geschickten Händen abzugeben.

Worüber wir sprachen:

  • Das ohnehin schon grandiose Format „Wer stiehlt mir die Show“ hat ausgerechnet durch Sidos Opening nochmal sehr gewonnen. Endlich gab es ein Wiedersehen man Harald Juhnke.
  • Ja, auch wir schauen L.O.L., aber irgendwie will der Funke diesmal nicht so richtig überspringen. Wie gut, dass Anke Engelke und Bastian Pastewka zwischendurch mal vorbeikommen und zeigen, wie Comedy funktioniert.
  • Freizeitparks im Allgemeinen und de Efteling im Speziellen. Einem von uns reicht es, eine Runde auf dem ehemaligen „Monsieur Canibal“ zu drehen, um noch drei Tage an den Folgen zu laborieren.
  • Den Dalai Lama und seine Zunge. Wir möchten das hier nicht weiter ausführen, aber es ist schon ein wenig befremdlich, oder?!

Ohrwurm des Tages:

  • Obwohl uns „Absolut Bella“ mal wieder mit diversem Liedgut nahezu düngt, singen wir heute den ganzen Tag „Shoo shoo shoo“ von Jenny und Mel.

Kennst Du Kenten?

Welcher Ort bietet sich eher für einen herrlichen Feiertagsbesuch an als Kenten? Ja, viele. Sehr viele. Aber wir fahren dennoch nach Kenten. Ein Ort, der 1938 seine Eigenständigkeit verloren hat und in die Stadt Bergheim integriert wurde. Von seinem ganz besonderen Charme hat Kenten dagegen wenig verloren. Ob das von Vorteil oder Nachteil ist, das möge bitte ein jeder für sich entscheiden. Fakt ist: Die Menschen vor Ort scheinen gerne (zumindest gedanklich) in die Ferne schweifen zu wollen, wenn das Gute doch so fern liegt.

Motto: Hauptsache weg

Wir parken unser omnibusartiges Gefährt am „Martinswerk“. Dessen Motto scheint: Wenn man es im Rauch der Schlote nicht zu sehen vermag, so möge man es doch bitte riechen. Was hier ganz genau hergestellt wird, entzieht sich unserem Verständnis. Man sagt, dort werden chemische Produkte auf Basis von Aluminiumhydroxid und Aluminiumoxid gefertigt. Oxid klingt für uns nach Rost und das erklärt dann auch, weshalb der gesamte Bau eine herrliche Patina angelegt hat. Unser chemisches Verständnis hat in Klasse 6 mit der Knallgasprobe geendet. Jahre später gab es an unserer Lehranstalt mal einen Chemieunfall, aber daran können wir uns nicht mehr genau erinnern…

Sehnsuchtsziele ohne Grün

Kenten bietet neben viel versiegelter Fläche aber auch den ein oder anderen Grünstreifen. Versuche öffentliche Parkanlagen zu etablieren kann man noch nicht als gänzlich gescheitert betrachten und die Erftseen-Landschaften am Rande der Siedlung sind tatsächlich recht schmuck. Sehr zum Unwill der alteingesessenen Bevölkerung gehen Kenten und die Kreisstadt Bergheim mittlerweile ineinander über, Grenzzäune, Nato-Draht und Wachpostenanlagen sind längst abgebaut. Wie alt die Gemarkung ist, lässt sich am Namen ableiten. Kenten könnte vom lateinischen Wort „Canetum“ stammen. Das bedeutet soviel wie Rohr-Schilf. Durch die Lage an der Erft und dem sumpfigen Umland könnte das logisch erscheinen.

Kentener Seenplatte

Die aus heutiger Sicht vielen städtebaulichen Fehlentscheidungen der 1960er und 1970er Jahre versuchen die Stadtväter und -Mütter mittlerweile durch herrliche Kunstinstallationen im öffentlichen Raum auszugleichen. Man ist mitunter verwundert was so alles mit öffentlichen Mitteln gefördert werden kann. Im gesamten Ort findet man diese halbfertigen Galgenanlagen für Kleinwüchsige. Die sind schön bunt. Immerhin.

Öffentlich geförderte Kunstwerke wohin das Auge blickt

Während andere Ortschaften des „Rhein-Erft-Kreises“ mit Vorgärten aus Kunstblumenarrangements aufwarten (Bedburg-Rath), toben sich in Kenten Menschen mit Daumen jedweder Couleur aus. Da ist sehr viel braun und auch schwarz dabei, aber man muss die Versuche loben. Was werden die Menschen in mehreren Hundert Jahren bei Ausgrabungen zu den hiesigen Funden sagen? Sie werden zumindest einiges finden, einiges, das niemals verrotten wird. Hier ließen sich ganze Vox-Vorabend-Gartenformate verwirklichen.

Peter Lustig hatte den Grünschnitt etwas schleifen lassen

Kenten verfügt über etwas, um das es viele Menschen in anderen, düstereren Destinationen beneiden: Einen Bahnhof! Oder…das ist vielleicht etwas euphemistisch formuliert. Sagen wir mal: Einen Haltepunkt. Von hier aus kann man zumindest in der Theorie „schnell“ den Ort mittels Regionalbahn nach Horrem oder Bedburg verlassen. Den nötigen Reiseproviant kann man sich getrost am Ortsausgang (Richtung „Martinswerk“) besorgen. Auch für längere Fahrten. Beispielsweise für die Zugstrecke: Kenten-Horrem-Köln-Berlin-Moskau-Peking.

