Ja, wo laufen Sie denn? Diese – dem Großmeister des deutschen Humors entlehnte- Frage konnte man sich in den vergangenen Wochen, ja sogar Monaten, schon mal stellen, war es doch erstaunlich ruhig hier. Erst war Sommer, dann war Arbeit, dann kam noch Krankheit hinzu, kurzum: Wir konnten unserer gemeinsamen Leidenschaft nicht nachgehen und es hat uns schwer zu schaffen gemacht. Somit haben wir beschlossen, unsere erste Wanderung seit Äonen durch einen Ort zu machen, der in Sachen Schönheit und Anmut seinesgleichen sucht. Es ist dann doch Pütz geworden, aber hey, man soll da weitermachen, wo man aufgehört hat, oder?!

Symbolbild
Pütz gehört zur Stadt Bedburg und die meisten Menschen kennen es, wenn überhaupt, nur vom Vorbeifahren. Der Ort kuschelt sich eng an die L279, weiß sich aber dennoch geschickt zu verstecken. Fährt man schneller als 70km/h ist man so schnell an Pütz vorbeigefahren, dass man es gar nicht bemerkt hat. Dabei lohnt sich ein Abstecher in dieses pittoreske Dörfchen durchaus, vor allem, wenn man individuelle Fassadengestaltung, Sackgassen und Statuen aus Mamor-Imitat zu schätzen weiß.

Eleonore hatte es trotz der Ermahnungen ihrer Eltern nicht mehr vor Sonnenaufgang in die Gruft geschafft.
Wer des Kölschen mächtig ist, weiß, das der Begriff „Pütz“ einen Brunnen bezeichnet und so lässt sich schnell schlussfolgern, dass dieser Weiler ein Quell der Fruchtbarkeit und des Lebens in all seiner Pracht ist. Fast. Pütz ist, drücken wir es mal vorsichtig aus, beschaulich und ruhig. Wer das einfache Leben zu schätzen weiß, sich am liebsten mit dem versorgt, was der Garten hergibt oder unbehelligt eine eigene Drogenfarm betreiben will, findet hier sein Glück. Wer hingegen eine Bäckerei, vielleicht sogar ein Kreditinstitut oder gar eine Apotheke braucht, um zufrieden zu sein, wird hier von Tag zu Tag trauriger werden. So wabert dann auch eine Mischung aus dem Duft von Lilien, Sonntagsbraten und etwas Verzweiflung durch die Gassen von Pütz, während wir den Ort erkunden.
Den weißen Wirbelwind parken wir in der Hochstraße, das aber erst, nachdem wir durch alle fünf Straßen des Dorfes gefahren sind, um nach einem geeigneten Standplatz Ausschau zu halten. Gerade in kleineren Orten gilt es, sich als Fremder mit Vorsicht den Ureinwohnern zu nähern. Allzu schnell wird man als Eindringling wahrgenommen, die Bürgerwehr wird rekrutiert und bevor man sich versieht, wird man mit Mistgabeln und brennenden Pechfackeln aufs Feld gejagt. Alleine dadurch, dass wir in Pütz nicht mit dem Traktor einfahren, machen wir uns schon verdächtig. In solchen Fällen geben wir uns immer als Ornithologen aus, die auf der Suche nach seltenen Vögeln sind. Davon gibt es in Pütz einige.

Es ist still geworden in Pütz, seitdem Lilli Marlen nicht mehr unter uns weilt.
Unser Weg führt uns zur Kapelle St. Nepomuk, die in all ihrer neugotischen Pracht erstrahlt. Wir sind ja beide römisch-katholisch geprägt, wurden von Mosignore Lange unter die Fittiche genommen und der eine ins Messdiener-Gewand und der andere in den Kirchenchor gesteckt, aber bei Nepomuk denken wir trotzdem an Hallo Spencer. Die Älteren werden sich bestimmt erinnern, den Jüngeren sagen wir mal wieder: „Ihr habt eine Menge verpasst, Freunde.“
Die Hochstraße wird zur Nepomukstraße und schließlich zum Feldweg, der von ein paar kleinen Häuschen gesäumt wird. Hier zeigt sich sehr schön, zu welchen architektonischen und gestalterischen Meisterleistungen der Mensch fähig ist, wenn man ihm einfach freie Hand lässt. Ein liebendes Paar hat sich neben dem Hauseingang einen kleinen, komplett verglasten Austritt errichtet, auf dem sie nun ein spätes Frühstück genießen. So viel Gefühl auf nur zwei Quadratmetern lässt unsere Herzen höher schlagen.
Ganz egal, in welche Richtung man in Pütz geht, irgendwann befindet man sich auf freiem Feld. Diese Erfahrung machen wir an diesem Sonntag gleich mehrmals. Mal laufen wir zwischen Pferdekoppeln entlang, auf denen die Zossen die Köpfe mit Jutesäcken verhüllt haben, mal passieren wir einen Kartoffelacker, auf dem noch zahlreiche Feldfrüchte zu finden sind und unser Mittagessen damit gesichert ist.

