Horror zwischen Horrem und Habbelrath

Meistens ist es ja die eigene Heimat, in der man sich am wenigsten auskennt. Zumindest ist das bei uns der Fall. Unsere Kindheit und Jugend haben wir in Horrem verbracht, die meiste Zeit davon aber in privaten Gärten, leerstehenden Häusern, Partykellern (gab es damals noch) , Kiesgruben (gab es damals auch noch) und im Tagebau (ihr wisst schon). Die einzelnen Straßen und Wege haben uns dabei wenig interessiert.

Hauptsache Haus

Winter trifft Sommer


Nach der Schule haben wir dann das Nest verlassen, was nicht zuletzt für die Inzestrate gut ist, sind aber beide irgendwann zurückgekehrt. Unsere ersten etwa zwanzig Wanderungen führten uns alle durch unseren Heimatort und wir haben Dinge entdeckt, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Vielleicht machen wir in den nächsten Wochen mal ein Best-of Horrem. Was uns vor allem aufgefallen ist: Horrem und Neubottenbroich sind die Orte des Zweite-Reihe-Wohnens. Es ist nicht zu fassen, auf wie vielen Grundstücken im Laufe der letzten Jahre noch ein weiteres Haus gebaut wurde. Erstaunlich ist darüber hinaus, was sich überhaupt „Haus“ nennen darf. Anscheinend reichen eine Tür, ein Fenster und eine Regenrinne, um diese Bezeichnung zu rechtfertigen. Es gäbe so viel Bildmaterial, das wir hier gerne posten würden, wenn es denn erlaubt wäre. So können wir nur eine Wanderung durch die Horremer Straßen empfehlen. Es lohnt sich.

Enklave Habbelrath

Heute brechen wir also auf in Richtung Nachbarort. Genauer gesagt wollen wir die Gemarkungen zwischen Horrem und Habbelrath erkunden und gehen dafür erstmal die Straße „Schiefbahn“ hinauf, die, nachdem sie die A4 überquert hat, zur „Dürener Straße“ wird. Kurz nach der Autobahnunterführung biegen wir links ab und umzirkeln somit Habbelrath. Von hier aus lässt sich ganz gut festellen, dass rund um den Ort ein Wall aufgeschüttet wurde, der von einem doch ahnsehnlichen Graben ergänzt wird. Da stellt sich natürlich für uns sofort die Frage, ob man verhindern wollte, dass Menschen einbrechen oder dass Bewohner ausbrechen.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Dahinter kommt Habbelrath.

Unweigerlich denken wir hier an einen unserer Lieblingsfilme, „Club las Piranjas“ mit Hape Kerkeling, Angelika Milster und Judy Winter. Wer den Film kennt, wird wissen, warum. Wer den Film nicht kennt, braucht dringend Hilfe. Die nächsten zwanzig Minuten zitieren wir Zeile um Zeile und enden mit einer leidenschaftlichen Interpretation von „Akropolis adieu“.

Das Verschwinden der Tamara S.

Unser Weg führt uns über Felder, wir unterqueren die Gleise der Braunkohlebahn, passieren den Kölner Randkanal und sind unschlüssig, in welche Richtung wir nun weitergehen wollen. Also zücken wir unsere Smartphones und schauen auf unserer Wander-App „Komoot“ nach, wo wir uns wohl befinden. Dabei entdecken wir etwas, was nach einer Art Siedlung im Wald aussieht und direkt neben der A4 zu sein scheint. Somit steht also der Entschluss fest, welche Richtung wir einschlagen. Wir durchstreifen eine Wiese mit Obstbäumen und stehen dann vor einem Jägerzaun. Dahinter erspähen wir Wohnwagen, kleine Häuschen, Verschläge und Bretterbuden. Dan sieht vor seinem geistigen Auge schon die nächste Folge von „Aktenzeichen XY ungelöst“ und schreibt schon am Prolog. „Es war ein Donnerstag Abend, als Tamara S. das letzte Mal gesehen wurde.“ spricht er, während wir weiter den Zaun entlang gehen. Dann entdecken wir eine Art Gartentor, das mit einem Kettenschloss zusätzlich gesichert wird. Dass das zugehörige Schloss nach innen zeigt, ist nur ein weiterer Baustein für unseren Beitrag bei „Aktenzeichen XY ungelöst“.

Julian, Dick, Anne und George hatten mal wieder frei und so musste die B-Mannschaft ran.

Irgendwann geht unsere Phantasie vollends mit uns durch und wir reden über Menschenhandel, Zwangsprostitution und Q-Anon. Wir sollten einfach andere Bücher lesen und auch über unsere Filmwahl nachdenken.

Schließlich entdecken wir den Haupteingang zu diesem Areal. Dieser besteht aus einem großen, gusseisernen Tor,, zahlreichen Kameras, einer Klingelanlage mit Monitor und weiteren Utensilien, die auf uns nur wenig vertrauenserweckend wirken. Am Tor finden wir ein verwittertes Schild, auf dem „Sport- und Naturfreunde“ zu lesen ist. Wir glauben, wir verstehen die Botschaft und gehen ganz schnell weiter.

Der weitere Weg führt uns wieder über die und dann parallel zur A4. Ein wenig wundern wir uns, dass hier noch so viel ungenutztes Bauland ist. Außerdem wäre hier noch sehr viel Platz für ein weiteres Dorf für Sport- und Naturfreunde. Wir beschließen, dieses Idee weiterzuverfolgen und verabreden uns für den kommenden Mittwoch, um gemeinsam „Aktenzeichen XY ungelöst“ zu schauen.

Fazit:
In der nahen Umgebung gibt es einiges zu entdecken. Manches davon verwirrt, anderes erschreckt. Der Weg von Habbelrath nach Königsdorf sei aber jedem ans Herz gelegt.

Die Themen der Woche

Worüber wir sprachen:

  • Inspiriert von der Umbauung Habbelraths über Strafgefangenenkolonien.
  • Den Namen Tamara und sein Verschwinden.
  • Die unterschiedliche Arten von Spielplätzen und ihre Eignung. Mitunter fragt man sich, wer gewissen Gerüste baut, genehmigt und abnimmt.
  • Hape Kerkeling und seine Abwesenheit.
  • Angelika Milster und ihre merkwürdige Wandlung.
  • Naturfreunde.

Die Lieder der Woche

Wir sangen:

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