Kleine Snacks für große Reisen

Für Shoppingliebhaber und fashion victims bietet Kenten am Ortsausgang (vieles spielt sich hier am Ortsausgang ab) nahe Tankstelle und Motel ein wahres Paradies. „Sanitätshaus meets Designerkleidung“ ist hier das Motto. Wer neben Kompressionsstrümpfen und Badaufstehhilfen noch etwas „peppiges“ für den Tanztee im „Kristallsaal Altenahr“ sucht, der wird hier fündig. Kenten! Man muss es mal erlebt haben. Zwei Stunden reichen aber.

Sagt die Dame zum Matrosen

Ohrwurm des Tages:

Auch an Ostern kennen die sympathischen Musikredaktionsschergen von „Absolut Bella“ keine Gnade und hauen uns Musik um die Ohren, bei der man sich zweimal überlegt, ob man wiederauferstehen möchte. Lange, lange Jahre bevor Madonna ihre Version ins Mikro hauchte, besang Julie Covington ein mittelamerikanisches Land, das viele Deutsche nach einem kleinen Karriereknick Mitte der 1940er Jahre als neue Heimat erwählten:

Dass musikalisch aber durchaus noch viel Luft nach unten ist, das beweist „Absolut Bella“ uns auf der Rückfahrt. Als hätten wir nicht schon genug durchgemacht an diesem Ostermorgen, beschert uns folgendes Lied einen bedenklichen Ohrwurm (Auch hier wieder eine kleine Warnung vor Anklicken des Videos: Noch beängstigender als der Song ist das dazugehörige Video!)

Glesch- Ganz gut gegangen.

Ja, wir sind wieder unterwegs. Unsere Mission ist es nach wie vor, die Grenzen des Rhein-Erft-Kreises auszuloten und unsere eigenen dabei Stück für Stück zu verschieben. Jeder Spaziergang verändert uns, jede Wanderung schenkt uns neue Einblicke in das, was Leben alles sein kann. Unser Würgereiz tritt mittlerweile spürbar später ein als das noch vor drei Jahren der Fall gewesen ist. Natürlich treten auch leichte Abnutzungs- und Abstumpfungserscheinungen ein, aber der Einsatz im Dienst der Menschheit fordert eben seinen Tribut.

Heute geht es nach Glesch, einem Ort mit über tausendjähriger Geschichte. Von der ist leider so gut wie gar nichts mehr zu erkennen, was maßgeblich mit der Braunkohlegewinnung zu tun hat. Sowohl der jüdische Friedhof von Glesch als auch der Peringshof fielen dem Tagebau zum Opfer. Es ist ein Jammer. Nun gut, wenden wir uns dem zu, was die Reißzähne der Schaufelradbagger stehengelassen haben.

Wir parken den weißen Flitzer am Ortsfriedhof, den wir zur genaueren Beobachtung direkt begehen. Zwei Menschen halten ein Picknick auf einer der Bänke ab. Es gibt Dosenbier und Hawesta-Feinkost. Alles in allem sehr idyllisch. Der Friedhof selber kann da leider nicht mithalten. Uns erstaunt die Vielzahl an Madonnen-Figuren, die hier auf den Gräbern zu finden sind, aber ansonsten sind wir doch eher unterwältigt.

Sybilles Angehörige hatten sich die Baumbestattung schöner vorgestellt.

Wir durchpflügen den Gottesacker und überqueren dann die Grevenbroicher Straße, um auf die andere Seite des Ortes zu gelangen. Hier ist die Heimat des BC Viktoria 1915 Glesch/Paffendorf e.V.. Der Verein zählt insgesamt 536 Mitglieder, die hier bei Fußball, Tischtennis und Breitensport die Leiber ertüchtigen. Zu unserem großen Glück ist heute, am Tag unseres Besuches, Heimspiel-Sonntag und gleich drei Spiele werden hier in Glesch ausgetragen. Wir werden Zeuge der Partie Glesch III – BW Kerpen III, aber schon nach zwei Minuten ist uns so langweilig, dass wir weiterziehen. Was man jedoch lobend erwähnen sollte, ist die Tatsache, dass der Platz akkurat abgezeichnet war. So ziehen wir also weiter, passieren den Städtischen Kindergarten Glesch, der kaum größer ist als eine Garage für zwei Fahrzeuge, aber mit Sicherheit genügend Platz bietet für all die lieben Kleinen des Ortes.

Wir durchqueren eines dieser Neubaugebiete, das genauso gut in Elsdorf, Erftstadt oder Bummshausen stehen könnte. Die Häuser an sich sind furchtbar langweilig, aber es wirkt immer ein wenig so, als hätten die Bewohner:innen beschlossen, einen Wettstreit auszutragen, der aus den drei Disziplinen Vorgartengestaltung, Küchenfensterdekoration und Illumination besteht. Hier sind nicht nur die Gedanken frei. An vielen Häusern hängt noch die komplette Weihnachtsbeleuchtung, so als handele man nach dem Motto „Nach dem Fest ist vor dem Fest.“. Irgendwie warten wir ständig darauf, dass Chevy Chase von einem der Dächer fällt. Doch auch ganz ohne weihnachtliches Setting sind wir beeindruckt von so manchem Bau.

Hundertwasser hatte sich im Alter mit seiner Menagerie aufs Land zurückgezogen.

Wir spazieren ein wenig entlang der Bahngleise, erblicken in der Ferne das Wasserwerk an der Elsdorfer Fließ, das im Jahr 1910 erbaut wurde und von Weitem recht schön anmutet. Apropos Bahngleise: Glesch verfügt über einen eigenen Bahnsteig und der RB 38 verkehrt hier im Stundentakt. So ist garantiert, dass auch immer wieder frisches Genmaterial seinen Weg in den Ort findet. Auch für Menschen, die in Köln arbeiten, ansonsten aber doch eher das Leben jenseits des Trubels genießen wollen, ist das natürlich perfekt. Da die Taktungs des Schienenverkehrs aber doch eher gemäßigt ist, kann man hier sogar direkt neben den Gleisen wohnen, ohne sich über allzugroße Lärmbelästigung Sorgen machen zu müssen.

Laut Statistik leben in Glesch 2000 Menschen. So, wie es scheint, wohnen die meisten davon in Eigenheimen. Für weitere 2000 wäre hier noch locker Platz. Wer also noch nach Baugrundtstücken sucht oder sich der allgemeinen Stadtflucht anschließen möchte, dem sei Glesch sehr ans Herz gelegt. Am Ortsrand in Richtung Paffendorf gibt es eine Tankstelle, einen Discounter, eine Autowaschanlage, eine Bäckerei und das Berghaimer Emaillewerk. Ganz praktisch, wenn die heimische Sanitär-Keramik mal wieder zu Bruch gegangen ist, weil Onkel Horst zu viel Ballast abgeladen hat. Am anderen Ende des Ortes findet sich eine Restauration namens „Empore“. Hier werden türkische Spezialitäten feilgeboten, die sich in lauschiger Atmosphäre genießen lassen. Wir überlegen kurz, einen Kaffee zu trinken, aber alle Plätze scheinen belegt. So machen wir uns auf in Richtung Erft und gelangen so zum sichelrich schönsten Teil des Ortes. Rund um die Pfarrkirche St. Kosmas und Damian aus dem späten 15. Jahrhundert steht ein feines Ensemble aus Backsteinbauten und alten Höfen. Hier lässt sich gut flanieren und lustwandeln und gerade weil man ja vorher schon so manch wenig schmeichelhafte Konstruktion gesehen hat, weiß man den Anblick hier ganz besonders zu schätzen.

Vorbereitung auf Ostern: Einfach mal das Moos wachsen lassen.

Bevor wir wieder aufbrechen, werfen wir, wie wir es so oft machen, noch einen Blick auf das Orteingangsschild. Gerade in kleineren Gemeinden erhält man hier einen schönen Überblick was Vereine, Firmen und andere Institutionen betrifft. Die Liste in Glesch ist durchaus beachtlich: Von Angelsport bis Segelflugplatz, von Brandschutz bis Volksbank und von Diakon bis Schiedsmann ist hier alles vertreten, was man braucht. Gut, es fehlt vielleicht eine Apotheke, eine Drogerie, ein Kiosk und noch so einiges, aber das Wichtigste ist doch, dass die Menschen hier einander haben, gell?!

Jeder so, wie er kann.

Wir sprachen über:

  • Den Handy-Klingelton von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Irgendwie ganz passend für den Job. Wir haben ein gutes Gefühl.
  • Die horrenden Preise, die das Disneyland Paris mittlerweile aufruft. Unsereins müsste eine Niere verkaufen, um dort zwei Tage zu verbringen.
  • Das schöne Gefühl, Handwerker im Haus zu haben. Nach nur sechs Wochen ist man um mehrere tausend Euro ärmer, hat viel mehr Staub in den noch so kleinsten Ecken des Hauses und die Nerven liegen blank. Was kann es Schöneres geben?

Ohrwurm des Tages:

  • Wie klingt es eigentlich, wenn Mutti sich eine halbe Packung Zopiclon reinpfeift und dann doch nochmal Lust auf Vati hat, weil der gerade so schön die Tasten des Klaviers streichelt? Die Antwort auf diese doch häufige Frage geben Claudia Jung und Richard Clayderman mit „Je T’aime Mon Amour“. Leider ein wirklicher Ohrwurm, der uns die ganze Wanderung nicht verlassen wollte.
  • Auf der Rückfahrt läuft beim Sender des Vertrauens „Kokomo“ von den Beach Boys. Vergessen sind Claudia Jung und Monsieur Clayderman. Wir singen „Aruba, Jamaica, ooh I wanna take ya Bermuda, Bahama, come on pretty mama“

Bliesheim – jenseits des Autobahnkreuzes

Nach einer urlaubsbedingten kurzen Verschnaufpause sind wir zurück im pittoresken Rhein-Erft-Kreis, der in den vergangenen Wochen nichts seines morbiden Charmes eingebüßt hat. Das Schicksal verschlägt uns diesmal in den Erftstädter Ortsteil Bliesheim – ganz im Osten des Stadtgebiets. Nun ist es so, dass dieses Fleckchen Erde vor knapp zwei Jahren nachhaltig von den schweren Überschwemmungen der Erft getroffen wurde. Weite Teile Bliesheims waren im Sommer 2021 überflutet und haben sich bis heute noch nicht komplett davon erholt.

Bliesheim. Die Innenstadt ist Mittelpunkt, Visitenkarte, Sehnsuchtsort und Standortfaktor

Nach und nach kehrt aber wieder mehr Normalität ein und man hat die Chance auf einen Neuanfang, einiges anders machen zu können, wenn man das denn möchte. Knapp 3.700 Menschen leben hier und gefühlt mindestens 7.300 Hähne und Hühner. Andauernd kräht einem beim Flanieren ein Hahn nach, läuft ein Huhn über den Weg. Sowieso erweckt Bliesheim den Anschein einer langen agrarwirtschaftlichen Tradition. Zwischen normaler Wohnbebauung finden findige Besucher gerne das ein oder andere Gehöft.

Danke für den Hinweis! Hätte man nicht gedacht

Ich selbst muss zugeben bis zu diesem Ausflug gedacht zu haben, Bliesheim gehöre zu Weilerswist und damit nicht mehr zum Rhein-Erft-Kreis. Mitnichten! Wahrscheinlich war ich von der Streckenführung der A61 beeinflusst, die hier, knapp hinter Weilerswist, den durchschnittlichen BMW-Fahrer auf Tempo 160 runterbremsen lässt, möchte er die Auffahrt zur A1 oder A553 im Rausch der Geschwindigkeit nicht verpassen.

Für Paare, die sich nicht mehr so viel zu sagen haben. Oder für konspirative Agententreffen

Der Ort hat etwas berlineskes – also natürlich nicht den Flair, die Architektur oder das weltoffene Hauptstadtfeeling, sondern auch Bliesheim hat eine Teilung erlebt, die sogar bis heute anhält. Es gibt Bliesheim östlich und Bliesheim westlich der Erft. Der dem hiesigen Kreis mitnamensgebende Fluss ist Segen und Fluch zugleich. Zum einen verdankt der Ort ihm seinen Namen, zum anderen hat er ihm so manches, teils verheerendes Hochwasser beschert. Wie so viele Orte in dieser Region gehen die ersten Erwähnungen auf die vorrömische Zeit zurück. „Blisna“, wie Bliesheim einst hieß, war eine Siedlung, die man der Gewässerbezeichnung „glänzendes Wasser“ ableiten kann.

Liebhaberobjekt sucht versierten Käufer mit handwerklichem Geschick

Was den Bliesheimern aber von den geknechteten Jahren unter französischer Herrschaft geblieben ist, das ist das „savoire-vivre“ und das „laissez-faire“. Der Rheinländer würde es mit „mach et langsam“ und „Küß de hück nit, küß de morje“ übersetzen. Was soll man den derangierten Vorgarten auf Vordermann bringen, wenn man die Zeit auch gemütlich im örtlichen Kaffeebüdchen verbringen kann?! Jene Kaffeebude scheint der gesellschaftliche Szenetreff des Ortes zu sein. Hier genießt man jeden Tag (außer donnerstags) feinste Destillate, aufgebrühtes und kurz gebackenes. Donnerstags dagegen lädt die örtliche Klause zum Abschädelfest am Sportplatz ein. Hier ist die Welt noch geregelt und in Ordnung.

WER???

Der Strukturwandel hat auch vor Bliesheim nicht Halt gemacht. Nach Ende des Braunkohlebergbaus hat sich das Leben im Rhein-Erft-Kreis verändert. Einer der Hauptarbeitgeber ist weggefallen, Brikettfabriken sind geschlossen worden. Die Menschen haben sich neue Arbeitsstellen gesucht – und die sind meist nicht mehr zu Hause vor Ort, sondern nur noch wohnortnah. Das hat zur Folge, dass Viele nun pendeln und Orte wie Bliesheim mehr und mehr zu Schlafstätten werden.

Der Bus hält auch am Eros-Center

Was den Menschen hier aber geblieben ist, das ist ihre Fähigkeit jede Lebenswendung humoresque aufzunehmen. Selten haben wir so viele sinnstiftende, vermeintlich-humorige Schilder und Markierungen sehen müssen wie hier. Da lacht das Herz des lustigen Rheinländers schädlich.

Im „Was ist schlimmer“-Ranking liefern sich das Wortspiel aus der Hölle und die mammellaartigen Nüster ein enges Rennen

Wer zum ausgelassenen Feiern nicht immer nach Lechenich pendeln möchte und auch jenseits des Liblarer Nahversorgungszentrums genussvoll einkaufen und speisen möchte, der wird in Bliesheim fündig. Etwas abseits des trubeligen Zentrums mit all seinen Marktbeschickern, Gauklern und Lebenskünstlern finden wir ein fast schon alpin anmutendes Arrangement….

Amüsiermeile in landestypischer Architektur

Oft sind bei unseren sonntäglichen Ausflügen ja die Rückwege das eigentliche Highlight. Diesmal durften wir in den Sog echter Prominenz geraten und ein wenig Ruhmesluft atmen. Viele Stars machen um den Rhein-Erft-Kreis und sein kritisches Publikum („wat sull dä Driss?“) einen Bogen. Nicht so Ernst Hutter und seine Mannen!

Platz 1, knapp vor den „Rosa Funken“

Ohrwurm des Tages:

„Absolut Bella“, der digitale Sender des Wahnsinns entführte uns während der Hinfahrt gen Süden musikalisch noch weiter in den Süden, bis zum Teutonengrill nach Italien. Wer der Stimme Gianna Nanninis überdrüssig ist, wer nach einer schmierigen Einlage Eros Ramazzottis sich noch einen nachkippen möchte und auch Zucchero als höchst suspekt erachtet, dem sei das schnoddrig-schaurige Spätwerk des Ausnahmeschauspielers („Gib dem Affen Zucker“) Adriano Celentano ans Herz gelegt:

Kangol-Mützen-Commercial

Der deutsche Lebemann, Musikmanager und Rold-Eden-Doppelgänger Frank Farian hat der Welt nicht nur fantastische Musik im Stile der Mini Playback Show („Milli Vanilli „) beschert, sondern auch die Disco-Formation „Boney M“. Die haben in den 1970er Jahren mit Werken wie „Daddy Cool“, „Rivers of Babylon“ und „Ma Baker“ über 150 Millionen Platten verkauft. Ein bisschen untergegangen ist dabei ihr Werk „Kalimba de luna“, das durch ein längeres Vorspiel besticht als die feuchtfrivole Fummelei Brooke Shields in „Die blaue Lagune“:

Sieben Minuten – ein Gefühl: Schläfrigkeit

Auch wenn einer von uns wunderbaren Wandergesellen der Überzeugung war, dass Ex-Artist, Seefahrerdarsteller, Schauspielikone und Sehnsuchtssänger Freddy Quinn a) nicht mehr unter uns weilt, sondern längst vorausgegangen ist und b) eher dem schnippitragenden Teil der Bevölkerung zugewandt war, so muss man doch sagen, dass er nicht nur quietschfidel, sondern auch nahezu frisch verheiratet mit einer holden Maid ist. Die Tatsache, dass einer seiner größten Hits nun jedoch von DER deutschen Overknees-Ikone malträtiert wird, könnte ihn jedoch am Ende doch noch vorausgehen lassen und dann erschallt „Junge komm bald wieder“, statt „Deine Heimat ist das Meer“. Wer jetzt hier klicken möchte, der sei gewarnt: Es sieht aus wie Santiano, ist aber schlimmer:

Wenn der Dachstuhl brennt, ist oft auch der Keller feucht

Ah, Ahrem

„Über sieben Brücken musst du geh’n, sieben dunkle Jahre übersteh’n…“ Selten (eigentlich nie) hat der alte Gassenhauer aus der maffayschen Liedversuchswerkstatt besser gepasst als an dem Sonntag, an dem wir uns entschieden einen heiteren Ausflug nach Erftstadt-Ahrem zu versuchen. Einer der kleineren Ortsteile der phantastischen Phantomstadt Erftstadt, der sich exakt in ihrem Zentrum befindet. Hier ist es weniger hektisch als im benachbarten Lechenich mit seinen hier ausbleibenden Möglichkeiten für Einkäufe oder zur Zerstreuung.

Heidi Brühl vermisste den Immenhof

Der Ahremer an sich sucht das Idyll, arbeitet entweder nicht oder liebt das Pendeln in entfernte Gemarkungen wie Friesheim, Gymnich, Erp oder ländliche Ansammlungen von Häusern in der mäandernden Nordeifel. Weitere Möglichkeit, Ahrem in sein Herz zu schließen, wie einst Ilona Christen ihre Brillen, ist es sich hier als Reiter oder auch Reiterin niederzulassen. Nach den Stunden vor Ort ist uns klar: Ahrem ist DAS Eldorado für Hengst-Heroen und Vollblut-Verehrerinnen. Wir sehen mehr Pferde als Menschen (gut…dafür hätten auch schon drei Ponys gereicht), allüberall liegt ein würziger Duft in der Luft und der geneigte Spaziergänger sollte stets einen Blick auf den Boden werfen, wenn ihm seine handgenähten Louboutins etwas bedeuten.

Die Glascontainer sind undicht

Ross und Reiter zieht es allerdings gern in die Nebenstraßen, denn die Hauptstraße ist mit der B265 eine doch recht gut frequentierte Straße. Hier treffen sich Trecker, Mähdrescher, Eselskarren und Kutschen, hier tobt das Leben, hier findet sich keine Vielzahl von Geschäften des täglichen Bedarfs. Wer hier wohnt, für den ist der morgendliche Gang aus der Haustür ein Tanz auf dem Vulkan. Auf neumodische Erscheinungen wie Gehwege oder Bürgersteige haben die örtlichen Stadtplaner verzichtet und stattdessen jeden Taler in kleine Stege und Brücken investiert.

