„Neue Woche – neues Glück“ oder „Wir geben nicht auf“ oder „Dieses Mal wird es bestimmt schön!“ oder „Einer muss es ja machen!“ – die Motivation Woche für Woche in die (Un-)Tiefen des Rhein-Erft-Kreises einzutauchen versuchen wir auch nach über 100 Wochen hochzuhalten, trotz massiver optischer Rückschläge (Rath, Fischenich), die uns immer wieder des nachts schweißgebadet aufschrecken lassen. Diesmal steht ein Besuch in Wesseling-Berzdorf auf dem Ausflugsprogramm und wer sagt denn bitte, dass es dort nicht schmuck, heimelig und adrett ist? Jeder, der schon mal da war, lautet die Antwort. Aber der Reihe nach.

Unser Unimog des kleinen Mannes bringt uns sicher bis an die Vochemer Straße. Aufgrund des lokal aus den Fenstern strömenden Geruchs bekommen wir leichten Hunger auf Schnitzel mit Champignons aus dem Glas und öligen Pommes, leider finden wir vor Ort keine Gaststube, die uns gutbürgerliche Küche anzubieten vermag und für die Entspannung nach dem Genuss noch ein Spiel auf einer zertifizierten Bundeskegelbahn möglich machen könnte. Schade, aber wir sind ja Enttäuschungen gewohnt (dafür muss man sich nur unsere Ex-Lebenspartner und Partnerinnen anschauen). Die Vochemer Straße ist so unspektakulär wie gleichnamiger Brühler Stadtteil und so biegen wir flott ab in die Buchenstraße! Ja, bei der Straßennamengestaltung haben es die Verantwortlichen kreativ krachen lassen.

Das bemerken wir auch wenig später als wir versehentlich ein Straßenschild im ersten Moment falsch lesen, wie Elfjährige kichern und uns dann dezent schämen, als wir uns unseres infantilen Humors einmal mehr bewusst werden. Zeit, schnell das Thema zu wechseln und genauer auf Berzdorf zu schauen. Der Stadtteil liegt ganz im Süden des Wesselinger Stadtgebiets. Wer gerne ausgedehnt wandert, sei es in Wäldern oder direkt am Rhein, der ist hier gut aufgehoben, denn in der Umgebung gibt es zahlreiche Wander- und Radwege, die zu ausgedehnten Touren einladen (viele sind auch als Fluchtrouten zu verstehen, wenn man die schmucklose Eintönigkeit doch nicht mehr ertragen kann.)

In Immobilen-Exposés lernt der naive Unwissende vor einem, weshalb auch immer, anvisierten Umzug nach Berzdorf, dass der Ort über eine gute Infrastruktur mit verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Cafés verfügt. Auf gut deutsch heißt das, es gibt einen Edeka, eine Tankstelle, das Restaurant „Poseidon“ und eine Niederlassung der rheinischen Bäckereikette „Schneider“. Es mag noch mehr geben, wir haben es uns einfach nicht gemerkt, weil wegen: Is nicht! Weshalb ein Besuch Berzdorfs besonders an Dienstagen lohnt, zeigt folgende Farbphotopgraphie:

Gute Nachrichten gibt es auch, denn: Man ist auch schnell wieder weg aus Berzdorf. Die Verkehrsanbindung ist vergleichsweise gut. Die Autobahn 555 und die Bundesstraße 265 sind leicht mit dem vollbepackten Eselskarren zu erreichen. Vor Ort waren wir noch überzeugt, dass selbst den Frachtschiffen auf dem nahegelegenen Rhein hier ein Dienst erwiesen wird und ein Leuchtturm den Weg in der Dunkelheit weist, warnt, hier nicht versehentlich zu stoppen. Aber der vermeintliche Leuchtturm am oben bereits genannten griechischen Restaurant ist de facto ein Wasserturm gewesen, der zwischen 1894 und 1952 als Wasserspeicher für das benachbarte Brühl diente. Nach der Eingemeindung Berzdorfs in die Stadt Wesseling 1961 gehörte der Turm spontan der Stadt, die ihn dann 1978 flott verkaufte.

Apropos Eingemeindung: Hürth-Efferen und Wesseling-Berzdorf eint ein hartes Schicksal: Sie gehörten beide zeitweise zum Kölner Stadtgebiet. Vom 1. Januar 1975 bis zum 1. Juni 1976 war Berzdorf echt kölsch. Es müssen wundervolle Monate gewesen sein. Weshalb das endete und weshalb die Stadt Wesseling zwischenzeitlich ihre Selbstständigkeit verloren hatte, das berichten wir dann in einem der kommenden Reiseberichte aus Wesseling (man muss, das wusste schon Theresa Orlowski, die Kunden ja bei der Stange halten).

Ohrwurm des Tages
Werden unsere Augen des sonntags oft auch nicht belohnt, unsere Ohren erleben Woche für Woche eine ekstatische Genussreise – dank „Absolut Bella“, dem DAB+ Sender des Wahnsinns. Immer, wenn man meint, schon alles gehört zu haben, belehren uns die findigen Musikschergen der „Absolut“-Senderfamilie eines Besseren. Das Duett von Bernhard „Mister Dauerwelle 1964-2024“ Brink und Audrey „Afton Cooper“ Landers aus der 1980er-US-Blockbusterserie „Dallas“ hatten wir noch nicht auf dem Schirm. „Heute habe ich an Dich gedacht“ singen die Beiden voller Inbrunst und denken dabei wahlweise an den Gerichtsvollzieher oder den Pförtner der Botoxfarm Texas-Mid-East. In Deutschland war das Liedlein des beherzten Minipli-Maskottchens und der Deutsch-Amerikanerin 1997 genau eine Woche in den Top-100-Charts, nämlich auf Platz 100. Sehen und Hören Sie selbst, weshalb:
„Absolut Bella“ scheint den Tag der debilen Duette ausgerufen zu haben, denn nach diesem Kracher in Stereo folgt der gemeinsame Song eines Paares, bei dem man sich auch fragt, weshalb die gemeinsam singen? Weil Minus und Minus am Ende Plus ergeben? Er hat die „kloane Tür zum Paradies“ aufgestoßen als sie noch ein „bayrisches Cowgirl“ war. Das war irgendwann in den 1980er Jahren. Weshalb nun aber Niki und der Lindner Patrick gemeinsam ein Remake des legendären „Mouth & MacNeal“-Songs „How do you do“ aus dem Jahr 1971 leidlich wiederbeleben – es bleibt ein Rätsel. Gemeinsam präsentiert haben sie ihr Werk beim fernsehgewordenen „Absolut Bella“-Pendant, dem ZDF-Fernsehgarten. Da bleibt keine Hose trocken:
Nach diesen wunderbaren Duetten genießen wir auf der Rückfahrt dann aber endlich auch mal wieder ein klassisches Oeuvre der Kategorie „Bumsschlager“. Jener lieb- und leblosen Zombiesongs, die möglichst unangenehm in die Beine fahren und bei der auch Gisbert und Gisela hemmungslos auf die 1 und auf die 3 mitklatschen. Nik P. drohte nach seinem (fast) Erstlingswerk „Einen Stern, der Deinen Namen trägt“ in der Versenkung zu verschwinden, aber dafür haben anscheinend zu Viele ihren Teller nicht aufgegessen, so dass der Herrgott nach den bekannten sieben nun eine achte Plage auf die Erde schickte. „Das Meer, der Wind und Du“ ist die musikgewordene Apokalypse des guten Geschmacks. Ein Song, dessen hemmungsloser Auto-Tune-Einsatz neue Maßstäbe setzt und dessen „offizielles Musikvideo“ jeden Wunsch nach Urlaub am Meer im Keim erstickt. Nichts für schwache Nerven. Am besten ohne Ton schauen, und – wenn vorhanden – die Brille absetzen: