Es gibt so Orte im ambivalent-attraktiven Rhein-Erft-Kreis, von denen viele Menschen noch nichts gehört haben – selbst innerhalb des Landkreises. So geht es auch einem von uns als der Bücherbus der guten Laune einen Stopp in Manstedten macht. Gäbe es hier eine abgehalfterte Dorfkneipe mit Veranstaltungssaal und Bundeskegelbahn, dann wäre dies ein exemplarisch guter Halt für eine Kaffeefahrt inkl. Werbeverkaufsveranstaltung (Teilnahme freigestellt) – denn man könnte nirgends hin flüchten. Einfach, weil es hier nichts gibt, nicht mal eine rheinische Eckkneipe.

Was es hier gibt, das sind Pferde. Und davon wirklich jede Menge. Manstedten – Mekka für Liebhaber des hippiquen Sports. Wir parken den Boliden aus den benachbarten Ford-Werken am nördlichen Ortsausgang, irgendwo im Feld (denn Parkraum gibt es, wie auch Gehwege, nicht in Manstedten). Dort, mitten im Nirgendwo, begegnet uns direkt eine Kutsche mit einem PS. Herrlich. Wir pfeifen sofort Evergreens von Heidi Brühl und fühlen uns wie auf dem sagenumwobenen „Immenhof“. Es riecht auch so, das unterstützt die Tagträume in längst vergangene Zeiten und lässt einen von uns durchweg fluchen wie ein nervöser Rohrspatz. Naturfreund halt.

Noch weitaus mehr Flüche stößt er aber dann aus, als plötzlich, mitten im Niemandsland der Feldweg endet. Einen Alternativweg gibt es nicht, nicht mal einen in den Karten „blau“ eingezeichneten und so beschließen wir spontan einen neuen Weg zu eröffnen. Dieser führt uns mittenmang durch ein unwirtliches Stoppelfeld. Dazu der allgegenwärtige Geruch nach Pferde-Dung – es ist ein Fest für die Sinne.

Manstedten ist dabei noch älter als einige Bauten und Einheimische vermuten lassen. Bereits im Jahr 1029 ist der Ort das erste mal urkundlich erwähnt worden – wahrscheinlich als Erzbischof Pilgrim bei einem feucht-frivolen Ausritt einen Ort zum Wasserlassen suchte. Seit dem Mittelalter dann gehörte Manstedten zum Amt Königsdorf im Kurfürstentum Köln. Das klingt alles weitaus mondäner als es je war, noch je sein wird. Danach wechselte die Zugehörigkeit recht häufig. Manstedten schien das unwirtliche Kind, das nach einer Scheidung niemand haben wollte. Seit 1975 kümmert man sich im Pulheimer Rathaus um den Ort, wobei „kümmern“ hier auch das falsche Wort ist. Beim Anblick der wirr zusammengewürfelten Häuserfassaden und Weggabelungen scheint in der Städtebau-Abteilung des Pulheimer Rathaus der alte Satz zu gelten: „Macht, was ihr wollt, uns ist’s egal.“
Fazit: Man muss hier nicht hin, außer vielleicht hoch zu Ross oder wenn man Pferdedunggeruch liebt.

Wir sprachen über:
- Das Leben in Wohnparks, die Vor- und Nachteile leerstehender Wohnungen und die Frage nach dem richtigen Lüften.
- Die fatale Fehleinschätzung lokaler Geschäftsleute was die Bereitschaft betrifft dem Fiskus seinen gesetzlich geregelten Anteil zukommen zu lassen.
- Infantile Scherze eines Hobby-Malers, der sich selbst bei der Renovierung eines Kinderzimmers doppelt und dreifach Arbeit gemacht hat, nur weil er das Gemüt eines 13-Jährigen kurz ausgelebt hat.
Ohrwurm des Tages
Der beste Radiosender der Welt (das ist empirisch durch Umfragen im Seniorenstift „St. Agatha der bückenden Dirne“ belegt) hat sein musikalisches Portfolio noch einmal massiv erweitert. Spielte man bislang schon die unwirklichsten Songs in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache, so erklingen dort nun auch herrliche Werke in Niederländisch. „Absolut Bella“ öffnet sich damit einer absolut melodischen Sprache, deren Werke man viel zu selten vorgesungen bekommt. Frans Bauer dürfen wir genießen mit einer Liebeserklärung an seinen Betreuer „Heb ja even voor mij?“ (Hast Du kurz Zeit für mich?). Und er beweist im dazugehörigen Video, dass auch drölftausend Tonnen Glitterschnipselregen einen untersetzten Mittfünfziger im türkisenen Samtsakko nicht verschwinden lassen können.
Auf der Rückfahrt ließ uns die Musikauswahl der „Absolut Bella“-Redaktion (aka. Shuffle-Version im Winamp-Player) noch beschwingter heimwärts düsen, präsentierte man uns doch einen echten Klassiker von den „Teddy Bears“. Ihren Song „To Know Him Is to Love Him“ stammt vom Grabsteinspruch des verstorbenen Vaters eines Bandmitglieds. Der Song war schnell fertig, knapp ein halbes Jahr in den US-Charts und danach hat sich die Combo getrennt. Zack! Wir erinnern uns noch mal und schwelgen in den 50er Jahren.