Eldorado für Fußgänger und betrunkene Eigenheimbesitzer

Denn neben Pferden, zählen wir hier auch zahlreiche Brücken, die meist über den sich durch den Ort schlängelnden Rotbach führen. Theoretisch könnten sportliche Einheimische den Bach auch mit einem beherzten Sprung überqueren, aber seit einst der Ortsvorsteher Gangolf Föttschesföhler nach einer ausgelassenen Walpurgisnachtfeier im örtlichen Hotel „Zum Ochsen“ beim Versuch eine Abkürzung zu nehmen mit dem Gesicht nach unten im Gewässer elendig verendete, hat man den Bau diverser Brücken veranlasst.

Ahrem – Amsterdam des Rheinlands

Die Flutkatastrophe des Sommers 2021 hat auch in Ahrem ihre Spuren hinterlassen. Wie in so vielen Erftstädter Stadtteilen schwollen hier die Bäche an, wie sonst nur die Halsschlagader Olaf Scholz‘, wenn befreundete Länder nach Panzerlieferungen fragen. Wenngleich die Auswirkungen hier deutlich geringer ausfielen als beispielsweise in Erftstadt-Blessem, so erinnert doch auch hier eine Stele an die schwierige Zeit. Kleiner Pro-Tipp: Die Tür lässt sich nicht öffnen…

Lützerath war nur der Anfang

Im Jahr 750 vor Christi Geburt begann die sogenannte Eisenzeit in Nordeuropa. Leserinnen und Leser wie Sie wissen das freilich – wir wollen Sie mit diesem Seitenpfad unserer Geschichte aber nicht unnötig langweilen, sondern darauf aufmerksam machen, dass in eben jener Zeit die erste Siedlung auf heutigem Ahremer Grund und Boden entstand. Reste aus jenen Tagen finden sich noch heute in der Franz-Xaver-Mauer-Straße:

Hallo Alf, hier ist Ronda

Wer noch mehr über Ahrem in Erfahrung bringen möchte, der möge bitte unten stehende Infotafel unter Augenschein nehmen oder aber selbst den Weg in die schattige Ortschaft auf sich nehmen. Letzteres würden wir empfehlen, denn nur so lässt sich Ahrem mit allen Sinnen und ganz besonders dem Geruchssinn erfahren. Viel Freude und nehmen Sie gerne Gummistiefel mit.

Manchmal gut, wenn Anglizismen sich durchsetzen
Ahrem. Symbolbild

Ohrwurm des Tages:

Wahre Connaisseure zeitgenössischer Musik finden ihr Ohrenlabsal sonntäglich in der „Absolut Bella“-Matinée. Diesmal werden wir verzückt vom Werk eines us-amerikanischen Pop-Duos, das den Karrierehöhepunkt bereits in den 1970er Jahren hatte. Was bleibt sind die Tatsache, dass eine von den Beiden perfekt das Metallophon beherrschte. Leider kommt es in dem Song, der uns die Fahrt nach Ahrem versüßte nicht vor:

Etwas gemächlicher, ruhiger, ja….ich möchte schreiben: gefühlvoller geht es dann auf dem Rückweg zu als aus den gebeutelten Autolautsprechern eine deutsch-rumänische Ballade trieft, die einem die Muttermale ins Gesicht schießen lässt. Meine Damen und Herren – genießen sie dies hier:

Liebliches Liblar

Rosis Swingerschlösschen – Zutritt erst ab 18

Die Vorweihnachtszeit ist oft hektisch, etwas chaotisch und voller Stress – so sehr, dass ich im Spa des „Hyatt Regency“ versehentlich den Bleistift habe fallen lassen, der sehr unglücklich im Ansaugstutzen des Jacuzzi landete – deswegen war ich nun wochenlang nicht in der Lage einen detaillierten Bericht zu unserem herrlichen Besuch im noch herrlicheren Liblar zu verfassen. Nun hat sich die Trauer ob des verlorenen Bleistifts gelegt, habe mir zu Weihnachten einen neuen Montblanc schenken lassen, so dass ich nun wieder handschriftlich die Notizen anfertige, die anschließend in einem thailändischen Schreibbüro abgetippt werden.

Stammhotel des Breakdanceclubs „Ranchopancho“

Liblar ist ein Stadtteil der Phantomstadt Erftstadt, der rund 13.000 Menschen Heimat bietet. Wir starten unseren Besuch an der altehrwürdigen Carl-Schurz-Straße, parken von der A61 kommend unweit des Schlosses Gracht und lustwandeln durch die jahreszeitlich bedingt kahlen Alleen. Die Verkehrsführung ist hier mitunter abenteuerlich und insbesondere Radfahrer müssen Obacht geben, wohin die städtische Verkehrsführung sie leitet. Aber: Wenn man Fördergelder für Radwege gut anlegen kann, dann soll man das machen. Wenn man bedenkt, dass hier an eben jener Carl-Schurz-Straße einst römische Handelsreisende unterwegs von Köln nach Trier waren, dann fragt man sich, ob es damals eigentlich schon so herrlich-innovative Straßen gab.

Möglicher Drehort für „Der 7. Sinn“

In ein paar Jahren kann in Liblar wild gefeiert werden, dann jährt sich die erste urkundliche Erwähnung der Gemarkung. 1155 stand bei den Einwohnern allerdings als Wohnort noch Lubdelare im Reisepass. Eifrigen Namensforschern fällt nun natürlich sofort auf, dass Liblar damit zu den -lar-Orten gehört. Die Endsilbe -lar deutet auf einen von einer Hürde oder einem Gerüst eingeschlossenen Weideplatz, der meist an einer Flussmündung lag. Selbigen Fluss gibt es auch heute noch, wir werden ihn später bewundern und tanzend durch die Auenlandschaften streifen.

Fortsetzung von „Die purpuren Flüsse“ – „Jetzt wird’s grün“

Hinter Schloss Gracht biegen wir in die Bahnhofstraße ein, die überraschend zum Bahnhof führt. Hier verkehren auch tatsächlich noch Züge, zeitweise sogar nach Plan und bringen Reisende nahezu bequem in die Oberzentren Köln, Bonn und natürlich Euskirchen („Tor der Eifel“). Das einst architektonisch beeindruckende Bahnhofsgebäude selbst gibt es nicht mehr. Das hat die Deutsche Bundesbahn noch knapp vor seiner offiziellen Ernennung zum Baudenkmal fachgerecht abreißen lassen. Herrlich, damals war die Bahn noch pünktlich. Als wir so durch die Bertolt-Brecht-Straße, den Tannenweg oder den Schlunkweg schleichen, fragen wir uns, ob am nächsten Tag Sperrmüllabholung sein möge. Das war nicht der Fall…

Garagentrödelfans kommen hier auf ihre Kosten

Was uns auffällt, das ist die beeindruckend häufig wechselnde Architektur, die sich in Liblars Straßen und Gassen wiederfindet. Ähnlich wie in Bergheim-Quadrath-Ichendorf scheint den Stadtplanern hier die Lebenslust vergangen zu sein und sie haben generös jeden noch so skurrilen Bauplan abgesegnet. Da folgen Wohnparks auf Einfamilienhausidylle, plötzlich erstreckt sich direkt vor einem ein Wohnblock in Form einer Pyramide – hier liebevoll „Terrassenhausbau“ genannt. Nicht zu vergessen sei natürlich auch das Hochhaus an der Straße „Zum Renngraben 8“, das 1977 eine zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Wer sich für Terroristenverstecke interessiert, kann auch hier einen lehrreichen Ausflug unternehmen.

Liblarer Schlemmermeile

Für die Besorgungen des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Schmuck, Vorwerkprodukte) bietet Liblar nicht nur ein epochales Einkaufszentrum „ErftstadtCenter„, sondern auch ein landschaftlich schön eingebettetes Gewerbezentrum am Ortsausgang Richtung Köttingen. Wer hier nicht findet, was sein Herz begehrt und Portemonnaie noch hergibt, dem bleibt nur noch der Zug nach Euskirchen. Aber auch sonst bieten diverse Fachgeschäfte ihre Waren feil und geizen nicht mit ausladender Präsentation derselbigen, gerade in der Vorweihnachtszeit bietet sich hier ein Heiligabend für die Augen.

Wenn kleine Feen zur großen Fee werden…

Der wohl berühmteste Sohn der Stadt mag Carl Schurz sein. Ein Freigeist und Stänkerer, der 1829 in der Vorburg des Schlosses geboren wurde (welche Rolle des Torwächters Frau dabei spielte, ist bis heute nicht genau überliefert) und sich mit dem damals geltenden und gut eingebürgerten Herrschaftssystem nicht ganz so d’accord zeigte. Bei der Revolution 1848/49 machte er seinen Eltern wenig Freude und verlies nach einem kleinen Karriereknick die Region um in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Dort gelang ihm wie so vielen, die es in Europa nicht geschafft haben, noch Karriere – auch weil er fehlerfrei im Zahlenraum bis 20 rechnen konnte. Als amerikanischer Innenminister war er damals so etwas wie der Arnold Schwarzenegger des 19 Jahrhunderts. Nur halt ohne Muckis und unangenehmen Slang.

Rocky beim Morgentraining

Schloss Gracht selbst ist allerdings durchaus einen Kurzbesuch wert. Ein für das Rheinland typisches Wasserschloss, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Vier Jahrhunderte lang gehörte es der Familie Wolff-Metternich, bis sie alles Geld für alkoholische Sprudelbrause und Schlagzeuge verprasst hatte und den Stammsitz verlassen musste. Der Schlossgarten steht Spaziergängern offen, in das Schloss selbst kann man in ein paar Jahren nur noch mit Überweisung nach medizinischer Indikation.

