Wacker Wesseling, wacker

Winter in Wesseling – was klingt wie ein Schlager aus der feingliedrigen Feder einer Ingrid Peters ist in Wirklichkeit eine lebendige Herausforderung aller Sinne. Schon bei der Anfahrt über die Bundesautobahn 555 ist der Geruchssinn gefordert, wenn man auf Höhe der Raffinerie nicht schnell genug die Autofenster hochgefahren hat. Wesseling, ja, das muss man deutlich sagen, ist durchaus industriell geprägt. Das ist mitunter auch eine Herausforderung fürs Auge, aber das sind wir ja im Rhein-Erft-Kreis mittlerweile gewohnt.

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Apropos Rhein-Erft-Kreis. Der darf sich ja seit einigen Jahren nur so nennen, eben weil es Wesseling gibt und damit die einzige kreiszugehörige Stadt, die zumindest stellenweise den Rhein im Stadtgebiet begrüßt. Die Lenker und Honorationen des damaligen Erftkreis‘ waren der Meinung, mit der Namenserweiterung auf „Rhein-Erft-Kreis“ lässt sich deutschlandweit schneller feststellen, wo sich das Kreisgebiet geographisch genau befindet. Nicht, dass noch jemand denkt, der Kreis befindet sich in der Eifel oder – noch schlimmer – irgendwo bei Neuss.

Wesseling – Stadt der fragwürdigen Stehtische

Dabei gehörte Wesseling nicht immer zum Erftkreis/Rhein-Erft-Kreis. Im Zuge der bis heute allseits beliebten kommunalen Neugliederung hatte sich die Stadt Köln 1975 Wesseling einverleibt – wollte man doch unbedingt zur Millionenstadt am Rhein avancieren. Mit Wesseling als Teil Kölns gelang dies. Doch: Die Wesselinger an sich sind ein unbeugsames Völkchen voller Juristen, sie klagten gegen diese Eingemeindung.

Schönes bleibt!

Aus heutiger Sicht völlig unglaublich: Nach nur knapp anderthalb Jahren gab es in dem Fall bereits ein Urteil und Wesseling erhielt seine Eigenständigkeit im Sommer 1976 zurück. Köln war damit nicht mehr Millionenmetropole und musste knapp 34 Jahre warten diesen Status wiederzuerlangen. Ob Wesseling sich damit langfristig einen Gefallen getan hat – man weiß es nicht. Immerhin hat die Stadt so ein eigenes unfassbar schmuckes Rathaus…

Quasimodo hat den besten Blick

Knapp 40.000 Menschen leben in den insgesamt vier Wesselinger Stadtteilen und die älteren können sich noch an die Zeit erinnern als am nahen Laacher See der Vulkan ausbrach. Das soll so ungefähr 11.500 v. Chr. passiert sein und Ausgrabungen haben gezeigt, dass bereits am Ende der Altsteinzeit Menschen hier residierten. Deren Häuser werden momentan von hiesigen Maklern als „Liebhaber-Stücke für den geschickten Handwerker“ angeboten. Apropos „Handwerker“. Was in Wesselinger Ladenlokalen als örtliche Kunst feilgeboten wird, ist auch ein echter Hingucker bzw. Hinfühler. Filz ist ja jahrelang von internationalen Kunstkonglomeraten völlig stiefmütterlich behandelt worden und kann einen jeden und eine jede von uns schmücken…

Was der Rhein so anspült…

Eines aber muss man der Stadt lassen: Es gibt auch schöne Ecken. Nicht unbedingt in der Innenstadt und der völlig zu vergessenen Fußgängerzone, die symbolisch für den Niedergang deutscher Kleinstadtinnenstädte stehen könnte. Wenn ein BarberShop den nächsten Dönergrill ablöst, dann sucht man hier vergebens nach zukunftsfähigen Konzepten, die eine City für viele Bevölkerungsgruppen attraktiv machen könnte. Nein, was wirklich schmuck ist, das ist die Promenade am Rhein. Hier hat man das Gefühl von Weite, von Zuversicht, von der Möglichkeit schnell wegkommen zu können.

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Ansonsten fragen wir uns nun schon seit Wochen, was Michel aus Lönneberga mittlerweile wohl so macht und ob er eine zweifelhafte Zweitkarriere in Wesseling gestartet hat. Es sei ihm nicht zu wünschen.

Killermichels Koitus-Knigge

Ohrwurm des Tages

Was wäre ein Sonntag ohne die akustische Bereicherung durch Deutschlands diversesten Musiksender „Absolut Bella“? Wahrscheinlich ein guter Anfang. Aber wir geben uns einmal mehr den Wirrungen der internationalen Musiklandschaft hin und freuen uns über ein Werk des französischen Barden Joe Dassin. Nahezu jeder, der nicht der Generation TikTok-Verblödung angehört kennt sicher seinen Klassiker „Les Champs-Élysées“. In Paris wohnte er lange, gestorben ist er auf Tahiti. Es gibt sicherlich schlimmere Orte, vorauszugehen. Wir genießen während der Fahrt nach Wesseling seinen Song „Ça va pas changer le monde„.

Auf dem Weg zurück aus Wesseling sind wir für jede Ablenkung dankbar und freuen uns über den Song, den wir noch aus der „Quality Street“ TV-Werbung der 80er Jahre kennen. Perry Como hat es 1957 gesungen und wir wetten: Fast jeder und jede kennt es. Gute Unterhaltung.

Veröffentlicht von kaiwimmer

Gern unterwegs

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