A Grouven kind of love

Es gibt diese Orte, deren Namen man zwar kennt, von denen man aber nicht genau zu sagen vermag, wo sie eigentlich liegen. Man hat eine ungefähre Ahnung, ein Gefühl, aber sicher ist man sich nicht. So ging es uns mit Grouven. Wir wussten, dass es diesen Ort gibt, glaubten, schon einige Male daran vorbeigefahren zu sein, einer von uns konnte sogar berichten, dass er sich schon einige Male innerhalb der Ortsgrenzen befunden hat, aber wie wir dorthin gelangen sollten, war uns beiden schleierhaft. Es fühlte sich ein wenig an wie die Suche nach Shangri-La, als wir uns an diesem Sonntag aufmachten, um die Geheimnisse Grouvens zu erkunden. Mittlerweile wissen wir: Wenn es welche gibt, sind sie dem auswärtigen Auge gut verborgen. Aber der Reihe nach.

Grau, Grauen, Grouven

Wir parken das Auto, aus dem einer von uns mittlerweile immer schlechter aussteigen kann (und wenn wir ganz ehrlich sind, fällt es dem anderen auch nicht mehr so leicht), am Ortseingang auf der Römerstraße. Die heißt so, weil sie mal eine Römerstraße war. Im Prinzp besteht Grouven auch nur aus eben dieser Straße und dem sowohl phonetisch als auch optisch ästhetischen Brockendorfer Weg. Der Rest ist besserer Feldweg. Zunächst blicken wir auf Felder, dann wendet sich unser Blick der vor uns hingestreckten Römerstraße zu. Gesäumt wird sie von einer Mischung aus historischen Gebäuden, Quelle-Fertighäusern und dem ein oder anderen ehemaligen Bauernhof, den man zu durchaus ansehnlichen Behausungen umgebaut hat.

Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate!

Direkt am Ortsanfang schlägt mit dem „Grouvener Treff“ das kulturelle Herz des Ortes. Hier trifft man sich zum Frühschoppen auf ein Herrengedeck oder am Abend zum Herrengedeck. Essen kann man hier auch. Am Eingang fällt uns auf, dass hier akribisch auf die Einhaltung der Corona-Maßnahmen geachtet wird und die Menschen subtil an die Vorteile einer Impfung erinnert werden.

Sowieso muss man festhalten, dass in Grouven gerne vermittels diverser Schilder an die Bürger:innen appelliert wird. In einem Haus scheint sogar ein Schildermaler zu wohnen. Anders lässt sich das Fenster mit verschiedenen Botschaften kaum erklären.

Kalligraphiekurse auf Anfrage
Wer genau hinschaut, entdeckt noch geheime Botschaften der letzten römischen Wanderer.

Auf unserem weiteren Weg passieren wir die Kapelle St. Brigida und die gegenüberliegende Burg Grouven. Beide sind über 500 Jahre alt und erzählen von der einstigen Bedeutung des Ortes für Pilger und Geschäftsleute.

Das Naherholungsgebiet des Ortes ist der Grouvener Weiher. Hier tummeln sich bei schönerem Wetter als heute Angelfreunde, Familien und Erholungssuchende. Heute wirkt alles eher trostlos, aber wenn die Sonne nicht scheint, ist selbst Paris eine Müllkippe. Über „Auf dem Kamp“ gelangen wir zum westlich gelegenen Ortsausgang, der nach unserer Kehrtwende zum Ortseingang wird. Wir wandern über den Brockendorfer Weg zur anderen Seite des Ortes, die wir nach vier Minuten erreichen. In Grouven ist alles sehr gut fußläufig zu erreichen. Außer Supermärkte, Drogerien, eine Tankstelle, eine Schule, ein Kindergarten, ein Arzt und eine Apotheke, Da braucht man dann schon ein Auto, aber man kann eben nicht alles haben.

Widersprüchliche und irritierende Botschaften

Auf nach Elsdorf.

Weil wir von Grouven nun wirklich alles gesehen haben, besteigen wir unter lautem Stöhnen wieder unser Gefährt und fahren nach Elsdorf. Das Auto parken wir am alten Friedhof, den wir sogleich erkunden. Hier gibt es eine von wenigen Streuwiesen im Rhein-Erft-Kreis. Wer also den Wunsch hegt, seine Asche verteilen zu lassen, kann sich hier nach dem Ableben auf Büsche, Bäume und Pflanzen verteilen lassen, um dann vom Wind hinfortgetragen zu werden. Zugegeben, unter ästhetischen Gesichtspunkten ist der Friedhof eher ein Rohdiamant, aber das trifft auf die gesamte Stadt zu.

Wählen Sie zwischen klassischen und modernen Bestattungsformen.

Das Theatersensemble dell‘ arte, dem Dan seit 25 Jahren angehört hat hier in Elsdorf seinen Ursprung. Im Pfarrheim von Sankt Maria Geburt fanden damals die Proben für viele unterschiedliche Stücke statt, aber irgendwann hat das Ensemble dann den Absprung geschafft und ist nach Kerpen ausgewandert.

Im Frühjahr sicher herrlich anzusehen.

Elsdorf an sich ist alles in allem eher grau. Wie in vielen anderen Städten ist auch hier im Laufe der vergangenen Jahrzehnte der Einzelhandel weggestorben. Bemerkenswert ist die hohe Anzahl an Fahrschulen. Anscheinend ist das ein Business mit Zukunft. Auf der Köln-Aachener-Straße gibt es noch einige Geschäfte und das trotzige Union-Service-Kino, das es schafft, sich irgendwie über Wasser zu halten. Wir hegen beide die schönsten Erinnerungen an die kleinen, inhabergeführten Kinos im Rhein-Erft-Kreis, zu denen neben dem Union Service Kino auch das Capitol Theater Kerpen, das Berli in Hürth-Berrenrath und das Europa-Kino-Center in Bergheim gehören. Letzteres hat allerdings schon lange geschlossen.

Hier wird Service noch großgeschrieben. Und Union. Und Kino.

Wir gehen die Köln-Aachener-Straße bis zum Ende, drehen kurz nach der Hähnchenstube um und gehen dann wieder zurück. Irgendwie ist alles ein bisschen fad und wir verfallen in eine seltsame Lethargie. Man blickt hier abwechselnd auf die Zuckerfabrik oder den Tagebau. Selbst die Weihnachtsbeleuchtung, die hier noch immer hängt, ist von einer eigenartigen Beschaffenheit. Damit hohe Fahrzeuge die Straße passieren können, hat man die Sternschnuppen nicht zur Fahrbahn hin sondern in die entgegengesetzte Richtung angebracht. So sehen sie aus, als würden sie sich angeekelt voneinander wegdrehen. Wir suchen nach Aufheiterung, finden sie aber nicht. Selbst die zur Stadtverschönerung allerorts aufgestellten überdimensionierten roten Blumentöpfe können uns kein Lächeln entlocken. Also machen wir uns wieder auf in Richtung Friedhof und klettern dann wieder ins Auto, um nach Hause zu fahren.

Wir wachsen zusammen und wir vergehen zusammen.

Ohrwurm des Tages

Ohrwurm ist überhaupt gar kein Ausdruck. Auf Absolut Bella läuft während der Hinfahrt unter anderem Peter Petrels Hit „Ich bin viel zu bescheiden“. Wir singen leise mit. Während unserer Wanderung frisst sich dieses Lied allerdings immer weiter durch unseren Cortex, so dass wir wechselweise alle zwei Minuten zum Refrain anheben. Wie sich zeigen soll, hält die Wirkung noch bis zum übernächsten Tag an. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen summt der Autor leise mit. Es ist tragisch.

Wir sprachen über

Urlaub auf Lanzarote. Dan war samt Gatten und Freunden für eine Woche dort und konnte ein wenig Sonne tanken. Nun ist der Vitamin D Pegel aufgefüllt.

Corona allerorten. Mittlerweile ist man ja schon fast eine Randerscheinung, wenn man sich noch nicht angesteckt hat.

Das Dschungelcamp in diesem Jahr. Kai kennt mal wieder fast alle, Dan ist noch bei Tina Ruland dabei, muss bei den anderen allerdings passen.

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