Hallo Heide

Brühl! Heute geht es endlich nach Brühl. Was haben wir uns darauf gefreut. An jedem verregneten Tag in dunklen Tagebaurandgebieten war uns immer bewusst: Es kommen auch bessere Tage, schönere Ausflugsziele. Und die waren – zumindest in unseren Gedanken – im Brühler Stadtgebiet verortet. Aber, wie so oft Leben, wird man enttäuscht. Doch der Reihe nach. Der Omnibus des kleinen Mannes spuckt uns an diesem graubestrumpften Fastfrühlingstag in Brühl-Heide aus. Wir denken erst an Heide Keller (Gott sei ihrer Seele gnädig), an die Heidekönigin a.D. Jenny Elvers (Prost)und auch an Heidi Brühl. Entgegen ihres größten Liederfolgs wollen wir aber schnell auseinandergehen bzw. überhaupt wieder gehen. Weg aus Heide, weg aus dieser betonierten Banlieue.

Klingelpütz. Haltestelle ohne Einstieg

Dabei ist es gar nicht so einfach Brühl-Heide zu finden. Diametral unserer Gewohnheit müssen wir auf der Luxemburger Straße (B265) von 230 km/h runterbremsen, die Ausfahrt nicht zu verpassen. Etwas versteckt hinter dunklen Ecken liegt der Ort, der scheinbar nicht gefunden werden will. Wir werden später einsehen, dass sein Wille besser geschehe. Da wir auch viele Zahlenfanatiker, Nerds und Geologen auf unserem Blog regelmäßig willkommen heißen („Hallo Familie“) werfen wir hier nun zwei Zahlen in die Story, die der weiteren Erzählung zwar keinen Impuls geben, aber auch nicht sonderlich stören. In Heide leben rund 1.400 Menschen und im Winter muss die Schneefallgrenze auf 97 Meter über Normalnull sinken, dass es hier weiß wird.

Keine Treppe, keine Tür. Nur: Was wollte der Stuckateur eigentlich?

Viel Schnee würde hier auch viel helfen. Wir durchschlendern die Villestraße auf dem Weg zur Hochstraße und fragen uns, ob auch nur eines der Häuser von einem ausgebildeten Architekten jedweden Geschlechts entworfen und gebaut wurde. Vielleicht waren aber auch nur viele Bauherren und Damen leicht angeschickert als sie die Bauzeichnungen spontan umwarfen, es bleibt ein Geheimnis. Dafür bietet der Ort jetzt aber viel Überraschendes.

Prima Ort für einen Mittelalterweihnachtsmarkt

Die Klosterstraße deutet heute noch auf die frühe Entstehungsgeschichte des Ortes hin. Einst nur ein kleiner Weiler am Rande der rheinischen Hoffnungslosigkeit, entstand durch den Zuzug vieler weltlicher Hilfskräfte des 1207 gegründeten Zisterzienserinnenkloster Benden ein erster Ort. Ein paar Bauten erinnern auch heute noch an alte Zeiten, Zeiten vor der Braunkohlegewinnung. Zeiten, in denen der Architekturkunst Mächtige anspruchsvolle Bauwerke in die Landschaft fügten.

José Feliciano wünscht frohe Weihnachten

Mittlerweile muss man nicht mehr gesondert erwähnen, dass der geschätzte Rhein-Erft-Kreis jahrzehntelang sehr gut von der Braunkohleförderung und auch Verfeuerung gelebt hat. Hier sah es bis weit in die 1980er Jahre aus wie in der „Weiße Riese“-Werbung, also….die „Vorher“-Bilder zumindest. In Brühl-Heide reicht die Geschichte der Braunkohleförderung dagegen noch viele Jahre weiter zurück. Noch vor Beginn der Industrialisierung 1870 hat man hier die Kohle per Hand und mit Hilfe von Körben aus dem Boden geholt. Klingt irgendwie nach frühen Renteneintrittsjahren hier einst.

Am Himmelreich ist Parkverbot

Heute verdankt der Ort letztlich der Kohleförderung seine Landschaft und seine adretten Naherholungsgebiete wie den „Heider Bergsee“. Dort lohnt tatsächlich ein schöner Spaziergang. In knapp sieben Kilometern hat man den See umrundet, also in etwa fünf bis sechs Stunden (Pausen nicht eingerechnet).

Touristenidyll nach rheinländischer Art

Wer des Wanderns müde ist, findet hier schnell eine Einkehrstätte und auch einladende Übernachtungsherbergen, die in Sachen Charme und Gemütlichkeit ganz neue Wege gehen.

Alles hat einmal ein Ende

Heide – man könnte noch so viel schönes schreiben, einzig es würde dem Ort nicht gerecht. Auf Wiedersehen. Vielleicht. Eher aber nicht.

Wer hat Tamara S. gesehen?

Ohrwurm des Tages

„Los Wochos“ bei „Absolut Bella“. So international wie auf unserer Heidefahrt ward der Sender des schadhaften Lächelns noch nie. Wenn ein Tag sonntags um 10:35 Uhr mit Harry Belafonte und seinem medusartig aus dem Revers züngelnden Brusthaar startet, was soll da noch schlimmes passieren? Wir hätten angenommen, „Absolut Bella“ spielt die deutschsprachige Version des Klassikers aus der Feder Udo Jürgens‘, aber mitnichten. Wir genießen das Original. Matilda!

„Sag mir quando, quando, quando“ – so hat sich Caterina Valente in unsere Herzen gesungen und dort unangenehm festgesetzt. Damals gerne noch ohne ihren Silvio-Bruder. Pfiffige Zeitgenossen können anhand des Titels schon ahnen, dass jenes unschuldige Liedchen vielleicht nicht aus dem deutschsprachigen Raum kommt, sondern eher in Richtung des Teutonengrills geschrieben wurde. Dort beschränkte man sich auch auf nur ein Wort im Titel, investierte aber in gleich drei Sängerinnen bzw. Sänger. Ein Ohrwurm ist der Song aber auch auf italienisch.

Kurz vor unserer ersehnten Heimkehr überrascht uns „Abolut Bella“ mit einem weiteren fremdländischen Titel! Was ist heute los? Wo sonst Wolle Petry verlässlich das Ruhrgebiet verwünscht oder Rolle Kaiser von koitalen Abenteuern fiebert, da erklingen heute viele italienische Barden. Jetzt von der Gruppe „Homo Sapiens“, die beweist, dass nicht alle dieser Gattung bereits aufrecht gehen. Genießen Sie mit Begeisterung folgenden Song. Wir bitten allerdings nicht zu sehr auf den zum Beginn singenden Gebissverweigerer mit der kariösen Kauleiste zu achten, sondern auf den Herrn neben ihm. Eine echte Kreuzung aus dem verschollenen vierten Bruder der Amigos und dem einstigen Lead-Sänger der kölschen Sangescombo „De Räuber“. Viel Vergnügen.

Veröffentlicht von kaiwimmer

Gern unterwegs

Hinterlasse einen Kommentar