So ein herrlich grauer, wolkenverhangener und tröpfchenregenfeuchter Wintertag bietet die perfekte Kulisse für einen ausgiebigen Ausflug in den südöstlichen Rhein-Erft-Kreis, genauer gesagt nach Friesheim. Ein Ort, den man gerne vergisst, wenn man die grünen Auen Ahrems genossen und die blühenden Böden Bliesheims durchstriffen hat. Dabei bietet der Erftstädter Ortsteil einiges, was man anderswo auch nicht finden möchte. Was man wirklich schnell findet, das sind Parkplätze und so stellen wir unseren Reisebus der guten Laune direkt im Ortsinneren am Friesheimer Brunnen (außer Betrieb) ab und genießen einen besonnenen Blick auf den Rotbach – die örtliche Fischwasserversorgung, die später in Dirmerzheim in die Erft mündet. Jener Fluss, der kurz darauf bei Neuss im Rhein sein Ende findet, welcher wiederum in die Nordsee und damit bald schon in den Atlantik aufgeht. Friesheim liegt also quasi am Meer.

Dieser zentrale Platz im 3000-Seelen-Ort bietet neben einem versiegten Brunnen der Kategorie „Stahlschrott hochgestapelt“ einen Kinderspielplatz und ein, sagen wir mal, Rondell. Da während unserer Visite niemand vor Ort zugegen war, ließ sich nicht abschließend klären, ob dieser erhöhte Kreis als Bühne für das sonntägliche Platzkonzert des „Tuba Clubs Rotbach“ gedacht ist oder als Stätte für die samstäglichen äußerst beliebten Hexenverbrennungen.

Wir suchen schnell das Weite und schlendern den Hubert-Vilz-Platz entlang, bis wir an der sogenannten „Weißen Burg“ enden. Der Name ist leider Wunschdenken, vielleicht könnte ein Trupp osteuropäischer Fassadenreiniger mit seinen Hochdruckgeräten dem Namen des Bauwerks wieder zu neuem Glanz verhelfen. Schließlich gilt es doch die Burg zu erhalten, ist sie doch einziges Relikt einer ganzen wasserumwehrten Burgenfamilie, die einst auf Friesheimer Grund Platz fand. Mehr als zehn solcher Anlagen soll es Karten aus dem 19. Jahrhundert zu Folge hier einst gegeben haben. Leider finden wir an diesem Sonntag keinen Zeitzeugen, dies zu bejahen. Sind scheinbar alle beim 324. Pfählfestival im benachbarten Erp.

Wie so viele Ort des heutigen Erftstadts hatte auch Friesheim im 17. und 18. Jahrhundert kleinere gesellschaftliche Probleme, entstanden durch zahlreiche Truppendurchmärsche, Einquartierungen und Plünderungen. Der damals verloren gegangene Reichtum, er ist leider nie zurückgekehrt. Das merken Ortsunkundige alleine schon bei Betrachtung der einst schönsten Straße Erftstadts. Man möchte sich nicht ausmalen, wie es denn in Kierdorf, Borr oder Frauenthal auszusehen vermag.

Die Schönheit liegt aber oft auch wie ein Gerstenkorn im Auge des Betrachters und man möchte nicht darüber streiten. Vieles wird ja zum Abend hin auch schöner, dann wenn die Dunkelheit ihre schweren Flügel über den Rhein-Erft-Kreis legt. Oder dann, wenn im „Dorfkrug“ wieder mannig Freibier ausgeschenkt wird. Oft kann auch ein kursierender Prügel Hasch am Stammtisch das eigene Betrachtungsempfinden ins Schöne gleiten lassen. Aber: Schönheit ist vergänglich. Das haben auch Friesheimer festgestellt und der Nachwelt quasi zur Warnung auf die Fassaden geschmiert.

Das Vereinsleben in Friesheim ist bis heute aber reich und aktiv. Wer dem schnöden Dasein am gefliesten Couchtisch entfliehen möchte, der findet Heimstatt in einem der vielen Vereinsheime. Und so gilt auch in Friesheim: „Am schönsten is et, wenn et schön is!“

Ohrwurm des Tages
Unser treuer Begleiter auch in schummrigen Gegenden ist „Absolut Bella“, die Radiostation des Wahnsinns. Diesmal bescherten uns die ausgewieften Musikredakteure das Oeuvre einer Band, die Anfang der 1970er Jahre mit einem umgedichteten Coca-Cola-Werbesong wochenlang auf Platz 1 der Charts in Großbritannien verweilte. Mit ihrer Version von Never Ending Song of Love kletterten sie auf Platz zwei und durften kurz darauf beim ESC auftreten. Auch dort landeten sie auf dem zweiten Platz. Vielleicht muss man ihren ersten großen Hit auch zweimal hören, um ihn zu mögen…
Damit nicht genug, bescherte uns „Absolut Bella“ einen weiteren Song, der uns in einer 70er-Jahre-Zeitschleife gefangen wähnen ließ. Die „Carpenters“, die us-amerikanische Version von „Al Bano und Romina Power“ waren damals DAS Super-Duo der Pop-Welt und kaum jemand kann bis heute ihren Weihnachtssongs entkommen. Für den Themenbereich „Deep in Africa“ des Phantasialands haben sie aber damals folgenden Song konzipiert (wahrscheinlich) und führen uns bis heute vor Augen, wie unfassbar nervend Querflötentöne sein können.