It is Rheidt, but it’s okay.

Unser Ausflug an diesem Sonntag führte uns an die Grenze des Rhein-Erft-Kreises. Im Schatten des Kraftwerks Niederaußem liegt der Doppelort Rheidt-Hüchelhoven, von dem wir uns heute den ersten Teil mal genauer anschauen wollen.

Wieso die 17?

Während der Anreise ergehen wir uns schon in philosophischen Diskussionen. Radio Bella beschenkt uns mit Chris Roberts Gassenhauer Du kannst nicht immer 17 sein und uns fällt auf, dass es eine Vielzahl an Schlagern gibt, die dieses Alter zum Thema haben. Peggy March weiß, dass man da noch Träume hat, Peter Kraus hingegen behauptet, dass das Leben erst dann anfängt, während Udo Jürgens Frauen dieses Alters besonders anziehend findet, vor allem, wenn sie noch blond sind. Auch Bernd Clüver und Peter Maffay haben etwas dazu zu sagen, aber das führt dann doch zu weit.

Hinter dem Kraftwerk gibt es noch Hoffnung

Wenn man die hohen Türme des Kraftwerks hinter sich gelassen hat, wartet eine ganz neue Welt auf einen. Wirkte vorher alles noch trist und äußerst deprimierend, warten danach grüne Felder, saftige Wiesen und kräftige Bäume auf das noch kurz vorher beleidigte Auge. Rheidt wirkt einladend und auf den ersten Blick sehr idyllisch. Das Auto parken wir direkt am Dorfplatz, der von einigen historischen Gebäuden gesäumt wird. Es gibt Fachwerkhäuser und Backsteinbauten und alles schmiegt sich in holder Eintracht aneinander. Der Dorfplatz ist das Zentrum des Ortes und wird im Jahreskreislauf von der regen Ortsgemeinschaft hier oft bespielt. In der Vorweihnachtszeit muss es hier besonders schön sein.

Ein richtiger Köbes lässt sich von niemandem etwas sagen.

Während wir den Platz queren, fällt uns ein wadenhoher, weißer Hund auf, der die Tauben und Rabenvögel durch lautes Gekläffe vertreibt. Sein Besitzer versucht immer wieder, ihn zur Raison zu bringen und ruft mit unterschiedlicher Intensität: „Köbes, komm jetzt!“ Allein, Köbes kommt nicht. Wer seinem Hund den Namen der kölschen Schenkknechte gibt, sollte wissen, dass diese sehr selten auf Bitten und Flehen reagieren. Ein Köbes kommt, wann er möchte und tut, was ihm gefällt. Das hat er nun davon. So gehen wir also weiter, lassen Köbes und Herrchen hinter uns und biegen in die Straße „Am Hengert“ ein, wo uns auch schon bald das erste mit Orchideen bestückte Wohnzimmerfenster begrüßt. Auf manche Dinge ist halt einfach Verlass.

CSI Rheidt

Wir biegen in die „Brühlerstraße“ ein und passieren das ein oder andere Haus, bei dem wir uns nicht sicher sind, ob hier überhaupt noch jemand wohnt. Manche Vorgärten sind verwildert, aber sie sind immerhin grün. An der Ecke „Gertrudenstraße“ stellen wir fest, dass Rheidt anscheinend auch touristisch erschlossen ist. Eine Pension bietet hier sicher schier schmucke Unterkünfte an. Als wir hier ein Foto machen, werden wir von einem aufmerksamen Mitbürger angesprochen. „Was knipsen Sie denn hier?“ fragte er in einem Ton, den er sich wahrscheinlich durch das exzessive Schauen aller „Aktenzeichen XY ungelöst“ der letzten zwanzig Jahre antrainiert hat. Einer von uns geht einfach weiter, während der andere (psychologisch im Umgang mit schwierigen Zeitgenossen geschulte) dem besorgten Mann alles über diesen Blog und die Sonntagsspaziergänge erzählt. Nach zwei Minuten Monolog sagt der Herr: „Ja, dann machen sie mal weiter.“ und dreht sich um. Wiedermal ein Verbrechen verhindert.

„Das Fenster zum Hof“ wurde hier nicht gefilmt.

Wir gehen weiter ortsauswärts und finden uns schon bald auf dem Feld wieder. Es ist windig und alles sieht ein wenig aus wie in der Werbung für Caro-Kaffee. In der Ferne erkennen wir Büsdorf und andere Orte, die wir bereits durchwandert haben. Wir biegen zweimal links ab und gelangen über „An der Höferstraße“ wieder nach Rheidt zurück. Dabei passieren wir die Eventlocation „Kabelwerk“. Ungestörter kann man wahrscheinlich wirklich nicht feiern. Wenn wir diese Pandemie hinter uns gebracht haben und endlich mal wieder eine Techno-Trance-Metal-Ballermann-Sause steigen lassen können, wird das wohl im Kabelwerk sein. Ein Stückchen weiter erstreckt sich der Familienbauernhof Millianshof, der zum Verweilen und Genießen einlädt. Besonders begeistert sind wir von dem Tisch-Minigolf-Arrangement. Endlich kann Tante Agnes mit der steifen Hüfte und dem kaputten Knie auch mal wieder den Ball ins Loch prügeln, ohne sich dafür bücken zu müssen. So geht Inklusion. Zusätzlich gibt es Streichelzoo, Kettcar, ein tolles Hofcafé samt Laden und viele weitere Angebote. Außerdem steht hier ein Automat, an dem man sich auch nachts um drei noch ein Rumpsteak ziehen kann. Falls der kleine Hunger kommt.

Nach dem Besuch des Besamers nahm Sieglinde gerne noch eine Kleinigkeit zu sich.

Auf der Düsseldorfer Straße biegen wir nochmal links ab und gehen in Richtung Hücheln, das wir heute aber nicht besuchen werden. Am Ortsausgang von Rheidt stehen Mehrfamilienhäuser, die ein wenig so aussehen, als hätte man sie aus Versehen hier abgestellt. Zumindest verfügt wohl jede Wohnung über einen Balkon, wobei der Ausblick auf die Landstraße vielleicht auch nicht gerade der schönste ist. Drollig anzuschauen ist hingegen die individuelle Gestaltung der einzelnen Austritte. Mit nur ein paar Kunstblumen, Windrädern, Solarlichterketten und Wachstischdecken wird so aus einem simplen Balkon eine ganze Kirmes. Herrlich!

Familientreffen bei Prinzessin Jasmin und Aladdin. Keine lange Parkplatzssuche nötig-

Wandern mit Wild

Wir machen eine Kehrtwende (wenn man mich fragt, ein viel schöneres Wort als „U-Turn“) und gehen wieder Richtung Dorfpatz. Über „Am Gillbach“ erkunden wir noch die andere Ortsseite. Hier gibt es noch einige Vierkant-Höfe, die durchaus hübsch anzuschauen sind. Am Ende der Straße überquert man den Gillbach und befindet sich dann wieder auf freiem Feld. In einem eingezäunten Gehege entdecken wir H̶i̶r̶s̶c̶h̶e̶,̶ ̶R̶e̶h̶e̶, Wildtiere, die anscheinend hier gehalten werden. Wenn man nicht auch auf das Kraftwerk blicken würde, wäre es fast zu schön hier. Ganz in der Nähe befindet sich die Wasserburg Geretzhoven, die zu besuchen sich lohnt. Hier finden zahlreiche Hochzeiten, Firmenfeste und Märkte statt und wenn der Burgherr , Fakir Alyn, gut drauf ist, schwingt er auch schon mal seine flammenden Pompoms.

Und das Leben ist manchmal halt doch ein solcher.

Auf dem Weg zum Auto sind wir uns einig, dass Rheidt schon ganz schön ist. Wir wissen nur nicht, ob wir mittlerweile ob des ganzen Elends, das wir schon gesehen haben, leichter zu beglücken sind. Ist aber auch egal. Whitney Houston hat schon recht gehabt.

Für Sie in den Landtag. Oder in die nächste Kneipe.

Wir sprachen über:

  • Kinderserien. Besonders die Hörspiele unserer Kindheit. Entweder gibt es sie nicht mehr, oder sie wurden einer solchen Runderneuerung unterzogen, dass es keinen Spaß mehr macht. Gerade die Intros sind mehr als befremdlich. Bei Benjamin Blümchen wurde aktualisiert und die Biene Maja wird ja auch schon länger nicht mehr von Karel Gott besungen. Kennt eigentlich noch jemand die Geschichten von Arborex? Wer mir das Titellied vorsingen kann, bekommt von mir eine Übernachtung in der Pension Metz spendiert.
  • Diese mehr als sonderlichen Plastikstreifen in Eisdielen, die fälschlicherweise immer als Servietten bezeichnet werden. Was soll das? Die nehmen nichtmal einen Hauch Flüssigkeit auf. Wer erfindet so etwas? Viel schlimmer noch: Wieso wehrt sich denn niemand dagegen?
  • Auch über den Krieg, aber das tun wir alle gerade. Deswegen sind diese Spaziergänge so wohltuend. Es ist schön, wenn man sich mal ablenken kann und Gründe zum Lachen findet.

Ohrwurm des Tages:

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