Ohrwurm des Tages:

Dieser Ausflug wurde musikalisch natürlich wieder von „Absolut Bella“ bereichert. Selbst der Playlist-Automat war in beseelter Vorweihnachtsstimmung und bescherte uns einen echten Klassiker von der heutigen bayrischen Lokalpolitikern Claudia Jung. Als sie noch in lange Gewänder passte und schmierige Pianisten mit ihrem VHS-Kurs „Französisch – diesmal sprechen“ beeindrucken wollte, entstand folgendes Kunstwerk:

Auf dem Rückweg bescherte uns der Sender unseres Misstrauens dann ein Wiederhören mit einem längst gegangenen Liedermacher, dessen Erben sich heute um das Haus am Zürichsee streiten. Gut, dass Udo davon nichts mehr mitbekommt und auch heute noch fröhlich einen normalen Heiligabend in deutschsprachigen Wohnstuben besingt:

Kompromisslos, konziliant, kommod – Köttingen

Im Mai ist Köttingen besonders schön

Wohin soll man sonntags fahren, wenn man wirklich gar nichts mehr erwartet und einem zum Ende des ausklingenden Jahres alles egal ist? Erftstadt ist da immer ein guter Tipp und so zieht es uns diesmal in den Stadtteil Köttingen. Phonetisch irgendwo zwischen Köttel und dem rheinischen „kötten“ angesiedelt erscheint uns dies ein gutes Ziel an einem tristen Wintermorgen.

Wenn dem Stadtplaner die Straßennamen ausgehen

Wir parken unseren Vengabus der guten Laune dort, wo die Not zu Hause und noch nicht weg ist (Wortspiele aus der Hölle) und erinnern uns an die Latènezeit zurück als auf dem Gebiet des heutigen Köttingens die ersten Siedlungen entstanden. Gut 400 Jahre vor Christi Geburt war es Peterus Mayus, der hier einen Kolonialwarenladen gründete und fortan Kondensmilch sowie Kaffee verkaufte. Viel verändert hat sich seitdem nicht. Es war nicht alles schlecht.

Die grüne Lunge des Rhein-Erft-Kreises

Hungrige und ortsfremde Pilger können ihren Hunger und Durst heute am Ortseingang stillen. Aus Richtung Kierdorf kommend empfängt ein architektonisch herausfordernder „Penny“-Markt die Besucher. Gekonnt schmiegt er sich in die Ausläufer der Peter-May-Straße ein. Die örtliche Filiale einer regionalen Bäckereikette löst unser Magengrummeln allerdings nicht. Vielleicht war das Grummeln kein Zeichen von Hunger, sondern vielmehr ein Zeichen von Angst? Unbehagen? Argwohn?

„Entschuldigen Sie; Wo finde ich die blauen Jungs von der Rheinflotte?“

Entlang des Weges „An der Schwarzau“ (Straßennamen können sie hier) führen uns unsere Geruchsnerven erst zum Reitstall Rosenblatt und dann den „Längsbusch“ (siehe oben) flanierend in Richtung Hotel „Am Joch“. Ob der Name aus alter landwirtschaftlicher Verbundenheit gewählt wurde oder hier auch Liebhaber von einengenden Erwachsenenspielzeugen auf ihre Kosten kommen, das haben wir nicht herauszufinden vermocht. Für einen Ort, der gerne mal niedergebrannt ist (1642, 1672), entdecken wir auf dem gesamten Weg allerdings keine Aschenbecher – da ist Hürth-Efferen deutlich weiter (was hier bewiesen wird). Dafür gibt es andere Möglichkeiten Zigarettenkippen wegzustecken. Und nicht nur die.

Verrichtungsbox light…

Wir bewundern die örtlichen Sehenswürdigkeiten wie die öffentlich ausgestellte Brikettpresse „Ville I“ der Brikettfabrik „Knapsack“ aus dem Jahr 1915, den Annagartenplatz und natürlich die Peter-May-Halle (Pilgerstätte der Kondensmilchbegeisterten) an der Franz-Lehnen-Straße. Weshalb diese nicht in der „Peter-May-Straße“ errichtet wurde, bleibt ein Geheimnis. Wahrscheinlich geht es den Köttingern darum, Besucher zu verwirren, so einen unaufmerksamen Moment zu erwischen und ihnen alsbald die Reifen zu klauen. Aber das ist natürlich reine Mutmaßung.

Spaziergänger sind in Köttingen willkommen

Die rund 3.600 Einwohner jedweden Geschlechts jedoch erblicken wir an diesem Tage nicht. Tatsächlich treffen wir lediglich eine einsame Dame in auffälliger applikationsverzierter pinker Weste, die ihren Hund ausführt. Wer also gerne mal ohne jeglichen menschlichen Kontakt sein möchte und nicht bis zur Zombie-Apokalypse (Dienstag) warten möchte, dem sei ein Ausflug nach Köttingen empfohlen. Viel Spaß!

Hier fühlen sich Gläubige gerne heimisch

Ohrwurm des Tages:

„Warum nicht?“ – das müssen sich die Musikredakteure unseres favorisierten Hitradios „Absolut Bella“ gedacht haben, als sie es für eine gute Idee hielten einen Song auszugraben, den man nicht unberechtigt seit Jahren nicht mehr hören musste. Boney M. hatte gute Hits. Dieser gehört bis heute nicht dazu:

Ein Glas zu viel hatte vielleicht auch der Hitschreiber Andrea Bergs als er ihr einen Song auf den spärlich bekleideten Leib schneiderte, der ebenfalls ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Dagegen kämpft „Absolut Bella“ an und holt ihn in unser Bewusstsein, unsere Ohren, nicht aber unsere Herzen zurück.