Nicht im Bild: Inka Bause und das gesamte Team.
Irgendwann landen wir in der Laubenstraße, die ihren Namen der -neben der Nepomuk-Kirche- zweiten Sehenswürdigkeit von Pütz zu verdanken hat. Hier thront die jahrhundertealte Taxuslaube, die schon von Friedrich III. besichtigt wurde. Wahrscheinlich wird er ähnlich unterwältigt gewesen sein wie wir. Ist halt ein Baum, aber wem es gefällt…
Pütz hat derzeit 311 Einwohner. Außer den beiden, die in ihrem Aquarium gefrühstückt haben, konnten wir keinen entdecken. Es gibt auch wahrlich nicht viele Gründe, das Haus zu verlassen. Das letzte Mal kamen die Menschen des Dorfes wohl zusammen bei der Hexenverbrennung. Der Fall der Mutter Jechen, die als Hexe verleumdet, gefoltert und schließlich hingerichtet wurde, ist historisch verbürgt und zeigt rund 550 Jahre später noch ganz eindrücklich, wohin Paranoia und Hetze führen können. Viele tragen diese effektvollen Werkzeuge ja auch heute wieder im Gürtel.

Das örtliche Kosmetik- und Haarstudio wirkt einladend und freundlich.
Zurück zu Pütz. Wir haben alles gesehen und man muss ehrlicherweise festhalten, dass alles soweit ganz in Ordnung war. Außer ein paar Orchideen im Wohnzimmerfenster und ein paar fragwürdigen Hausanstrichen konnten wir keine dramatischen Beleidigungen fürs Auge feststellen. Ja, der verglaste Austritt von Horst und Dagmar war fragwürdig, aber wenn die beiden doch Spaß daran haben?! Pütz ist vielleicht die Reiswaffel unter den Orten des Rhein-Erft-Kreises. Kann man mal machen, tut nicht weh, prägt sich aber auch nicht ein. Ein guter Wiedereinstieg.

Stiller Protest gegen Robert Habeck und seine Partei.
Wir sprachen über:
- Das Sommerinterview einer Schweizerin, die seit über 20 Jahren mit einer Frau zusammen ist. Mehr Raum wollen wir diesem Wesen an dieser Stelle nicht geben.
- Die herannahende Premiere der Miniserie Club las Piranjas. Wir freuen uns drauf, haben aber auch gleichzeitig ein wenig Sorge. Bald werden wir mehr wissen.
- Unseren vergangenen Ausflug in das Wunderland Kalkar, der wie die Besichtung der betongewordenen Depression war. Vielleicht schreiben wir an diese Stelle auch mal darüber.
Ohrwurm des Tages
- Zunächst schmettert uns Dean Martin „Volare“ entgegen und wir singen begeistert mit.
- Dann aber kommt der gute Engelbert um die Ecke und präsentiert uns ein Lied, das bis jetzt komplett an uns vorbeigegangen war. „Les Bicylettes de Belsize“. Wie der Schreiber dieses Textes im Nachhinein festgestellt hat, gibt es wohl eine französische und eine englische Version des Liedes, das zum Soundtrack des gleichnamiges Filmes gehört. Auf der Fahrt wunderten wir uns noch, warum die Titelzeile der einizig französische Teil des Liedes ist. Bei Engelbert ist alles möglich. Wir laden hiermit ein zum Walzer: