Mit Kojak durch Kirdorf

Für einen von uns beiden beginnt der Morgen mit großen Fragen. Was ist eigentlich aus der 90er-Jahre Damenkapelle TicTacToe und vor allem ihrer Anführerin Liane Claudia Wiegelmann geworden? Auf unserem Weg zur heutigen Destination erörtern wir die Karrieremöglichkeiten ausgiebig, können uns aber nicht einig werden.

Einfallslosigkeit allerorten

Wenn man sich -wie wir- so gut wie jeden Sonntag einen anderen Ort des Rhein-Erft-Kreises erwandert, muss man zwangsläufig feststellen, dass es mit dem Ideenreichtum bezüglich der Namensgebung der einzelnen Stadtteile nicht weit her ist. Es gibt Stammeln und Stommeln, Berrendorf und Berrenrath und Blessem und Glessen. Als wenn das nicht schon verwirrend genug wäre, fahren wir heute nach Kirdorf, das sich von dem bereits besuchten (die Älteren werden sich erinnern) Erftstädter Ortsteil nur durch ein verlorengegangenes „E“ unterscheidet. Dies führt uns zu der Frage, wie man denn den Namen richtig ausspricht. Ignoriert man die eigentlich angebrachte Kurzbetonung des I’s oder schickt man extra noch ein rollendes R hinterdrein, damit es etwas exotisch klingt? Wir befinden schließlich, dass wir uns an Kir Royal orientieren und schicken den Zusatz „Oder die mörderische Frage, wer hier wohl schläft?“ hinterher.

Motto des Tages: Schweiz!

Während wir das Auto parken, läuft bei „Absolut Bella“ Mini Schwiz, mini Heimat der singenden Toblerone-Packung Beatrice Egli. Da ahnen wir noch nicht, wie passend diese Perle schwyzerdütscher Sangeskunst für unseren Ausflug ist. Soviel sei verraten: In Bedburg und seinen Ortsteilen haben sich Stadtplaner:innen und Tourismusexpert:innen anscheinend viele Gedanken zu den Themen Branding und Vermarktung gemacht. Dazu später mehr.

Hinter Gittern – der Heiligenknast

Nachdem wir aussteigen, fällt uns direkt die Kapelle des heiligen Willibrord ins Auge und unisono tönen wir „Woosch!“. Sofort schlagen wir aber drei Kreuze und werden andächtig. Willibrord war ein angelsächsischer Missionar, der um 700 nach Christus nach Kirdorf kam, um hier erstmal den christlichen Kehraus zu machen und die Heiden für die Bibel und Gottes Werk zu begeistern. Viele Jahrhunderte lang war Kirdorf tatsächlich ein beliebter Wallfahrtsort, so dass wir uns heute ganz in der Tradition der wandernden Gläubigen sehen.

Während wir in den Niederembter Weg einbiegen, kramt Kai aus der Tasche seines Hoodies einen Lollie hervor, den er auch gleich von seiner Verpackung befreit, um ihn dann lutschen zu können. Dan ist schon längst darüber hinaus, sich von irgendwas irritieren zu lassen und so gehen wir weiter unseres Weges. Der endet allerings sehr schnell an einem Feld, wie es anscheinend für Kirdorf typisch ist. Von der Hauptverkehrstraße, die nach Theodor-Heuss benannt wurde, gehen mehrere Straßen und Wege ab und an deren Ende wartet immer Feld. Sei’s drum; Wir gehen entlang der Äcker weiter, finden die ein oder andere Kartoffel und werden mit einem wundervollen Panorama belohnt, das uns die ganze Pracht des Kraftwerks Neurath vor Augen führt. Dass hinter uns auch noch die Autobahn verläuft, rundet das Gesamterlebnis harmonisch ab.

Nach erfolgreichen Ermittlungen genoss Kojak gerne die Stille der Natur

Wir bewegen uns einmal im Karree ums Feld und kommen dann wieder auf eine ausgebaute Straße mit dem Namen „Im Embegrund“ . Hier fällt uns vor allem auf, dass die Tendenz zur vermeintlichen Verschönerung von Vorgärten durch Skulpturen, kleinen Figuren und Totholzarrangements immer wildere Blüten treibt. Wahrscheinlich ist es doch so: Irgendjemand in der Nachbarschaft beginnt mit einem Gartenzwerg und zwei Wochen später ist die ganze Straße voller brüllender Steinlöwen, Brunnenattrappen und tanzender Trolle. Weit und breit ist niemand in Sicht, der dem Einhalt gebieten kann. Vielleicht braucht es in Zukunft Straßenbeauftragte, die das Schlimmste verhindern.

Wir passieren den Sportplatz und sind schon wieder auf einem Feldweg. Auch hier laufen wir im Karree und wähnen uns anschließend im Arbeiterviertel von Kirdorf. In Wahrheit befinden wir uns aber schon in Blerichen, einem weiteren Ortsteil von Bedburg. Die Fenster und (so wollen wir mal euphemistisch sagen) Wintergärten der Plattenbausiedlung sind wie ein Panoptikum der Skurillitäten.

Wir entdecken Cowboyhüte, ausstaffierte Schaufensterpuppen, gestapelte Computerhardware und noch einiges mehr. An der Bäckerei (unschlagbar günstig!) holen wir uns Wegzehrung und gehen dann ganz schnell weiter. Folgen uns die Puppenköpfe in den Fenstern mit ihren Blicken? Wir beschleunigen unsere Schritte.

Wir hatten Hunger auf ein halbes Schwein auf Toast, aber Scheiterhaufen klingt auch ganz gut

Schließlich holt uns Beatrice Egli ein und wir stehen mitten in der Schweiz, der „Bedburger Schweiz“. Wieso gibt es eigenlich so viele Schweizen? Ein Blick ins Onlinelexikon verrät folgendes: „Oftmals wurde in der Zeit der Romantik eine ansprechende, topografisch bewegte Landschaft mit „Schweiz“ überhöht.“ Liebe Bedburger, hier ist überhaupt gar nichts topografisch erhöht. Fahrt mal nach Glessen. Nur, weil mal eine Straße einen kleinen Hügel hinauf führt, rechtfertigt das noch lange nicht diese Benennung. Da könnte man ja gleich den Tümpel um die Ecke in „Bedburger Seelandschaft“ umtaufen.

Hier trifft sich die Haute Voleé zum Käsenfondue

Wir durchwandern den Ort, werden nun „Mine Schwiiz, mine Heimat“ gar nicht mehr los, entdecken die wahrscheinlichst größte Orchidee, die jemals eine Fensterbank verziert hat und entschließen uns dann, wieder zum Auto zurückzukehren. Bevor wir dort einsteigen, werden wir noch Zeugen des anscheinend sonntäglichen Treffens der rüstigen Rollator-Raser Bedburg e.V. . Wir danken dem heiligen Wilibrord(woosch) dafür, dass wir wieder heil angekommen sind und fahren dann nach Hause.

Früher „HOTEL KAPUTT“.

Die Themen der Woche

Wir sprachen über:

  • TicTacToe und die legendäre Pressekonferenz
  • Amanda Lear, die die Moderation der Erfolgssendung „Peep“ als größten Fehler ihrer Karriere bezeichnet.
  • Die Tatsache, dass einweichende Kichererbsen einen nachts wecken können.
  • Brodwoosch
  • Telly Savalas
  • Die Parteienlandschaft in Deutschland. Bis jetzt kannten wir die Partei „LIEBE“ noch nicht, sind aber durchaus angetan von den aussagekräftigen Wahlplakaten.

Die Lieder der Woche

Ohrwurm des Tages

  • Dreimal dürft Ihr raten…..

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