Wie sang Schlagerbärchen Andy Borg noch 1989? „Es war Sonntag“. Ja, es ist mal wieder Sonntag als wir frohen Mutes in Richtung Zieverich aufbrechen. Zieverich gehört wie Kenten zur Kreisstadt Bergheim, verdient aber einen extra-Besuch und eigenen Artikel. So unser Glaube. Ein Irrglaube, wie sich mittlerweile herausstellt. Dafür wissen wir nun, wo man des morgens Kaffse draußen nicht im Kännchen, sondern direkt in einer stattlichen Kanne bekommt. Ist auch was wert.

Der Fahrer des heutigen Tages parkt seinen Truppentransporter in der Banlieue des hiesigen Wohnparks, fußläufig zur DER Sehenswürdigkeit des zweiterfolgreichsten Sohnes der Stadt: Dem „Lukas Podolski“-Mausol…äh…Sportpark! Gönneröser Weltmeister, der er ist, hat „der Lukas“ nie vergessen, wo er herkommt und hier eine Beschäftigungs- und Verweilstätte auch für Heranwachsende errichten lassen. Sehr zu unserer Verwunderung ohne Installation einer „Mangal Döner“-Filiale. Sattgrün leuchtet das Grün des Platzes, gepflegt, dass man fast geneigt ist, den Golfschläger rauszuholen.

Jetzt mag sich der ein oder die andere fragen, wer denn nun der erfolgreichste Sohn der Stadt Bergheim bzw. des Stadtteils Zieverich sei. Nun, wir sagen an dieser Stelle nur: „Adios Amor“, „Die berühmten drei Worte“ und „Angelo Mio“. Deutschlands beliebtester Sänger mit Teppichflorfrisur, der Godfather of „Klatschen auf die Zwei“, der menschgewordene „Lilalaunebär“: Andy Borg! Geboren im eher minderschönen Wien hört er eigentlich auf den Namen Adolf Andreas Meyer. Er hat dann aber schnell erkannt, dass einem österreichischen Staatsbürger mit Vornamen Adolf in Deutschland (West) nicht mehr unbedingt alle Türen offen stehen und sich umbenannt.

Zieverich zeichnet sich wie viele andere Stadtteile der Kreisstadt Bergheim dadurch aus, dass scheinbar alle Stadtplaner wegrationalisiert worden waren. Niemand, der sagt: Lasst das mal lieber, sieht Kacke aus! Und so formieren sich hanebüchend hagere Hochhäuser neben ebenholzfarbenen Einfamilienhäusern. Die Straßen sind mal schmal wie die Taille der jungen Sophia Loren, mal ausladend wie ein mittlerer us-amerikanischer Highway. Dazu wird sehr häufig darauf hingewiesen, dass Müll und Schutt (Unrat) abzuladen verboten sei – einzig: Viele halten sich nicht daran.

Die knapp 5000 Einwohner eint aber, so scheint es, die Vorliebe für anonyme Hochhausschluchten und steinernde Vorgärten der Kategorie „Insektentod“. Nach Hürth ist dies nun der zweite Ort, der sich bei der Parkplatzgestaltung amerikanische Motels zum Vorbild genommen hat. Motto: Ich muss vom Küchentisch aus den Kofferraum meines SUVs öffnen können und beim Einschlafen die wohlige Wärme des Zwölfzylinderauspuffs spüren! Stark.

Wer des abends oder auch des nachmittags (viele Ortsansässige genießen hier den Luxus ausufernder Tagesfreizeit) kulturell etwas erleben möchte, der ist hier leider vergebens auf der Suche. So heißt es unter dem Abschnitt „Kultur“ bei Wikipedia:
„Bedingt durch die Nähe zur Bergheimer Innenstadt ist Zieverich arm an eigenem Kulturleben.“
Wikipedia

Das Schöne am Rheinland sind ja seine lange Zivilisationsgeschichte bis zurück ins Römische Reich, seine Burgen und Schlösser, die allgegenwärtige Geschichte in den Bauten und Denkmälern. Nicht so in Zieverich. Wir zitieren erneut:
„Zieverich ist trotz langer Geschichte arm an Baudenkmälern.“
Wikipedia

Wen also mal die Sehnsucht nach einer Gegend ohne allzuviel aufregendes packt, wer gerne ebenerdige, weite Straßen mag und zudem echter Fan des erfolgreichsten deutschen Fußballers und Dönermogul in Personalunion ist – dem sei ein Ta…eine Stunde in Zieverich empfohlen.

Wir sprachen über:
- das unrühmlich-siechende Ende einer einst erfolgreichen deutschen Politittalkshow.
- die Tatsache, dass nicht jede Konzertbesucherin von älteren Herren „beglückt“ werden möchte
- anstehende Sommerreisen zum Durchlüften unseres geistigen Seins
Ohrwurm des Tages
„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur“ ist oft genug das Motto unseres Sonntags-Sender des schadhaften Lächelns. Diesmal genießen wir ein Frühwerk unserer spätberufenen Lieblingsheilpraktikerin Juliane Werding. Es entstand irgendwann nach dem Vorausgehen eines gewissen Conny Kramers, dem auch mit Placebo-Zuckerkügelchen nicht mehr zu helfen war:
Laut, fröhlich, ausgelassen wird eine Rückfahrt wenn die Stimmungsgranaten von Ottawan loslegen und auf dem dritten Bildungsweg das Buchstabieren erlernt haben:
Folgendes Lied vernahmen wir leider nicht über „Absolut Bella“. Aber es passt hierhin. Aus Gründen. Wer das nicht checkt – noch mal zurück auf Los! Und keine 4000 Mark einziehen.