
Wohin soll man sonntags fahren, wenn man wirklich gar nichts mehr erwartet und einem zum Ende des ausklingenden Jahres alles egal ist? Erftstadt ist da immer ein guter Tipp und so zieht es uns diesmal in den Stadtteil Köttingen. Phonetisch irgendwo zwischen Köttel und dem rheinischen „kötten“ angesiedelt erscheint uns dies ein gutes Ziel an einem tristen Wintermorgen.

Wir parken unseren Vengabus der guten Laune dort, wo die Not zu Hause und noch nicht weg ist (Wortspiele aus der Hölle) und erinnern uns an die Latènezeit zurück als auf dem Gebiet des heutigen Köttingens die ersten Siedlungen entstanden. Gut 400 Jahre vor Christi Geburt war es Peterus Mayus, der hier einen Kolonialwarenladen gründete und fortan Kondensmilch sowie Kaffee verkaufte. Viel verändert hat sich seitdem nicht. Es war nicht alles schlecht.

Hungrige und ortsfremde Pilger können ihren Hunger und Durst heute am Ortseingang stillen. Aus Richtung Kierdorf kommend empfängt ein architektonisch herausfordernder „Penny“-Markt die Besucher. Gekonnt schmiegt er sich in die Ausläufer der Peter-May-Straße ein. Die örtliche Filiale einer regionalen Bäckereikette löst unser Magengrummeln allerdings nicht. Vielleicht war das Grummeln kein Zeichen von Hunger, sondern vielmehr ein Zeichen von Angst? Unbehagen? Argwohn?

Entlang des Weges „An der Schwarzau“ (Straßennamen können sie hier) führen uns unsere Geruchsnerven erst zum Reitstall Rosenblatt und dann den „Längsbusch“ (siehe oben) flanierend in Richtung Hotel „Am Joch“. Ob der Name aus alter landwirtschaftlicher Verbundenheit gewählt wurde oder hier auch Liebhaber von einengenden Erwachsenenspielzeugen auf ihre Kosten kommen, das haben wir nicht herauszufinden vermocht. Für einen Ort, der gerne mal niedergebrannt ist (1642, 1672), entdecken wir auf dem gesamten Weg allerdings keine Aschenbecher – da ist Hürth-Efferen deutlich weiter (was hier bewiesen wird). Dafür gibt es andere Möglichkeiten Zigarettenkippen wegzustecken. Und nicht nur die.

Wir bewundern die örtlichen Sehenswürdigkeiten wie die öffentlich ausgestellte Brikettpresse „Ville I“ der Brikettfabrik „Knapsack“ aus dem Jahr 1915, den Annagartenplatz und natürlich die Peter-May-Halle (Pilgerstätte der Kondensmilchbegeisterten) an der Franz-Lehnen-Straße. Weshalb diese nicht in der „Peter-May-Straße“ errichtet wurde, bleibt ein Geheimnis. Wahrscheinlich geht es den Köttingern darum, Besucher zu verwirren, so einen unaufmerksamen Moment zu erwischen und ihnen alsbald die Reifen zu klauen. Aber das ist natürlich reine Mutmaßung.

Die rund 3.600 Einwohner jedweden Geschlechts jedoch erblicken wir an diesem Tage nicht. Tatsächlich treffen wir lediglich eine einsame Dame in auffälliger applikationsverzierter pinker Weste, die ihren Hund ausführt. Wer also gerne mal ohne jeglichen menschlichen Kontakt sein möchte und nicht bis zur Zombie-Apokalypse (Dienstag) warten möchte, dem sei ein Ausflug nach Köttingen empfohlen. Viel Spaß!

Ohrwurm des Tages:
„Warum nicht?“ – das müssen sich die Musikredakteure unseres favorisierten Hitradios „Absolut Bella“ gedacht haben, als sie es für eine gute Idee hielten einen Song auszugraben, den man nicht unberechtigt seit Jahren nicht mehr hören musste. Boney M. hatte gute Hits. Dieser gehört bis heute nicht dazu:
Ein Glas zu viel hatte vielleicht auch der Hitschreiber Andrea Bergs als er ihr einen Song auf den spärlich bekleideten Leib schneiderte, der ebenfalls ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Dagegen kämpft „Absolut Bella“ an und holt ihn in unser Bewusstsein, unsere Ohren, nicht aber unsere Herzen zurück.