Neue Woche, neues Glück. Beseelt von der Hoffnung im Brühler Stadtgebiet einen ansehnlichen Ort, eine Oase der Ruhe und Labsal für die Augen zu finden machen wir uns diesmal mit dem Ford-Mannschaftsbus nach Schwadorf auf. Ganz im Süden der Schlossstadt gelegen ist es die letzte Rhein-Erft-Bastion vor dem Rhein-Sieg-Kreis und den schlechtesten Autofahrern der Republik (also zumindest Westdeutschlands). Gottlob begegnet uns kein SU-nummernschildbeschlagenes Auto auf freier Fahrt über die A553.

Wir parken unseren 18-Tonner in irgendeiner Straße, an irgendeiner Ecke, wir haben uns den genauen Ort nicht gemerkt, das macht aber auch nichts, denn irgendwie will man das hier bereits nach den ersten Momenten auch gar nicht, sondern lieber gleich wieder losfahren. Wohin auch immer. Hauptsache weg. Aber: Wir sind vieles gewohnt, haben Bedburg-Rath und auch Hürth-Fischenich überstanden, da schaffen wir Schwadorf doch mit links. Die Pfarrkirche St. Severin ist ganz schmuck, im Gegensatz zur gleichnamigen Sängerin („Oh lalalalamour, der Zirkus fängt schon wieder an“ – die deutlich Älteren werden sich erinnern. Oder – je nach Alter – auch wieder nicht mehr…)

Uns deucht die Schwadorfer haben des abends entweder viel zu feiern oder eben auch nicht und spülen den Kummer ob dieses Zustands wagemutig hinunter. Mit allem, was es im Edeka Breuer im benachbarten Walberberg an der Drängelkasse gibt. Oder aber die während unseres Besuchs anstehenden Kinderkommunionen werden in Schwadorf einfach sehr rustikal begangen. „Nehmet und trinket alle davon, das ist mein Jägermeister, der für euch vergossen wurde.„

Ansonsten besticht der Ort mit seinen gut 1.700 Menschen in 479 Gebäuden (wir haben durchgezählt) durch wenig, das die typisch-rheinische Bauweise unterbricht oder gar auflockert. Entstanden ist Schwadorf im zwölften Jahrhundert und bestand lange eigentlich lediglich aus zwei größeren Gutshöfen. Die überstanden Pest und französische Besatzung, heute weiß man nicht mehr, was schlimmer war und stehen auch heute noch stadtbildauflockernd am Brühler Firmament.

Besonders reich ist allerdings das Vereinsleben in dem kleinen Brühler Ort. Eine Dorfgemeinschaft derart aktiv, das hat es seit dem Ende der „Lindenstraße“ in der ARD kaum noch gegeben. Die tägliche Nahversorgung in Schwadorf ist allerdings recht eingeschränkt. Einen Supermarkt haben wir leider nicht erblicken können, dafür kann man sich aber mit dem, was der „Gasthof Krayer“ anbietet existenziell über Wasser halten. Insbesondere das Kölsch+Currywurst-Angebot ist herausragend und lohnt einen Besuch sicherlich.

Wer nun sagt: Mensch, Currywurst und Jägermeister en masse – das klingt nach einem feinen Besuchsziel, da muss ich hin – dem sei gesagt: Obacht! Bei der Eingabe der Destination in diverse Routenplaner muss Vorsicht walten, denn in Niederösterreich befindet sich ein gleichlautender Ort oder wie die Ösis sagen „Marktgemeinde“. Einwohnerzahl und selbst Telefonvorwahl sind sehr ähnlich zu der von Brühl-Schwadorf. Nicht, dass es da zu Verwechslungen kommt.


Fazit: Schwadorf fehlt nicht nur ein „n“, sondern auch ein tüchtiger Stadtplaner, der sich noch nicht selbst aufgegeben hat, sondern Visionen leben lassen möchte. Wer aber ein unauffälliges Leben im Schutz der Anonymität sucht, dem sei ein Umzug hierhin ans Herz gelegt. Oder auch all denen, die gerne viel Kölsch und Currywurst zum Festpreis in einem vordefinierten zeitlichen Rahmen genießen möchte. Wie auch immer: Gute Anreise und nicht versehentlich nach Österreich durchbrettern.
Ohrwurm des Tages
Eine jede Fahrt nach Schwadorf versüßt gekonnt-schadhaft der Sender des sinistren Geschmacks „Absolut Bella“. Diesmal bescheren uns die versierten Kollegen der Musikredaktion des Wahnsinns beispielsweise einen Song von Louis Prima. „Buena Sera Signorina kennt wohl ein Jeder und auch eine Jede. Doch, wer weiß schon, dass Louis Prima im Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“ auch den Affenkönig „King Louie“ sprach und das Stück I Wan’na Be Like You gesungen und an der Trompete begleitet hat? Sie jetzt. Weil Sie diesen Blog aufmerksam lesen. Fantastisch. Ein toller Gesprächseinstieg für jede zwanglose Dinnerparty.
Während der Heimfahrt donnerte aus den wuchtigen Lautsprechern unseres Trucks Musik, die sofort an die legendäre „Spider Murphy Gang“ erinnert, allerdings von der weitgehend vergessenen deutschen Rockabilly-Combo „The Ace Cats“ stammt. Die Jungs aus dem Ruhrgebiet waren in den 80ern mindestens so unstet wie leidlich berühmt. Sie gründeten sich 1980, lösten sich 1985 auf, nur um sich 1988 neu zu gründen und sich 1989 abermals zu trennen. Auch eine neuerliche Reunion 1996 flammte nur kurz, bereits 1997 gingen sie wieder getrennte Wege. Wir genossen ihren Hit „Linda“.