„Über sieben Brücken musst du geh’n, sieben dunkle Jahre übersteh’n…“ Selten (eigentlich nie) hat der alte Gassenhauer aus der maffayschen Liedversuchswerkstatt besser gepasst als an dem Sonntag, an dem wir uns entschieden einen heiteren Ausflug nach Erftstadt-Ahrem zu versuchen. Einer der kleineren Ortsteile der phantastischen Phantomstadt Erftstadt, der sich exakt in ihrem Zentrum befindet. Hier ist es weniger hektisch als im benachbarten Lechenich mit seinen hier ausbleibenden Möglichkeiten für Einkäufe oder zur Zerstreuung.

Der Ahremer an sich sucht das Idyll, arbeitet entweder nicht oder liebt das Pendeln in entfernte Gemarkungen wie Friesheim, Gymnich, Erp oder ländliche Ansammlungen von Häusern in der mäandernden Nordeifel. Weitere Möglichkeit, Ahrem in sein Herz zu schließen, wie einst Ilona Christen ihre Brillen, ist es sich hier als Reiter oder auch Reiterin niederzulassen. Nach den Stunden vor Ort ist uns klar: Ahrem ist DAS Eldorado für Hengst-Heroen und Vollblut-Verehrerinnen. Wir sehen mehr Pferde als Menschen (gut…dafür hätten auch schon drei Ponys gereicht), allüberall liegt ein würziger Duft in der Luft und der geneigte Spaziergänger sollte stets einen Blick auf den Boden werfen, wenn ihm seine handgenähten Louboutins etwas bedeuten.

Ross und Reiter zieht es allerdings gern in die Nebenstraßen, denn die Hauptstraße ist mit der B265 eine doch recht gut frequentierte Straße. Hier treffen sich Trecker, Mähdrescher, Eselskarren und Kutschen, hier tobt das Leben, hier findet sich keine Vielzahl von Geschäften des täglichen Bedarfs. Wer hier wohnt, für den ist der morgendliche Gang aus der Haustür ein Tanz auf dem Vulkan. Auf neumodische Erscheinungen wie Gehwege oder Bürgersteige haben die örtlichen Stadtplaner verzichtet und stattdessen jeden Taler in kleine Stege und Brücken investiert.

Denn neben Pferden, zählen wir hier auch zahlreiche Brücken, die meist über den sich durch den Ort schlängelnden Rotbach führen. Theoretisch könnten sportliche Einheimische den Bach auch mit einem beherzten Sprung überqueren, aber seit einst der Ortsvorsteher Gangolf Föttschesföhler nach einer ausgelassenen Walpurgisnachtfeier im örtlichen Hotel „Zum Ochsen“ beim Versuch eine Abkürzung zu nehmen mit dem Gesicht nach unten im Gewässer elendig verendete, hat man den Bau diverser Brücken veranlasst.

Die Flutkatastrophe des Sommers 2021 hat auch in Ahrem ihre Spuren hinterlassen. Wie in so vielen Erftstädter Stadtteilen schwollen hier die Bäche an, wie sonst nur die Halsschlagader Olaf Scholz‘, wenn befreundete Länder nach Panzerlieferungen fragen. Wenngleich die Auswirkungen hier deutlich geringer ausfielen als beispielsweise in Erftstadt-Blessem, so erinnert doch auch hier eine Stele an die schwierige Zeit. Kleiner Pro-Tipp: Die Tür lässt sich nicht öffnen…

Im Jahr 750 vor Christi Geburt begann die sogenannte Eisenzeit in Nordeuropa. Leserinnen und Leser wie Sie wissen das freilich – wir wollen Sie mit diesem Seitenpfad unserer Geschichte aber nicht unnötig langweilen, sondern darauf aufmerksam machen, dass in eben jener Zeit die erste Siedlung auf heutigem Ahremer Grund und Boden entstand. Reste aus jenen Tagen finden sich noch heute in der Franz-Xaver-Mauer-Straße:

Wer noch mehr über Ahrem in Erfahrung bringen möchte, der möge bitte unten stehende Infotafel unter Augenschein nehmen oder aber selbst den Weg in die schattige Ortschaft auf sich nehmen. Letzteres würden wir empfehlen, denn nur so lässt sich Ahrem mit allen Sinnen und ganz besonders dem Geruchssinn erfahren. Viel Freude und nehmen Sie gerne Gummistiefel mit.


Ohrwurm des Tages:
Wahre Connaisseure zeitgenössischer Musik finden ihr Ohrenlabsal sonntäglich in der „Absolut Bella“-Matinée. Diesmal werden wir verzückt vom Werk eines us-amerikanischen Pop-Duos, das den Karrierehöhepunkt bereits in den 1970er Jahren hatte. Was bleibt sind die Tatsache, dass eine von den Beiden perfekt das Metallophon beherrschte. Leider kommt es in dem Song, der uns die Fahrt nach Ahrem versüßte nicht vor:
Etwas gemächlicher, ruhiger, ja….ich möchte schreiben: gefühlvoller geht es dann auf dem Rückweg zu als aus den gebeutelten Autolautsprechern eine deutsch-rumänische Ballade trieft, die einem die Muttermale ins Gesicht schießen lässt. Meine Damen und Herren – genießen sie dies hier: