
Nachdem die vergangenen Wochen eher von Spaziergängen, Wanderungen und Erlebnissen in minderschönen Orten geprägt waren, haben wir uns diesmal – passend zum herrlichen Sommerwetter – mal einen schönen Ort ausgesucht. Wobei man auch hier beachten muss, dass eigentlich nur eine Hälfte dieses Ortes recht schön ist, doch dazu später mehr. Es geht nach Paffendorf! Das gehört zwar zu Bergheim, ist aber dennoch recht schmuck.

Wir parken unweit von St. Pankratius und wollen erst einmal zu Fuß zum Ortseingang zurück. Dazu schlendern wir am Wohnmobilstellplatz an der Königsstraße entlang und stellen uns die Frage, wer eigentlich gerne mit seinem Wohnmobil auf einem Parkplatz ohne Infrastruktur urlaubt? Hier in Paffendorf ist der Stellplatz noch ganz nett gelegen – zwischen Minigolfplatz und Schloss, aber in anderen Städten (bspw. Kerpen) überzeugen jene Plätze durch ihre Tristesse. Aber solange man das Vordach ausfahren, den Jägerzaun aufbauen und die Wampe freischwingend über der Speedo tragen kann, scheint die Welt in Ordnung.
Kunst am Kasten
Am Ortseingang, Glescher Str. angekommen sehen wir einmal mehr, wie wichtig Zäune und Tore sind! Auch wenn es keine Wege dahinter gibt. Erstmal ein Tor bauen, der Rest kommt später. Muss ja alles seine Ordnung haben.

Apropos Ordnung: Während andere Gemarkungen in der Region ihre grauweißen Stromkästen ohne jegliche kunstvolle Verzierungen im Stadtbild anrotten lassen, ist man in Paffendorf einen Schritt weiter. Egal, ob Kunstprojekt der örtlichen Schule oder Wiedereingliederungsverfahren unter Bewährungshelferaussicht: Das gibt dem Ort einen bunten Anstrich. Das und natürlich auch die orchideenberankten Fenster, die ja scheinbar, wie wir nun wissen, Pflicht in deutschen Fenstern zu sein scheinen.

Von der Glescher Str. aus wagen wir uns an Rapunzels Drittwohnung vorbei auf die geographisch westliche Seite des Ortes und suchen den Bahnhof. Oder besser ausgedrückt: Den Haltepunkt. Paffendorf ist tatsächlich an eine nicht-elektrifizierte Regionalbahnlinie der Deutschen Bahn angeschlossen. Die fährt theoretisch von Horrem aus über Bergheim ins Niemandsland. Wenn es denn ausreichend gesunde Lokführer jedweden Geschlechts gibt. Wenn davon zu viele erkrankt sind, fährt die Bahn halt nicht! Klingt unfassbar, ist aber so.

Dan erschrak beim Anblick der Haltepunktanlage und ließ sich spontan zu der Aussage hinreißen, das sei der hässlichste Bahnhof, den er jemals gesehen hätte. Da musste ich (Kai) ihm aber widersprechen. Wer schon einmal mit der Regionalbahn zum Weinfest an die Ahr gefahren ist, hat schlimmere Bedarfshaltestellen gesehen. Oder wer mit der Euregiobahn von Langerwehe aus über Eschweiler und Stolberg (Rheinland) nach Aachen gefahren ist, findet dort auch wesentlich fragwürdigere Bahnhofsimitationen.

Unser Weg führt uns weiter zum nördlichen Ortsausgang und wir stellen fest, dass trotz Klimawandels bei uns noch lange nicht alles wächst und gedeiht, was Gottes grüne Hand gegeben hat. Ab und an müssen Pflanzen scheinbar doch gegossen werden. Wie gut, dass Orchideenarrangements nicht in Steingärten wachsen, sondern nur hinter gut verschlossenen windowcolourverfeinerten Fenstern.

In einer scheinbaren Straße ohne Wiederkehr entdecken wir einen Jungen, der alleine mit sich versucht Seilspringen zu spielen. Es gibt einfach immer wieder sonntags Anblicke, die einen doch ein wenig traurig zurücklassen. Wir halten uns natürlich nicht lange damit auf, sondern gehen flugs weiter in die Hauptstraße entlang und suchen den Eingang zum Schloss. Das wird seit einigen Jahren vom sympathischen und überhaupt nicht überteuerten Stromriesen RWE Power betrieben, der dort auch ein kleines Informationszentrum anbietet. Dort kann man sich prima anschauen, wie ganze jahrhundertealte Dörfer weggebaggert, Menschen umgesiedelt, Natur passend gestaltet wird.

Das Schloss, das einst im 16. Jahrhundert gebaut wurde, hat sich im Laufe der Jahrhunderte stets weiterentwickelt und ist heute wirklich schön anzuschauen. Das wissen leider auch zahlreiche Möchtegern – Influencer , die sich im Schlosspark ungelenk versuchen in Pose zu setzen, um neuen Content für ihre bemitleidenswerten, nach Ruhm und Anerkennung heischenden Instagram – Kanäle zu produzieren. Auch dieser Anblick macht uns traurig. Einfach mal bei Instagram #Paffendorf eingeben. Der dann sichtbare Foto-Feed lässt einen zwischen Belustigung und Mitleid und Schaudern festfrieren.
Tanztee im 6/8-Takt
Die Brasserie hat zwischenzeitlich wieder geöffnet, nachdem sie coronabedingt einige Monate geschlossen hatte. Im Innenhof des Schlosses kann man nun also wieder gemütlich speisen und trinken. Sonntags allerdings werden noch weitere Sinne gefordert und umschmeichelt, denn dann lädt eine kleine Bigband rüstige Rentner und Altgebliebene zum feschen Tanztreff ein. Entschleunigung hat hier für uns eine neue Bedeutung bekommen.

Der Schlosspark wartet dann mit viel Wasser und bemerkenswerten Bäumen auf. Wo sonst findet man Mammutbäume, Gingkos oder auch millionenjahre alte Sequoia-Stämme in der Region?!
Ebenso fast nirgends anders findet man so viele Menschen, die meinen ihren Kaminsims zu Hause mit Hochzeitsfotos aus eben diesem Park verschönern zu müssen. Ich glaube, es gibt keinen anderen Park, vielleicht abgesehen vom Schlosspark Brühl, in dem so viele teils sehr ungelenke und steife Hochzeitsbilder geschossen wurden und werden wie hier. Das kann aber auch sehr heiter sein, wenn man sich unweit des Rondells platziert und fotowillige Pärchen mit nervösen Hochzeitsfotografen (m/w/d) beobachtet

Minigolf und Maxispaß
Direkt unweit des Schlossparkausgangs finden wir eingangs erwähnten Minigolfplatz mit Außengetränkeausschank, der für kleines Geld auch Eisprodukte wie den legendären „Flutschfinger“ anbietet. Das freut sicherlich die Wohnmobilbesitzer von nebenan, wenn sie abends noch eine kleine Erfrischung benötigen, bevor sie ihn ihr aufgeheiztes Mobilheim zurückwanken.

Der unweit gelegene Spielplatz bietet dann tatsächlich für kleinere und größere Kinder jede Menge Zerstreuung und Entertainment an. Auf einem kleinen Rundweg entlang der Erft kann man den Besuch anschließend entspannt ausklingen lassen. Oder bei einem Tänzchen im Schlosspark – je nach Guso.

Die Themen der Woche
Wir sprachen über:
– Trostlose Neubaugebiete. Egal, ob in den 1980er, 1990er oder 2000er Jahren gebaut – strukturell schauen alle gleich aus: Straße, Sackgasse, Sackgasse, Sackgasse, Wendehammer! Warum nicht mal was neues wagen? Beispielsweise auf den Wendehammer verzichten 🙂
– Die teils skurrile Kameraführung während der Fußball-EM. Mit dem Leben ringende Spieler werden minutenlang gezeigt, bei Regenbogenflaggen wird weggeblendet. Die UEFA ist einfach … (zum Selbstausfüllen, unsere Gedanken dazu sind justiziabel)
– Über unsere Besuche diverser TV-Shows in den vergangenen Jahrzehnten. Von „RTL Samstag Nacht, „Harald Schmidt“, „ZDF Fernsehgarten“, über „TV Total“, „Bärbel Schäfer“, „Greif an“(!) bis hin zur „Dirk Bach Show“, Let’s Dance“ oder „Der Preis ist heiß“ war die zu Recht vergessene „April Hailer Show“ im ZDF der absolute Tiefpunkt! Stundenlang gefangen ohne zu lachen…hätte es damals schon Handys gegeben, wir hätten um Hilfe gerufen.
– Sonnenbänke und deren Spätfolgen/Altersflecken. Kai hatte mal eine Ex-Freundin, die nebenberuflich in einem Sonnenstudio jobbte. Zu der Zeit – und in Vorbereitung eines Balearenurlaubs – besuchte er damals häufiger das Münzmallorca zur „Happy hour“ vor 11 Uhr. An der Bar entstanden spontane Freundschaften mit tiefgegerbten Endfünfzigerinnen.
In dem Zusammenhang: Es besteht die Gefahr, dass einer von uns ad hoc Altersflecken bekommt. Wobei das schon die eher euphemistische Bezeichnung ist. Dan möchte aber nicht drüber reden 🙂
Die Lieder der Woche
Wir sangen:
– Absolut Bella“ hatte wieder eine Playlist ausgewählt, die ähnlich überraschend ist wie ein Margarete Stokowski-Besuch im Kölner „Pascha“. Diesmal wartete der Sender mit einer von uns ungehörten Version des Super-Sommer-Songs „Volare“ auf. Wir alle kennen das Original der unverwüstlichen „Gipsy Kings“ (bitte umbenennen). Der temperamentvolle Eidgenosse DJ Bobo hat dies Lied aber auch …interpretiert. Bitte hier nachhören.
– Die patinabesetzte goldene Stimme aus Prag bescherte uns die deutsche Version von „Forever Young“. Karel statt Alphaville. Zum Glück nicht die Version mit Bushido.